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Kind mit Euro
Kind mit Euro
Quelle: Audiovisual Library © European Commission 2005

Original-Bildtext
"Little girl with a euro coin"

Bildanalyse
Ein kleines Mädchen mit einem Euro: Fotografien wie diese finden sich in großer Zahl auf der Webpage der Audiovisual Library der Europäischen Kommission. Was sie zu sagen versuchen, ist auf den ersten Blick klar, und doch wundert man sich, dass es gesagt wird, bzw. dass es gesagt werden muss: Der Euro ein Wunderding, eine junge, eine unschuldige Währung, die das kleine Mädchen auf seinem weiteren Lebensweg begleiten wird? Kokolores! Wenn es tatsächlich die Funktion dieses Fotos sein sollte, der gemeinsamen Währung von 12 Mitgliedsstaaten ein anderes, ein positives Image zu verschaffen, dann müsste man sich im Grunde fragen, ob die Kommission die Adressat/innen ihrer Botschaften für beschränkt hält.

Aber vielleicht will die Unbeholfenheit, mit der hier der eine Währung inszeniert wird, auch als Symptom gelesen sein: Als Symptom beispielsweise für das Fragwürdige des Wunsches, aus den primär ökonomischen Begründungen für die Einführung einer gemeinsamen Währung auch noch einen identitätspolitischen Mehrwert zu ziehen. Wie das Beispiel der BRD gezeigt hat, ist es zwar möglich, die nationale Identität nicht mehr in der Geschichte, sondern in der Ökonomie zu verankern (vgl. Foucault 2004), ob dasselbe aber auch für eine gemeinsame Währung gilt, erscheint unter den gegenwärtigen Bedingungen mehr als fraglich: Wenn, wie William Blackstone bereits 1765 geschrieben hat, "The coining of money is in all states the act of sovereign power" (zit. n. Leach 2005), wurde mit der Währungsunion ein Wunsch Realität, dem noch keine Wirklichkeit entspricht.

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