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Bildzeichen

Zeichentheoretisch lassen Bilder sich als Gegenstände definieren, auf denen Zeichen sich befinden. Unter "Bildzeichen" verstehen wir solche sich auf Bildern befindliche Zeichen, wobei mit "Zeichen" die dreistellige Relation von Zeichenmittel (Repräsentamen), Objektbezug und Interpretant angesprochen ist. Gemäß der Semiotik von Charles Sanders Peirce kann ein Zeichen nur als ein solches benannt werden, wenn es in der Lage ist, einen Interpretanten für seine Funktion und/oder für sein Objekt hervorzurufen. Der Interpretant beschreibt die vom Individuum als Vorstellung oder Bedeutung aktualisierte Verbindung des Zeichenmittels mit dessen repräsentierten Objekt, wobei das repräsentierte Objekt nicht nur ein Gegenstand, sondern auch ein anderes Zeichen sein kann.

 

Wenn von "Zeichen" nur die Rede sein soll, insofern es in der Lage ist, einen Interpretanten hervorzurufen, so gilt dies umgekehrt keineswegs: Das Zeichen muss nicht als Zeichen erkannt werden, der Interpretant kann z.B. den Objektbezug auch ohne die Vorstellung eines Zeichenmittels aktualisieren (unvollständiger Zeichengebrauch). Tatsächlich gehen viele der Schwierigkeiten im Umgang mit (vor allem technisch hergestellten und reproduzierbaren) Bildern auf den Umstand zurück, dass Bildzeichen nicht als solche erkannt werden, das Bild also gewissermaßen als transparentes, unmittelbares und natürliches Abbild des Wirklichen gelesen wird. Wenn in solchen Fällen semiotisch vom Wirken naturalisierter Kodes gesprochen werden kann, dann offenbart dieses Wirken, wie Stuart Hall festgehalten hat, "nicht die Transparenz und 'Natürlichkeit' der Sprache, sondern die Tiefe, den Gewöhnungsgrad und die Quasi-Universalität der angewandten Kodes" (Hall 2002:112).

 

Literatur: Hall, Stuart: Kodieren und Dekodieren. In: Ralf Adelmann u.a. (Hg.): Grundlagen der Fernsehwissenschaft, Konstanz 2002 (UTB).

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