zur normalen Ansicht

Bildung > Lernmodule > Religion, Scharia und Frauenrechte > Unterrichtssequenz 5 

Unterrichtssequenz 5

Abschlussaktivität: Rollenspiele zum Perspektivenwechsel

Ziel: Synthese der verschiedenen Teilaspekte, Positionen und Argumente rund um die Thematik, Sicherung des Unterrichtsertrages.

Methodik: Im Unterschied zu den über weite Strecken sehr kognitiven Aktivitäten soll in dieser Abschlussübung eine spielerische Form der Aufarbeitung eines an sich sehr komplexen Sujets stattfinden. Gerade Rollenspiele – wie sie im Fremdsprachenunterricht häufig fester Bestandteil des Geschehens sind – ermöglichen eine affektive Anknüpfung an diese heiklen und nicht unproblematischen Themengebiete, ohne aber dabei in Oberflächlichkeit oder allzu große Vereinfachung zu verfallen. Vorausgesetzt, eine differenzierte Bearbeitung der Themenaspekte war tatsächlich möglich.

In andere Rollen zu schlüpfen, die Perspektive zu wechseln, auch wenn es sich um eine konträre zu den eigenen Positionen handelt, ermöglicht es, etwas auf Distanz zu gehen und Argumente besser zu verstehen, was nicht gleich bedeutet, sie unbedingt zu akzeptieren ...

"Ist die Scharia demokratiegefährdend?"
Podiumsdiskussion mit Moderation:

Unter diesem Übertitel werden nun drei mögliche Themenkreise mit vier dazu passenden Rollen angeboten. Die Rollen sollten in Gruppen oder Tandems vorbereitet werden, mithilfe der im Lauf der vergangenen Unterrichtssequenz bearbeiteten Dokumente und ev. zusätzlichen Internetrecherchen (zusätzliche Fakten).

 

1. Soll Schule ein Ort frei von Religion sein?

(Aspekte der Debatte: Religionsunterricht an Schulen, Klassenfahrten, Schwimmunterricht, Kopftuch, Biologie und Sexualkundeunterricht ...)

Rollen:

  • Muslimischer Vater, konservativ, gläubig, der die Freizügigkeit der österreichischen Gesellschaft übertrieben findet, dessen Tochter das Kopftuch freiwillig trägt ...
  • Katholischer Theologieprofessor, der im Sinne des interreligiösen Dialogs die allgemeine Zunahme der Religiosität in der Gesellschaft begrüßt und Toleranz fordert.
  • Biologielehrerin in einer sog. Brennpunktschule, die mit zunehmenden Konflikten konfrontiert ist (Eltern, die Schulveranstaltungen boykottieren, weibliche Lehrkräfte respektlos behandeln, muslimische Schüler, die weibliche Klassenkameradinnen bevormunden ...).
  • Elternteil, der eine laizistische, Religionen gegenüber neutrale Schule nach französischem Vorbild möchte ...

 

2. Tolerieren wir eine Paralleljustiz nach britischem Vorbild?

(Aspekte der Debatte: Toleranz von Schariagerichten, Zwangsehen, Gewalt gegen Frauen, Polygamie ect. in europäischen Gesellschaften)

Rollen:

  • Richterin, die kulturrelativistisch argumentiert und den Schariagerichten etwas abgewinnen kann.
  • Junge Muslimin arabischer Herkunft, die als 12-Jährige in Jordanien zwangsverheiratet wurde, als Flüchtling nach Deutschland kam und als Erwachsene nun um ihre Scheidung von diesem Mann kämpft.
  • Imam, der eine islamistische Position in Bezug auf die Scharia und die Bedeutung der islamischen Religion einnimmt.
  • Journalist, der universalistisch argumentiert und den europäischen Rechtsstaat verteidigt.

 

3. Trennung von Kirche und Staat?

(Aspekte der Debatte: Religionsunterricht in den Schulen, Tragen bzw.  Zur-Schau-Stellen von religiösen Symbolen wie dem Kreuz in der Klasse, Burka im öffentlichen Raum, Kopftuch am Arbeitsplatz ...)

Rollen:

  • Österreichischer Vertreter der Politik, der die „österreichische Lösung“ (Konkordat – nur teilweise Trennung von Kirche und Staat, Religionsunterricht ...) verteidigt.
  • Französische Journalistin und Feministin, die den Laizismus historisch erklärt und auch seine Bedeutung für die Menschen- und Frauenrechte für heute verteidigt.
  • Vertreter der UNO, der die Menschenrechtserklärung der UNO 1948 mit der Kairoer Erklärung 1990 vergleicht, für strikte Trennung von Kirche und Staat eintritt, da Religionsfreiheit nicht über anderen Menschenrechten wie Meinungsfreiheit, Frauen- oder Kinderrechten stehen darf.
  • Österreichische Studentin, muslimische Konvertitin und in der muslimischen Jugend organisiert, die Kopftuch trägt, gegen Diskriminierung der Muslima kämpft und in der Burka kein politisches Symbol sieht, sondern sie anders deutet.

 

Weiter im Lernmodul:
Einstieg in die Thematik
Stellung der Religion in Europa, unterschiedliche Traditionen und Konzepte
Vertiefung zum Thema "Die Stellung von Religion in verschiedenen Gesellschaften"
Interkulturelles Bewusstsein und Prävention gegen Radikalisierung
Abschlussaktivität

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org