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Meissner-Blau, Freda

Freda Meissner-Blau wurde am 11. März 1927 in Dresden in eine großbürgerliche Familie geboren. Der Vater entstammte einem altösterreichischen Offiziersgeschlecht, war Nationalökonom und Journalist, die Mutter kam aus einer wohlhabenden Beamtenfamilie.

Die ersten drei Lebensjahre verbrachte Freda Meissner-Blau in Reichenberg (Nordböhmen), dem Heimatort ihrer Mutter, dann übersiedelte die Familie nach Linz, wo sie den "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich erlebte, bis die Familie im Sommer 1938 nach Wien übersiedelte. 1939 folgte die Emigration nach England, da sich der Vater journalistisch gegen das NS-Regime betätigt hatte. Nach der Scheidung der Eltern im Exil kehrte die Mutter nach Reichenberg zurück, Freda Meissner-Blau setzte ihr Mittelschulstudium in Reichenberg fort.

Als im Februar 1945 die russischen Truppenverbände näher rückten, entschloss sie sich allein zur Flucht nach Westen und erlebte die Bombardierung Dresdens. 1947 kehrte sie nach Wien zurück, wo sie Journalistik und Publizistik studierte und nebenher für die amerikanische Besatzungsmacht arbeitete. Sie ging dann aber nach Deutschland und inskribierte in Frankfurt Medizin. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann, den aus weißrussischem Adel stammenden Georges de Pawloff kennen, mit dem sie mehrere Jahre in Afrika (Kongo) und Paris lebte. Tätig war Freda Meissner-Blau für die UNESCO u a. auch mit der Übersetzung von Angeboten französischer Konzerne für die Errichtung von Atomkraftwerken, wodurch ihr die Risiken der Atomenergie deutlich wurden.

Nach Wien zurückgekehrt, wurde sie 1962 zur Generalsekretärin des neu gegründeten Instituts für Höhere Studien ernannt, ihr Mann arbeitete bei der Internationalen Atombehörde. Die Studentenrevolte 1968 erlebte Freda Meissner-Blau in Paris. 1970 trennte sie sich von ihrem ersten Mann und heiratete den sozialdemokratischen Journalisten Paul Blau (von 1967–1970 Chefredakteur der Arbeiter-Zeitung, von 1970–1972 Presse- und Kulturattaché in Paris), mit dem sie 1972 nach Wien zurückkehrte, wo sie u.a. Bildungsreferentin der ÖMV war und in den Kreisky-Jahren der SPÖ beitrat.

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren wurde Freda Meissner-Blau zu einer Vorreiterin der Grünbewegung. Sie war aktiv an der Verhinderung der Inbetriebnahme des AKWs Zwentendorf (Volksabstimmung 1978) und des Donaukraftwerks Hainburg (Aubesetzung 1984) beteiligt. Im Frühjahr 1986 kandidierte Meissner-Blau, die sich von der SPÖ getrennt hatte, als Vertreterin der Grünbewegung für das Amt der Bundespräsidentin. Bei den Nationalratswahlen im selben Jahr stand sie an der Spitze der Liste Die Grüne Alternative - Liste Freda Meissner-Blau, für die sie auch ins Parlament einzog. Freda Meissner-Blau wurde die erste weibliche Klubobfrau in der Geschichte Österreichs.

1988 legte sie ihr Mandat zurück, nachdem sich die Fraktion konsolidiert hatte. Journalistisch und in zahlreichen Vorträgen blieb Freda-Meissner-Blau eine aktive Kämpferin für die Umweltpolitik. Neben der Umweltpolitik trat und tritt Fred Meissner-Blau v.a. für die Friedenspolitik, gegen AusländerInnenfeindlichkeit und Intoleranz auf. In den letzten Jahren kritisierte sie zunehmend die österreichische Innenpolitik, weil sie die wirklich wichtigen gesellschaftlichen Themen nicht anpacken würde, aus Angst vor Verlusten bei der nächsten Wahl – auch ihre eigene Partei, die Grünen, verschont sie nicht mit kritischen Anmerkungen.


Quellen:

www.parlament.gv.at/WWER/PAD_01130/index.shtml (15.8.2015)
www.wien-konkret.at/politik/partei/gruene/freda-meissner-blau (15.8.2015)
„Am liebsten würde ich gar nicht wählen gehen“. In: Der Standard, 25.9.2013. In: derstandard.at/1379291886055/Am-liebsten-wuerde-ich-gar-nicht-waehlen-gehen (15.8.2015)

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