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Religion, Scharia und Frauenrechte

Annäherung an das Thema:
Anlässlich der Debatten um Kopftuch, Burka und reaktionäre Moscheeverbände ist auch das Thema der Scharia in den Fokus gerückt. Wir erleben in bestimmten gesellschaftlichten Gruppen eine Stärkung patriarchaler Denkmuster, eine Schwächung der Ideen der Aufklärung und eine Relativierung universell formulierter Menschen- und Frauenrechte.  Schariagerichte sind in vielen islamischen Ländern wieder verstärkt an der Tagesordnung, aber auch in Europa mehren sich an der Scharia orientierte Urteile. Gestützt auf das Internationale Privatrecht wird die religiös gesteuerte islamische Gerichtsbarkeit legitimiert. In England zum Beispiel gibt es viele vom Staat anerkannte Schariagerichtshöfe, die die nationale, für alle geltende rechtstaatliche Gerichtsbarkeit in Frage stellen.

Die erst kürzlich in Deutschland und Österreich diskutierte Frage, ob Kinderehen bei Flüchtlingen akzeptiert werden sollen oder nicht, die Frage was mit Familien geschehen soll, die in polygamen Strukturen leben und nach Europa kommen, spaltet die Gesellschaft in zwei Gruppierungen, einerseits die, die den Multikulturalismus verteidigt, andererseits die, die den Universalismus, nämlich dieselben Menschenrechte für alle, als notwendige Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben fordert.

Religionskritik und die Verteidigung der Werte der Aufklärung werden heutzutage häufig als eurozentristisch zurückgewiesen; diese Debatte findet in allen Parteien statt. Dass Religion wieder eine Aufwertung erfahren hat, entspricht dem weltweiten politischen Rollback-Prozess. Hier setzt die Diskussion um die Toleranz gegenüber religiösen Praktiken an, die den rechtsstaatlichen, demokratischen Verfassungen in Europa entgegenstehen.

Diese Entwicklungen konfrontieren uns mit folgenden Fragen: Kann geduldet werden, dass wir Religionsfreiheit über Frauen- und Kinderrechte stellen? Dass mehr und mehr Mädchen aus islamischen Familien durch Kopftuchgebot und das Verbot, an koedukativen Klassenfahrten und Schwimmunterricht teilzunehmen, benachteiligt werden? Dass männliche Jugendliche es selbstverständlich finden, Kontrolle über ihre weiblichen Familienangehörigen oder Mitschülerinnen auszuüben? Dass damit die in westlichen Gesellschaften mühsam erkämpften Gleichstellungsprinzipien der Geschlechter in Frage gestellt wird?

 

Unterrichtsablauf:
Unterrichtssequenzen: 5
Diese Unterrichtssequenzen entsprechen keinen 50-Minuten-Einheiten und stellen jeweils Materialien und Aktivitäten zur Verfügung, die auch eine Auswahl bieten – je nach zeitlichen Bedingungen –, und werden idealerweise in Doppelstunden oder Projekthalbtagen eingesetzt.

 

Methodisch-didaktische Hinweise:
Die SchülerInnen sollen demokratische Grundrechte (Gleichberechtigung zw. Frauen und Männern, Meinungs- und Religionsfreiheit) in ihrer Bedeutung erkennen und auch verstehen, dass über Jahrhunderte politisch erkämpfte Rechte immer wieder in Frage gestellt werden und daher verteidigt werden müssen. Dies soll anhand gesellschaftlich relevanter Themen, die auch für Jugendliche einen starken Bezug zu ihrer Lebenswelt haben, geschehen. Folgende Kompetenzen sollen angebahnt werden:

  • Sachkompetenz wird erreicht durch Wissensaneignung bez. Begriffen wie Scharia, Islamismus, Kulturrelativismus, Begriffe, die oft missverständlich gebraucht werden.
  • Urteilskompetenz wird geschärft durch Analysieren von unterschiedlichen Quellen und Positionen,  Diskussion und Formulieren von Meinungen.
  • Handlungsorientierung und Interkulturelles Bewusstsein wird trainiert durch Perspektivenwechsel, d.h. z.B. auch Vertreten und Argumentieren von Standpunkten, die nicht die eigenen sind.
  • Methodenkompetenz wird gefestigt durch Verwenden verschiedener Strategien, an Texte heranzugehen, durch unterschiedliche Sozial- und Lernformen, durch Präsentationstechniken und Einsatz von Medien.

 

Schulstufe: 12 und 13
Unterrichtsfächer: Politische Bildung, Geschichte, Deutsch, Fremdsprachen (Englisch, Französisch)
Kompetenzen/Erwartungshorizont: Politische Sach-und Urteilskompetenz, Handlungskompetenz und Methodenkompetenz

 

Verfasserinnen:

Margit Eisl, Viktoria Kriehebauer

 

Unterrichtssequenzen:

→ 1: Einstieg in die Thematik
→ 2: Stellung der Religion in Europa, unterschiedliche Traditionen und Konzepte
→ 3: Vertiefung zum Thema "Die Stellung von Religion in verschiedenen Gesellschaften"
→ 4: Interkulturelles Bewusstsein und Prävention gegen Radikalisierung
→ 5: Abschlussaktivität

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