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Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ)

Nachdem es erste Ansätze zu einer Arbeiterbewegung bereits seit der bürgerlichen Revolution von 1848 gegeben hatte, wurde 1874 im burgenländischen Ort Neudörfl die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs gegründet. Zu ihr bekannten sich jedoch noch nicht alle Strömungen der österreichischen Arbeiterbewegung. Eine Vereinigung der verschiedenen Strömungen zu einer politisch handlungsfähigen Massenpartei gelang erst auf dem Parteitag von Hainfeld 1888/89 in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs (SDAP). Zu ihren Kernzielen zählte die Verbesserung der sozialen Situation der ArbeiterInnen sowie der Kampf um politische Partizipationsrechte, weshalb sie wesentlich an der Einführung des allgemeinen Wahlrechts beteiligt war. Nach dem Ersten Weltkrieg bildete die SDAP von 1918 bis 1920 mit den Christlich-Sozialen eine Koalition und nützte diese dazu, wesentliche Sozialgesetze durchzusetzen. Von 1920 bis 1933 war sie in Opposition, hatte aber in Wien und in den meisten großen Städten und Industriegemeinden die Mehrheit, wo sie, soweit sie konnte, ihre sozialpolitischen Vorstellungen umsetzte. 1926 schuf sie mit dem Linzer Programm das wichtigste Dokument des Austromarxismus. Die Durchsetzung des von Christlich-Sozialen und Heimwehren getragenen Systems, die Ausschaltung des Parlaments 1933 und die immer stärkere Unterdrückung der SDAP führte 1934 zum Bürgerkrieg. Am 14.2.1934 wurde die SDAP vom austrofaschistischen Regime verboten, ihre Organisationen wurden aufgelöst. Ein Teil ihrer FührerInnen emigrierte, die in Österreich verbliebenen führenden FunktionärInnen wurden verhaftet oder überwacht. In der Illegalität gründeten sich die Revolutionären Sozialisten, deren unmittelbares Ziel die Zerschlagung des Faschismus und der Kampf gegen den Nationalsozialismus war. 1945 wurde die Partei als "Sozialistische Partei Österreichs (Sozialdemokraten und Revolutionäre Sozialisten)" wiedergegründet. Sie vertrat einen pragmatischen Kurs und bildete zusammen mit der ÖVP von 1945 bis 1966 als schwächerer Regierungspartner eine Koalitionsregierung. Die vom Austromarxismus geprägten "linken" SozialistInnen mussten ihre Positionen in der Parteiführung bald zu Gunsten pragmatisch orientierter "rechter" PolitikerInnen aufgeben. Von 1966 bis 1970 war die SPÖ in Opposition, von 1970 bis 1983 bildete die SPÖ unter Bruno Kreisky eine Alleinregierung, die besonders in den ersten Jahren zu einer Modernisierung Österreichs beitrug. Von 1983 bis 1986 koalierte die SPÖ mit der FPÖ (Kleine Koalition) und von 1986 bis 1999 mit der ÖVP. Von 2000 bis 2007 war die SPÖ in Opposition, seit 2007 stellt sie wieder den Regierungschef. 1991 wurde die SPÖ von "Sozialistischer Partei Österreichs" in "Sozialdemokratische Partei Österreichs" umbenannt.

 

Die SPÖ ist eine zentralistisch organisierte Partei, deren Basis die einfachen Mitglieder sind. Das Zentralsekretariat wird von BundesgeschäftsführerInnen (ein oder zwei Personen) geleitet, die Partei gliedert sich in Referate (Junge Generation, FSG usw ). Höchstes Organ ist der Parteitag, der von den Bezirksorganisationen und den angegliederten Organisationen beschickt wird. Er wählt als Exekutivorgane den Parteivorstand, das Parteipräsidium und den/die Parteivorsitzende/n. Daneben besteht noch ein v. a. um die Vorsitzenden der Landesorganisationen erweitertes Parteipräsidium und ein Parteirat ("Kleiner Parteitag"). Die Parteiführung besitzt im Allgemeinen große Stabilität (LangzeitfunktionärInnen); die Möglichkeiten der Teilnahme an politischen Entscheidungen sind bei FunktionärInnen der mittleren und unteren Ebene eher gering; der politischen Wirksamkeit nach außen kommt die starke innerparteiliche Disziplin zu Gute. Der Anteil der Frauen unter den FunktionärInnen nimmt seit längerer Zeit kontinuierlich zu. 1993 wurde festgelegt, dass der Anteil von Funktionärinnen bei 40 % liegen soll. Eine traditionelle Vorrangstellung nimmt die SPÖ in Wien ein, wo sie seit 1945 immer den Bürgermeister stellte.

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