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Abb. 3: Lagerzaun und Wachtürme im ehemaligen Vernichtungslager

Lagerzaun und Wachtürme im ehemaligen Vernichtungslager, Auschwitz Januar 1995
©akg-images/Michael Teller

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Zur Aufrechterhaltung der Gefangenschaft in den nationalsozialistischen Lagern dienten unter anderem auch ganz spezifische Medien der Beobachtung und Umgrenzung. Dabei kennzeichnete die Umzäunung jene Lager als flüchtige Architekturen, die sich relativ leicht wieder abbauen ließen. Die Verbrechen haben allerdings trotzdem ihre Spuren hinterlassen, wie Peter Reichel in Bezug auf den Erinnerungsort „Auschwitz“ bemerkt: „Das Grab der Opfer hat viele Orte. Spuren finden sich in ihren schriftlichen Zeugnissen und im Gedächtnis der materiellen Dinge, die von ihnen übrig geblieben sind, in den Briefen, Tagebüchern und Zeichnungen, in den Bergen von Brillen, Haaren, Koffern und Schuhen, aber auch in den technik- und baugeschichtlich aussagekräftigen Relikten wie dem Eingangstor mit dem zynischen Schriftzug ‚Arbeit macht frei‘, der Rampe oder den Zaunpfählen der hohen Lagerzäune.“[1] In Auschwitz-Birkenau war diese elektrisch geladene Stacheldrahtbarriere von niedrigeren Pfosten mit Drahtbespannung eingerahmt; der Zwischenraum im Lagerinneren fungierte als „Todeszone“.[2] Die hier abgebildete Fotografie hat Michael Teller im Januar 1995 in Birkenau (Auschwitz II) aufgenommen. Im Hintergrund ist schemenhaft das Lagertor zu erkennen. Schnee und Himmel gehen kaum merklich ineinander über; Nebel verbindet beide Zonen miteinander. Der Fotograf hat den hohen Stacheldrahtzaun mit den kleinen Pfosten davor, die Wachtürme und das Tor, aber auch die Menschenleere und den Schnee atmosphärisch so in Szene gesetzt, dass sich insgesamt der Eindruck eines symbolisch aufgeladenen Gedächtnisortes ergibt. Leblosigkeit und Kälte dominieren das Bild.

Benjamin Drechsel


[1] Reichel, Peter. 2005. „Auschwitz.“ In Deutsche Erinnerungsorte. Eine Auswahl, hg. v. Etienne François und Hagen Schulze, S. 309–331.  München: Beck, hier S. 311.

[2] Menzel, Katharina. 1998. „Auschwitz-Birkenau – Zaunpfähle.“ In Das Gedächtnis der Dinge. KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945–1995, hg. v. Detlef Hoffmann, S. 266–277. Frankfurt am Main: Campus, hier S. 266.

 


 

Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Lagerzaun und Wachtürme im ehemaligen Vernichtungslager. Bildanalysetext zur Abbildung 3 der Ikone „Stacheldraht“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/stacheldraht/abb3-lagerzaun-und-wachtuerme-im-ehemaligen-vernichtungslager.html

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