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9. November - Novemberpogrome 1938

Österreichische Polizisten bewachen ein zerstörtes Geschäft in Wien
1938
Quelle: USHMM #83130 (public domain)

Am 9. November 1938 und an den darauffolgenden Tagen fanden im gesamten Deutschen Reich die Novemberpogrome statt, die viele Jahre unter der euphemistischen, durch die nationalsozialistische Propa- ganda geprägten, Bezeichnung „Kristallnacht“ bekannt waren.

In diesen Tagen kam es zu massiven Übergriffen auf jüdische Einrichtungen: religiöse und kulturelle Infrastruktur, Geschäfte und Wohnungen wurden überfallen, geplündert und zerstört. Die konzertierte Aktion war lange geplant gewesen, wurde aber unter Verweis auf das Attentat eines polnischen Juden an einem deutschen Botschaftsangehörigen in Paris als spontane Vergeltungsaktion des deutschen Volkes getarnt.

Die Novemberpogrome markieren eine Zäsur in der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik: Sie waren der Höhepunkt der Terrorisierung der jüdischen Bevölkerung in aller Öffentlichkeit und damit eine Vorstufe zum späteren Holocaust, bei dem die begonnene Unterdrückung durch Mord in Konzentrations- und Vernichtungslagern fortgesetzt wurde.

Der 9. November ist kein offizieller Gedenktag. In Österreich existieren jedoch viele Initiativen, die im kleineren Rahmen Veranstaltungen abhalten. Gerade in Österreich muss vor dem Hintergrund der Ereignisse des Novembers 1938 der im Land tief verwurzelte Antisemitismus und die vergleichsweise hohe Gewaltbereitschaft gegenüber der jüdischen Bevölkerung verhandelt werden. In Deutschland fielen viele für die Geschichte des Landes wichtige Ereignisse auf einen 9. November (darunter die Novemberrevolution 1918, der Hitlerputsch 1923 und der Mauerfall 1989), weswegen die Erinnerung an 1938 an diesem Tag eine untergeordnete Rolle spielt.

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