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8./9. Mai - Kriegsende in Europa und Europatag

Generalfeldmarschall Keitel unterzeichnet die Kapitulation
Berlin-Karlshorst, 8./9. Mai 1945
Foto: Lt. Moore, US Army
Quelle: National Archives (public domain)

Der 8. und 9. Mai sind Gedenktage, an denen in Europa an zwei unterschiedliche Ereignisse erinnert wird: Das Ende des Zweiten Weltkriegs mit der Unterzeichnung der Bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und die Präsentation des Schuman-Plans, der zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl führte, einer Vorläuferin der Europäischen Union. Während das Kriegsende in den verschiedenen europäischen Staaten an unterschiedlichen Tagen gefeiert wird (z.B. Niederlande: 5. Mai, Belgien: 8. Mai, Frankreich: 8. Mai, Sowjetunion/Russland: 9. Mai) hat der 8. Mai in Österreich bis in die jüngste Zeit praktische keine Rolle gespielt. Dies hat sich aber mit der von vielen als provokant empfundenen Kranzniederlegung von Burschenschaften am Heldenplatz geändert: Seit 2002 veranstalten deutschnationale bzw. rechtsextreme Burschenschaften und Organisationen am Abend des 8. Mai ein „Totengedenken“ für die Gefallenen der Weltkriege auf dem Heldenplatz. Seither finden regelmäßig Gegendemonstrationen statt, die sich gegen die Ehrung von Soldaten der Deutschen Wehrmacht und die damit verbundene Rechtfertigung der aggressiven nationalsozialistischen Kriegspolitik richten. Die symbolische Aufladung der Rituale und Gegenrituale an diesem Ort, dem österreichischen Heldendenkmal, und an diesem Tag ist Gegenstand immer breiterer gesellschaftlicher Diskussion.

Der Europatag, der an die Vorstellung des Schuman-Plans am 9. Mai 1950 erinnert, spielt zwar in der gegenwärtigen Erinnerungskultur eine deutlich untergeordnete Rolle, doch die historische Bedeutung als Gründungsereignis des europäischen Einigungs- und Integrationsprozesses kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ob dieser Tag künftig eine größere Rolle spielen wird, wird sich zeigen.

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