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8./9. Mai

DISKURS in Medien und Öffentlichkeit

Der 8./9. Mai als Jahrestag der Kapitulation bzw. der Schuman-Erklärung wird in Österreich nicht offiziell begangen. Während viele europäische Staaten die Befreiung (bzw. den Sieg) an Daten rund um den 8. Mai feiern, ist der Europatag 9. Mai im allgemeinen Bewusstsein nicht annähernd so präsent. Da Österreich seinen Holocaust-Gedenktag als „Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 5. Mai begeht und die große Befreiungsfeier in Mauthausen noch etwas später stattfindet, hat auch der 8./9. Mai als weiteres Gedenk-Datum mit Verbindung zur nationalsozialistischen Vergangenheit zeitnahe Konkurrenz. In den letzten Jahren fand anlässlich der jährlichen Kranzniederlegung der deutschnationalen bzw. rechtsextremen Burschenschaften und Organisationen am Heldenplatz doch eine öffentliche Debatte um Österreichs Haltung zu diesem Datum statt. Erstmals reagierte die österreichische Bundesregierung mit einer Gedenkfeier 2012.

Der geteilte 8. Mai
Lorenz Jäger
FAZ Feuilleton, 8. Mai 2005
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Quelle: FAZ.net

Dieser Artikel der FAZ spricht die ambivalente Haltung vieler Deutscher zum 8. Mai als Tag der Befreiung an. Die Überwindung des Nationalsozialismus als Befreiungnarrativ ist unum- stritten, doch die einhergehende Neuordnung Europas, Ver- treibungen und Fremdherrschaft in vielen Ost- europäischen Ländern sowie die deutsche Nachkriegserfahrung in den ehemals deutschen Gebieten im Osten machten ihn für Lorenz Jäger auch zu einem Trauertag.

Fest gegen „Totengedenken“ am Heldenplatz
Wiener Zeitung, 8. Mai 2012
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Foto APAweb, Herbert Pfarrhofer
Quelle Foto und Text: Wiener Zeitung

Die Wiener Zeitung berichtet in diesem kurzen Artikel von der Demonstration gegen das „Totengedenken“ am Heldenplatz am 8. Mai 2012. In den vorangegangenen Jahren wurden diese Gegenkundgebungen mit der Begründung der Gefährdung der Sicherheit polizeilich untersagt. Seit 2011 wurde der Platz erstmals für eine Gegenveranstaltung geöffnet. 2012 organisierte eine breite Koalition von NGOs mit Unterstützung der Stadt Wien ein „Fest der Befreiung“. Die Reden bei dieser Befreiungsfeier wiesen vor allem darauf hin, dass das „Totengedenken“ der deutsch- nationalen bzw. rechtsextremen Burschenschaften und Organisationen ein Betrauern der Niederlage des National- sozialismus bedeutet.

Peter Zawrel: Schreiben wir wirklich das Jahr 2012?
Gerhard Zeillinger: Befreit den Heldenplatz endlich von diesem Spuk!
Bild: Burschenschafter am Heldenplatz
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Quelle: derStandard.at [1] [2]

Peter Zawrel und Gerhard Zeillinger kritisieren in diesen beiden Kommentaren die Kranz- niederlegung der deutsch- nationalen bzw. rechtsextremen Burschenschaften und Organisationen am 8. Mai 2012: Sie kritisieren die polizeiliche Genehmigung der Burschen- schafter-Veranstaltung von- seiten des offiziellen Österreichs und die Behinderung der Protestdemonstration. Vor dem Hintergrund der Bedeutung des 8. Mai im europäischen Gedächtnis fordern sie, dass statt dem 26. Oktober der 8. Mai als Tag der Wiedergeburt Österreichs gefeiert werden sollte.

Die mediale Debatte um den 8. Mai befasst sich über den 8. Mai hinaus mit grundlegenden Fragen der österreichischen Erinnerungs- und Gedenkkultur: Ist der 8. Mai der Tag der Befreiung oder der Tag der Niederlage? Welche Rituale in Bezug auf die Gefallenen der Deutschen Wehrmacht werden gepflegt? Welche Haltung nimmt das offizielle Österreich zu diesem Datum ein? Ein weiterer Diskussionspunkt ist das österreichische Heldendenkmal im Äußeren Burgtor, das im austrofaschistischen Ständestaat geweiht wurde und sich auf jenem Platz befindet, der durch die Rede Hitlers am 15. März 1938 im österreichischen Bildgedächtnis als Ort des Ausdrucks der Zustimmung der Bevölkerung zum „Anschluss“ höchst präsent ist.

Heidemarie Uhl: Neue Helden braucht der Platz
Foto: Das verschlossene äußere Burgtor mit Krypta und Weiheraum am 8. Mai 2012
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Foto: © Matthias Kopp
Quelle Text: science.ORF.at

Im Text „Neue Helden braucht der Platz“ erläutert die Historikerin Heidemarie Uhl die komplizierte Geschichte des mehrfach überformten Helden- platzes, insbesondere der beiden Gedenkorte „Krypta“ und „Weiheraum“ im Äußeren Burgtor. Sie legt dar, wie dort miteinander nicht zu vereinbarende Geschichts- bilder parallel gepflegt werden, ein deutliches Zeichen für die Unaufgeräumtheit der österreichischen Erinnerung insgesamt. Die von den InitiatorInnen des geplanten Deserteursdenkmals gewünschte Nutzung des Heldenplatzes erfordert daher ebenso die Reflexion über die bereits vorhandene Gedenk-Infrastruktur.

Peter Mayr, Thomas Trenkler: Ein Schlachtfeld und ein Ort der Demütigung
Bild: NS-Entwurf Theseustempel
Der Standard, 12./13. Mai 2012, S. 10
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Quelle Bild und Volltext: Der Standard

Die Journalisten Thomas Trenkler und Peter Mayr befassen sich in einem Grundsatzartikel mit dem Thema Heldenplatz: Der Gestaltung des Platzes und des österreichischen Heldendenkmals während der Zeit des Austrofaschismus und Nationalsozialismus und in den Jahrzehnten danach. Im Rahmen der Debatten um Neugestaltung betonen sie die Notwendigkeit einer breiten öffentlichen Auseinander- setzung und schlagen vor, im Sinne einer „zeitgemäßen Gedenkkultur“ mit den Relikten umzugehen: Sie plädieren für eine Kon- textualisierung und His- torisierung des Ortes und sprechen sich gegen ein Abräumen der vergangenen Erinnerungsschichten aus.

Wie Gauck ein zweiter Weizsäcker werden könnte
Jan Techau
Süddeutsche Zeitung, 15. Mai 2012
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Quelle: Süddeutsche Zeitung

Mit diesem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung appelliert Jan Techau an die deutsche Außenpolitik in der Gegenwart unter dem Gesichtspunkt der inneren Befreiung vom Trauma der Schuld selbstbewusst neu auszurichten. Er konstatiert, dass deutsche Außenpolitik in der Nachkriegszeit wenig kreativ oder ambitioniert war und dass die Rede Richard von Weizsäckers 1985 neben der wesentlichen Interpretation des 8. Mai 1945 als Befreiung vom National- sozialismus auch eine Botschaft der Zuversicht für das gegenwärtige Deutschland enthielt. Er nennt die Finanzkrise, den Einsatz in Afghanistan und den europäischen Integrations- prozess, in dem Deutschland eine „erwachsene“ Rolle einnehmen solle, die es durch den souveränen Umgang mit der eigenen Vergangenheit lernen kann. Joachim Gauck als zur Entstehung des Artikels neuer Bundespräsident wird eine Schlüsselfunktion zugeschrieben.

Einladung zum Tag der Befreiung am 8. Mai 2013
jetztzeichensetzen.at
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Quelle: www.jetztzeichensetzen.at

Im Jahr 2013 findet zum zweiten Mal eine Befreiungsfeier zum 8. Mai am Wiener Heldenplatz statt. Die Initiative Jetzt Zeichen setzen!, der viele politische, religiöse und zivil- gesellschaftliche Organisationen angehören, möchte den nun „Tag der Befreiung“ genannten Aktionstag zu einem per- manenten Gedenktag machen. Während 2012 die Abgrenzung vom bisher den Heldenplatz dominierenden Gedenken rechter und rechtsextremer Burschen- schaften im Mittelpunkt stand, werden 2013 die Wiener Symphoniker am 8. Mai am Heldenplatz spielen. Mit dem Aufruf „Nimm Dir frei, am 8. Mai!“ möchte die Initiative den Feiertagscharakter unterstreichen.

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