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8./9. Mai

HISTORISCHER BEZUGSPUNKT: Das Kriegsende in Europa und die Schuman-Erklärung

Am 8. Mai 1945 trat die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reichs in Kraft. Damit endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Die Unterzeichnung erfolgte bereits am 7. Mai in Reims (Frankreich) und wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai in Berlin-Karlshorst wiederholt. Der Kapitulation waren bedeutende, mehrwöchige Schlachten mit schweren Verlusten bei allen Kriegsparteien vorangegangen. Bereits am 2. Mai 1945 hatte die Rote Armee Berlin, die Hauptstadt des Deutschen Reichs, erobert.

DDR-Briefmarke: 25. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus
Erstausgabetag: 5. Mai 1970
Entwurf: Gerhard Stauf
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Quelle: Michel-Katalog-Nr: 1569 (public domain)

Diese DDR-Briefmarke stellt stilisiert eine visuelle Ikone der Schlacht um Berlin dar und symbolisiert zugleich das Ende des Zweiten Weltkriegs: Das Hissen der sowjetischen Fahne auf dem Reichstagsgebäude und den damit bezeugten Sieg über das nationalsozialistische Deutsche Reich. Dabei sind diesem Symbol des offiziellen Gedächtnisses der DDR mehrere Bedeutungen eingeschrieben. Der militärische Sieg und das nahende Ende des Krieges, das Entrollen des Hoheitszeichens der siegenden Roten Armee, und die Verwendung als Brief- markenmotiv, als Ausdruck eines offiziellen Geschichtsbildes der DDR. Der Titel "25. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus" verweist auch auf die Verbundenheit zur Sowjetunion. Im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland wird das Selbstverständnis der DDR als radikaler Gegenentwurf zum Nationalsozialismus deutlich. Das historische Foto von Jewgeni Ananjewitsch Chaldej, das als Vorlage für diese Briefmarke diente, wurde in verschiedenen retouchierten Fassungen ver- öffentlicht. Weitere Informationen zum Original und seinen Varianten finden Sie bei den Links.

Nach Hitlers Selbstmord angesichts der bereits nach Berlin vorrückenden Roten Armee am 30. April 1945 war die Führung des nationalsozialistischen Staates zunächst bestrebt, einzelne Waffenstillstandsvereinbarungen mit den westlichen Alliierten zu treffen. Nachdem das gemäß der Abkommen der Alliierten abgelehnt wurde, erfolgte die bedingungslose Kapitulation an allen Fronten. Wegen protokollarischer Bedingungen wurden mehrere Urkungen in Reims und Berlin am 7., 8. und 9. Mai unterzeichnet. Da das Ende der Kampfhandlungen mit 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit am 8. Mai festgelegt wurde, fiel es wegen der Zeitverschiebung in Moskau bereits auf den 9. Mai, daher wurde in der Sowjetunion und heute in Russland der 9. Mai als Tag des Sieges, im Westen Europas hingegen der 8. Mai als Tag der Befreiung begangen.

Kapitulationsurkunde (Act of Military Surrender)
7. Mai 1945
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Quelle: National Archives (public domain)

Die militärische Kapitulation bedeutete das Ende des Krieges in Europa, das Ende des Nationalsozialismus und die Übernahme der Kontrolle Deutschlands und Österreichs durch die Alliierten Besatzungs- mächte. Tatsächlich wurde in der Erklärung lediglich das Ende der Kampfhandlungen festgelegt mit dem Hinweis, dass etwaige weitere Bedingungen (etwa im Rahmen von Friedensverträgen und/oder Strafprozessen) seitens der Alliierten folgen können. Die Nachkriegsordnung im ehemaligen Deutschen Reich und in Europa war nicht Teil der Kapitulationsvereinbarung. Im Gegensatz zu Österreich, das mit dem Staatsvertrag 1955 vollständig souverän wurde, erlangte die wiedervereinigte Bundesrepublik Deutschland erst auf Grundlage des Zwei-plus-Vier-Vertrags (BRD, DDR und USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion) die volle Souveränität. Zumindest teil- weise unter (ehemals) alliierter Verwaltung: Die geteilte Stadt Berlin war bis 1990 formal kein Teil der BRD oder der DDR, sondern eine Viersektorenstadt.

Rundfunkansprache zur Kapitulation des Deutschen Reiches
8. Mai 1945
Karl Dönitz
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Quelle (Bild und Text): Deutsches Rundfunkarchiv Wiesbaden B004625657

Diese Radioansprache von Karl Dönitz, dem Nachfolger Hitlers nach dessen Selbstmord, verkündet der deutschen (und, zumindest aus deutscher Sicht, österreichischen) Bevölkerung die Kapitulation und das Ende des Kriegs. Die Besatzung durch die Alliierten wird angekündigt.

28. Statement by the President Calling for Unconditional Surrender
8. Mai 1945
Harry S. Truman
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Quelle: Harry S. Truman Library & Museum

Am 8. Mai verkündete der US Präsident in einer kurzen Stellungnahme die bedingungs- lose Kapitulation des als „Nazi Germany“ bezeichneten Deutschen Reiches. Dabei bezieht sich lediglich die erste Zeile des Communiqués auf Deutschland: Der größte Teil des Dokuments ist ein Aufruf an Japan, ebenfalls zu kapitulieren. Dieser wird mit der unausweichlichen Niederlage Japans und dem Appell, der Bevölkerung weiteres Leid zu ersparen, begründet. Datum des Sieges in Europa wurde damit zum Instrument politischen Drucks gegenüber dem Kriegsgegner Japan eingesetzt.

Broadcast to the American People Announcing the Surrender of Germany
8. Mai 1945
Harry S. Truman
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Quelle: Harry S. Truman Library & Museum

In seiner Radioansprache vom 8. Mai 1945 verkündet Truman der amerikanischen Bevölkerung das Ende des Kriegs in Europa. Gleichzeitig wird auf den andauernden Krieg gegen Japan verwiesen: Jeder Amerikaner wird aufgerufen, sich zu beteiligen („I call upon every American to stick to his post until the last battle is won“). Truman erklärt als Präsident den folgenden Sonntag, 13. Mai 1945, zu einm „day of prayer“, an dem „the people oft he United States, whatever their faith, [should] unite in offering joyful thanks to God for the victory we have won”.

General Eisenhower's Victory Order Of The Day, And His Proclamation On Germany's Defeat
New York Times, 8. Mai 1945
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Quelle Text: Ibiblio
Quelle Bild: New York Times

General Eisenhowers Tages- befehl, den er am 8. Mai 1945 in Paris ausgab, wurde in der New York Times veröffentlicht. Dieser Text richtet sich an die amerikanischen SoldatInnen, die an den Kämpfen in Europa beteiligt waren oder ihnen zugearbeitet haben. Er dankt offiziell als Befehlshaber, rekapituliert einige Ereignisse der Vorgeschichte des Erfolgs und wünscht den „annähernd 5.000.000 Angehörigen“ der alliierten Streitkräfte, dass der ewige „Dank der freien Bürger aller Vereinten Nationen“ als „repayment“ ausreiche. Mit keinem Wort wird auf die Situation im Krieg gegen Japan eingegangen.

Seit 1985 wird der 9. Mai als Europatag begangen. Am 9. Mai 1950 wurde der Schumann-Plan vorgestellt. Fünf Jahre nach dem Ende des Kriegs wurde damit der Grundstein für den europäischen Einigungsprozess und die heutige Europäische Union gelegt.

Erklärung von Robert Schuman
9. Mai 1950
Klick öffnet Faksimile der Seite 1 und vollständige deutsche Übersetzung
Quelle Bild: Europäische Kommission
Quelle Text: Europäische Kommission

Der französische Außenminister Robert Schuman schlug am 9. Mai 1950 vor, die Kohle- und Stahlproduktion der Bundes- republik Deutschland und Frankreichs zusammenzulegen, um gemeinsam wirtschaftliche Erfolge zu erzielen. Er verfolgte auch ein weiteres Ziel: fünf Jahre nach dem Kriegsende sollte der Zusammenschluss der ehe- maligen Kriegsgegner auch durch Interdependenz, also die gegenseitige Abhängigkeit, jeglichen zukünftigen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich verunmöglichen. Die in Folge entstandene Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, auch Montanunion genannt) wurde 1951 von der BRD, den BeNeLux-Staaten, Frankreich und Italien gegründet. Ohne historisches Vorbild war sie der erste Schritt zur supranationalen Organisation, die in die Europäische Union mündete.

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