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Unterrichtssequenz 3 – Erarbeitung

Die Auseinandersetzungen um die Staustufe Hainburg

Methodisch-didaktische Hinweise:
Die Auseinandersetzungen um die Staustufe Hainburg sind neben dem AKW Zwentendorf ein Lehrbeispiel dafür, wie neue soziale Bewegungen die politische Landschaft verändern können. Auch hier gab es zunächst eine große Einigkeit der Sozialpartner, die durch eine Bewegung, die auch ihre Ziele durchsetzen konnte, von unten aufgebrochen wurde. Die Dramatik des Geschehens ist dazu geeignet, die SchülerInnen zu interessieren und zu einer Diskussion darüber anzuregen, wie weit Widerstand gehen darf, sie ist aber auch dazu geeignet, den Umgang der Massenmedien damit zu untersuchen. Die SchülerInnen können an den Filmbeispielen deutlich erkennen, dass hier nur Wirklichkeitsausschnitte transportiert werden, selbst wenn es sich um "Zeit im Bild" handelt – ein Format, dem man noch am ehesten zutraut "die Wahrheit" zu berichten. Daran könnte sich eine weitere Sequenz anschließen, die auch die Form eines (fächerübergreifenden) Projektes annehmen kann: Welche Umweltorganisationen machen heute die "ökologische Bewegung" aus? 22 Logos auf der Dokumentations-Webseite zu "20 Jahre Hainburg" geben den SchülerInnen die Möglichkeit, mit einigen dieser Organisationen Kontakt aufzunehmen (per E-Mail oder face-to-face) und entweder Antworten auf die unten angeführten Fragen zu erhalten suchen oder selbst sie interessierende Fragen zu formulieren. Wenn sie die Angebote von diesen Institutionen nutzen, könnte ihre politische Handlungskompetenz deutlich zunehmen. Für die Durchführung der Unterrichtssequenz empfiehlt es sich, dass jeder Schüler/jede Schülerin einen eigenen Bildschirm zur Verfügung hat.

LehrerInneninformation:
Nähere Informationen zum Thema Hainburg, darunter mehrere Artikel zum Download, gibt es in der → Wissensstation Hainburg des Demokratizentrums Wien

Zum Umgang mit TV-Nachrichten im Unterricht: Analyse von Nachrichtensendungen und Nachrichtenbeiträgen im Unterricht

Zum Umgang mit (TV-)Dokumentationen im Unterricht: Analyse einer politischen (TV-)Dokumentation im Unterricht

Arbeitsaufgaben für die SchülerInnen:
Die Österreichische Donaukraftwerke AG wollte bei Hainburg ein Wasserkraftwerk errichten. Die Genehmigungen lagen vor, doch Gegner des Baus besetzten die dortige Au, um Rodungen und Bauarbeiten zu verhindern. Am 19. Dezember 1984 kam es zu Zusammenstößen. Die "Zeit im Bild 1" berichtete darüber. Seht euch den Film an und erfüllt folgende Arbeitsaufgaben:

a) Schreibt einen kurzen Zeitungsbericht (etwa 100 Wörter) auf der Grundlage der Informationen, die der Film zum Thema bietet. (Einzelarbeit)

b) Beantwortet anschließend folgende Fragen (Gruppenarbeit):

  • In welche zwei Abschnitte kann man den Film teilen?
  • Welche Gefühle erwecken die ersten Einstellungen im zweiten Teil?
  • Welche Gefühle erweckt das Schlussbild?
  • Welche Kameraperspektive herrscht vor? Was wird damit bewirkt?
  • Wie wird die Polizei dargestellt?
  • Wie werden die DemonstrantInnen dargestellt?
  • Was erfahren wir über die Motive der KraftwerksbefürworterInnen?
  • Was erfahren wir über die Motive der KraftwerksgegnerInnen?
  • Welchen Positionen wird im Film mehr Raum gegeben?

 

Nachrichtenbeitrag: Zusammenstöße in der Hainburger Au (Ausschnitt aus: "Zeit im Bild" mit Horst Friedrich Mayer, 19. Dezember 1984, 4.36 min)
Ein Abspielen des Films ist durch ein Doppelklicken auf das Bild möglich.



Der Film ist auf der Webseite der Österreichischen Mediathek online. Die Österreichische Mediathek (OeM) ist eine Außenstelle des Technischen Museums Wien. Die Akustische Chronik gibt einen Überblick über die österreichische Geschichte 1900–2000 anhand ausgewählter Ton- und Filmdokumente.

AV-Materialinformation: Zusammenstöße in der Hainburger Au (Ausschnitt aus: "Zeit im Bild" mit Horst Friedrich Mayer, 19. Dezember 1984, 4.36 min)

Webquests für die SchülerInnen: Kontextwissen erarbeiten
Die SchülerInnen sollen arbeitsteilig in Gruppen die angegebenen Materialien durcharbeiten, um besser über den Hintergrund des Konflikts Bescheid zu wissen; anschließend sollen sie die Ergebnisse vor der Klasse präsentieren:

Gruppe 1: Gebt einen Überblick über die Ereignisse rund um den Kraftwerksbau, indem ihr folgende Timelines durcharbeitet:
→ Die Auseinandersetzungen um den Bau des Donaukraftwerks Hainburg
Recherchiert zusätzlich, welche Parteien damals die Regierung bildeten.

Gruppe 2: Was passierte genau in der Au? Fasst die wichtigsten Presseberichte zu dem Thema zusammen und erarbeitet eine Übersicht über die verschiedenen Positionen zum Thema.
www.historisch.apa.at/cms/apa-historisch/dossier.html

Gruppe 3: Wer waren die BefürworterInnen des Kraftwerksbaus? Welche Motive nannten sie für ihre Einstellung? Wen sahen sie auf ihrer Seite? Wen sahen sie als GegnerInnen? Wie charakterisieren sie diese? Antworten findet ihr unter folgenden Adressen:
→ Rede von Josef Hesoun, 17.5.1984
→ Konflikt um das Donaukraftwerk von Hainburg 1984 (Austria Presse Agentur, Zusammenfassung der Ereignisse)

 

Gruppe 4: Wer waren die GegnerInnen des Kraftwerksbaus? Welche Motive nannten sie für ihre Einstellung? Wen sahen sie auf ihrer Seite? Wen sahen sie als ihre GegnerInnen? Wie charakterisieren sie diese? Antworten findet ihr unter folgenden Adressen:
→ Reden von Peter Turrini, Hubert Gorbach, Josef Cap auf der "Konferenz der Tiere",7.5.1984
→ Stellungnahmen der Vertreter des Konrad-Lorenz-Volksbegehrens

 

Gruppe 5: Wie zuverlässig sind die Quellen?
Recherchiert mit Hilfe der angegebenen Linkliste, wie viele Polizei- und Gendarmeriebeamte und wie viele DemonstrantInnen an den Zusammenstößen am 19. Dezember 1984 beteiligt waren und wie viele Personen anschließend auf dem Wiener Heldenplatz demonstrierten. Vergleicht dazu die genannten Quellen und notiert die genannten Zahlen. Schätzt zuvor ein, welche Quellen für euch am zuverlässigsten sind.

Links:
→ APA, 19.12.1984, Innenministerium
→ APA Überblick
→ Wikipedia
→ Demokratiezentrum Wien
→ aeiou-Lexikon
→ ORF 1, 19.12.1984
→ Arbeiter-Zeitung, 20.12.1984

Arbeitsaufgabe für die SchülerInnen: Bewertung des Eingangsfilms
Die SchülerInnen sollen folgende Fragen diskutieren:

  • Wie objektiv ist der ORF-Film?
  • Was wird berichtet, was nicht?
  • Welche Interessen kommen zu Wort?
  • Wie beeinflusst die Art der Darstellung die Meinung über das Geschehen?

 

Arbeitsaufgaben für die SchülerInnen:
Die SchülerInnen sollen folgende Fragen zu den angeführten Filmen beantworten:

  • In welche drei Abschnitte kann man den Film unterteilen? Formuliere die Antwort in Stichworten.
  • Beschreibe für jeden Abschnitt die Wirkung, die von Kamerafahrt und Kamerawinkel ausgeht (ruhig/bewegt, friedlich/aggressiv, geordnet/ungeordnet usw.).
  • Welche Botschaft wird durch die Auswahl und Abfolge dieser drei Abschnitte vermittelt?

 

Film: Hainburg: Besetzung der Stopfenreuther Au zur Verhinderung des Baus des Wasserkraftwerks (0.26 min)
Ein Abspielen des Films ist durch ein Doppelklicken auf das Bild möglich.


Der Film ist auf http://austria-forum.org/af/AEIOU, dem virtuellen Österreich-Lexikon, online.

Arbeitsaufgabe für die SchülerInnen: Ökologische Gruppen heute
Sucht im Internet nach Logos von ökologischen Gruppen. Diese Website kann eine wichtige Quelle für die Recherche sein. Entscheidet euch in der Gruppe für zwei und versucht herauszufinden:

  • Was sind ihre Ziele?
  • Was sind ihre derzeitigen Aktivitäten?
  • Was haben sie bis jetzt erreicht?
  • Von wem bekommen sie Geld?
  • Wie viele Mitglieder haben sie?

Vielleicht fallen euch noch weitere interessante Fragen ein.

Weiter im Lernmodul:

→ Die Friedensbewegung der 1980er und 1990er Jahre
→ Wirksamkeit und Erfolg von Protestformen

© Demokratiezentrum Wien

Kompetenzorientierte Politische Bildung

Kompetenzorientierte Politische Bildung

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Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur

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Besetzung der Hainburger Au

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