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Abb. 10: Sperrvorrichtungen und Kamera

Sperrvorrichtungen und Kamera, G8-Gipfel Heiligendamm (Deutschland) 2007
© Axel Schmidt / ddp: Stacheldraht-Zaun Heiligendamm

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Bis heute wird Stacheldraht in vielen Varianten weltweit eingesetzt, wo es gilt, eine Grenze deutlich zu markieren. Der Stacheldraht beinhaltet dabei immer auch ein Element der Drohung, das über ihn selbst hinausweist. Denn am gefährlichsten ist häufig nicht der Draht als solcher, sondern eher die Reaktion, welche seine Überwindung hervorzurufen droht. Das gilt allerdings weniger für den NATO-Draht, der bereits seit einigen Jahrzehnten im Einsatz ist: Dieser hat keine aufgesetzten Dornen, sondern in Blechbänder gestanzte Schneiden, die so scharf wie Rasiermesser sein können. Seine Ikonographie spielte beispielsweise eine Rolle bei den Debatten um den G8-Gipfel des Jahres 2007 im Ostseebad Heiligendamm, der durch einen 13 Kilometer langen Sicherheitszaun von der Umgebung isoliert wurde. „Ein scharfes Symbol“[1] schrieb etwa „Zeit online“ und zeigte dazu das oben abgebildete Foto des NATO-Drahtes auf dem Zaun. Diese Aufnahme stammt von Axel Schmidt (ddp), der damit auch das Verhältnis von Grenze und Sichtbarkeit thematisiert: Die Wachtürme, welche die Ikonographie der nationalsozialistischen Lager und beispielsweise auch des DDR-Grenzregimes gemeinsam mit dem Stacheldraht prägen, sind hier durch eine Kamera ersetzt.[2] Dies passt zu einer Tendenz der Entmaterialisierung von Grenzregimes zu Beginn des 21. Jahrhunderts (zu der es allerdings auch Gegentendenzen gibt). Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit werden dabei zu wichtigen Stilmitteln der Macht, die mit über den Zugang zu bestimmten Räumen entscheiden. Die Kamera jedenfalls, und mit ihr die politische Macht der Sehenden, scheint durch den NATO-Draht des Bildvordergrunds in unerreichbare Ferne gerückt.

Benjamin Drechsel


[1] Biermann, Kai. 2007. „Ein scharfes Symbol.“ Zeit online, 21. Mai, www.zeit.de/online/2007/21/heiligendamm-zaun (eingesehen am 26. September 2007)

[2] Vgl. Hempel, Leon/Metelmann, Jörg, Hg. 2005. Bild – Raum – Kontrolle. Videoüberwachung als Zeichen gesellschaftlichen Wandels. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

 


 

Zitierempfehlung: Drechsel, Benjamin, Sperrvorrichtungen und Kamera. Bildanalysetext zur Abbildung 10 der Ikone „Stacheldraht“, in: Online-Modul Europäisches Politisches Bildgedächtnis. Ikonen und Ikonographien des 20. Jahrhunderts, 09/2009,
URL: http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/stacheldraht/abb10-sperrvorrichtungen-und-kamera.html

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