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Mehrtägige Schulveranstaltungen

Die Gründe, warum manche SchülerInnen bzw. deren Eltern ein Problem mit mehrtätigen Schulveranstaltungen haben, sind vielfältig. Einerseits kann es sein, dass dies für manche Eltern nichts Selbstverständliches ist, da es aus den Herkunftsländern nicht bekannt ist, andererseits kann es auch mit der Umgebung und der Sozialisation der Familie zu tun haben. Manche konservative Familien können auch an Erziehungsprinzipien festhalten, die für andere schwer nachvollziehbar sind. Manchmal können aber auch finanzielle Schwierigkeiten eine Teilnahme an einer mehrtägigen Schulveranstaltung erschweren. Oft fällt es nicht leicht, finanzielle Nöte einzugestehen, weshalb sie vor LehrerInnen verschwiegen und andere Gründe vorgeschoben werden. Deswegen sollten Eltern auch ausreichende Informationen über die Möglichkeit von Finanzierungshilfen erhalten (vgl. Luciak/Binder 2010: 73f).

Die Nicht-Teilnahme vieler SchülerInnen einer Klasse ist insofern problematisch, als dass sich mindestens 70 Prozent der SchülerInnen für die jeweiligen Aktivität anmelden müssen – geschieht dies nicht, kann die Veranstaltung nicht stattfinden und wird für die gesamte Klasse abgesagt. Somit entgehen allen SchülerInnen wichtige Erfahrungen, gleichzeitig ist dies abträglich für das Schulklima – gerade wenn kulturelle, religiöse oder ethnische Motive für die Nicht-Teilnahme ins Spiel kommen.

Das Schulunterrichtsgesetz (§ 13) besagt, dass eine Teilnahme an mehrtägigen Schulveranstaltungen nicht verpflichtend ist, wenn

1. Die Vorschriften über das Fernbleiben von der Schule (SchUG § 45) anzuwenden sind oder
2. Der Schulleiter nach Anhörung der Klassenkonferenz einen Schüler von der Teilnahme an der Schulveranstaltung ausgeschlossen hat oder
3. mit der Veranstaltung eine Nächtigung außerhalb des Wohnortes verbunden ist.

Mögliche Handlungsoption:

Auch hier gilt es, das Gespräch zu Eltern und SchülerInnen zu suchen, um die jeweilige Sichtweise zu erkunden und mögliche dahinterstehende Probleme zu diskutieren. Wenn es um Bedenken bezüglich des Einhaltens von Essens- und Verhaltensregeln geht, kann überlegt werden, eine Begleitperson, die selbst Muslima ist, einzubinden (vgl. Luciak/Binder 2010: 74).

 

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Verwendete Literatur:

Luciak, Mikael/Binder, Susanne (2010):  „Informationen und Anregungen  zur Umsetzung des Unterrichtsprinzips „INTERKULTURELLES LERNEN“. Ein Handbuch für den Bereich allgemeinbildende Pflichtschulen und allgemeinbildende höhere Schulen“. Wien. In:  http://www.univie.ac.at/alumni.ksa/images/text-documents/ASSA/ASSA-SN-2010-01.pdf (10.10.2015)

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