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5. Mai

SAMMLUNG der Quellen mit Kontextwissen und didaktischen Hinweisen

Auf dieser Seite haben wir alle gezeigten Quellen zum 5. Mai noch einmal versammelt und mit Vorschlägen versehen, wie mit ihnen im Unterricht gearbeitet werden kann bzw. wie sie als Ausgangspunkte für weitere Aktivitäten dienen können.

 

Tötungen durch Giftgas in Mauthausen

Das Konzentrationslager Mauthausen war ein Ort des nationalsozialistischen Massenmords. Obwohl es im Gegensatz zu den Vernichtungslagern im Osten Europas nicht zum alleinigen Zweck der Ermordung aller Ankommenden errichtet wurde (z.B. Zwangsarbeit), bestand ab 1941/42 im Konzentrationslager Mauthausen eine Gaskammer. Zuvor waren Morde mit Giftgas im nahe gelegenen Schloss Hartheim durchgeführt wurden. Auch durch den Umbau im Zuge der ersten Nutzung als Gedenkstätte wurde die Gaskammer in Mauthausen von Revisionisten und Holocaustleugnern oft als Attrappe bezeichnet. Die Historiker Bertrand Perz und Florian Freund dokumentierten in ihrem Text zur Tötung durch Giftgas in Mauthausen die Umstände der Errichtung und des Betriebs der Anlage, wobei auch Unterlagen aus einem Prozess nach Kriegsende zitiert werden.

Ausschnitt aus Tötungen durch Giftgas im Konzentrationslager Mauthausen Bertrand Perz, Florian Freund
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Quelle: Bertrand Perz, Florian Freund: Tötungen durch Giftgas im Konzentrationslager Mauthausen. In: Günter Morsch, Bertrand Perz (Hrsg.): Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Historische Bedeutung, technische Entwicklung, revisionistische Leugnung. Berlin: Metropol 2011. S. 251-254.

Sprechen Sie über das Erscheinungsdatum des Texts bzw. seiner zitierten Quellen: Aus welcher Zeit stammen welche Informationen? Nach wie vor gibt es Menschen, die den Massenmord leugnen. Können juristische (Urteilstext) oder wissenschaftliche Quellen helfen, Geschichtsrevisionismus zu bekämpfen? Die Gaskammer in Mauthausen konnte bis vor kurzem betreten werden. Lassen Sie die Gruppe diskutieren: Wie soll man als BesucherIn der Gedenkstätte mit diesem Ort, der Gaskammer, umgehen? Wie hilft das im Text enthaltene Detailwissen?

 

Audioguide Befreiung

Im Kapitel 26 des Audioguides der KZ-Gedenkstätte wird die Befreiung geschildert. Der Text und die Audiodatei werden auch online bereitgestellt. Das Kapitel schildert die Ereignisse um den 5. Mai 1945 aus der Sicht eines Häftlings: Der Bericht des spanischen Überlebenden Mario Constante, in dem auch auf die Szene aus dem nachgestellten Bild eingegangen wird, wird von Informationen zu den Umständen der Befreiung, deren AutorInnenschaft nur in der Textversion kenntlich gemacht wird, gerahmt.

Audioguide KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Kapitel 26
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Audiodatei hier abrufbar
Quelle: mauthausen-memorial.at
Bildquelle: USHMM

Analysieren Sie die Textfassung des Beitrags: Wie viel Raum wird dem Zeitzeugenzitat gegeben, welche Informationen können der Gedenkstätte als Urheberin zugeordnet werden, welche stammen vom Zeitzeugen? Wie ist dieses Verhältnis einzuschätzen? Inwieweit ist die Urheberschaft für Aussagekraft und Wertung der vermittelten Inhalte allgemein relevant? Inwieweit in diesem Beispiel? Wie würde der Audioguide wirken, wenn der gesamte Text aus Zitaten bestünde? Würde es dem vermittlerischen Anspruch der Gedenkstätte (Zielgruppen, Inhalte, Denkanstöße) dienen und warum?

 

Foto von der Befreiung Mauthausens

Dieses Foto wurde am 6. Mai 1945 aufgenommen. Es sollte die Lagerbefreiung zeigen: ein offenes Tor, jubelnde befreite Häftlinge und ein Fahrzeug der US-Armee, darüber ein Banner, das den Befreiern Dank ausspricht. Tatsächlich wurde diese Aufnahme einen Tag nach der Befreiung angefertigt – sie diente in den Jahrzehnten nach 1945 als Ikone für den Moment der Befreiung. In den Tagen davor wurde im Lager noch gemordet, auch in den Tagen danach starben viele Menschen weiterhin an den Folgen der Lagerhaft.

am 6. Mai 1945 Nachgestellte Lagerbefreiung
fotografiert von Cpl Donald R. Ornitz, US Army
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Quelle: USHMM

Dieses Bild stellt eine Szene dar, die im Leben aller Beteiligten einen einschneidenden Wende- punkt bedeutete: Für die meisten Befreiten war es das Ende ihrer Unterdrückung, für die Befreier eine traumatisierende aber gleichzeitig Bewegende Etappe kurz vor dem Ende des Kriegs. Diskutieren Sie, warum diese Szene nachgestellt worden sein könnte. Manche der befreiten Häftlinge starben in den darauffolgenden Tagen.
Diskutieren Sie die Situation im Lager, wie sie die Befreier vorfanden, und wie sie damit umgingen. Das dreisprachige Transparent über dem Lagertor enthält eine interessante Inschrift. Diskutieren Sie ihre Bedeutung vor dem Hintergrund weltpolitischer Ereignisse nach dem Krieg.

 

Mauthausen-Schwur

Am 16. Mai 1945, knapp zwei  Wochen nach der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen, wurde der Mauthausen-Schwur der ehemaligen Häftlinge verlesen. Er ist als die zentrale Stellungnahme der soeben vom Schicksal der vorgesehenen Vernichtung befreiten, aus Menschen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen zusammengesetzten Häftlingsgesellschaft, das eine Verbindung zwischen dem Andenken der Toten, der Erfahrung der überwundenen Haft und der Verantwortung aller für die Zukunft herstellt, indem an „die ganze Welt“ appelliert wird, „die Welt des freien Menschen“ zu errichten.

Mauthausen-Schwur
Botschaft der Überlebenden des KZ Mauthausen 16. Mai 1945
Klick öffnet Volltext<br /Quelle: KZ-Verband/VdA Oberösterreich

Lesen Sie den Schwur aufmerksam, insbesondere den Aufruf an die Weltgesellschaft. Verorten Sie den Text zeitlich: Welche weltpolitische Ära war gerade zu Ende gegangen und welche stand an ihrem Anfang? Welche Bedeutungen des Mauthausen Schwurs waren für die kommenden Jahrzehnte relevant? Diskutieren Sie: Das Ende des Konzentrationslagers war der Beginn der Erinnerung daran. Gerade während der frühen Jahre und Jahrzehnte nach dem Krieg wurde die Gedächtnispflege und das Erinnern an die Opfer der Konzentrationslager vor allem von den Überlebenden vorangetrieben. Wie könnte der Mauthausen-Schwur in der Gesellschaft aufgenommen worden sein?

 

Zeitzeugenbericht von Hans Maršálek

Der 2011 verstorbene ehemalige Mauthausen-Häftling Hans Maršálek hat in seinem Buch Mauthausen mahnt! bereits 1950 einen umfangreichen Zeitzeugenbericht über die Umstände im Konzentrationslager, insbesondere innerhalb der Häftlingsgesellschaft, geschrieben. Er galt als wichtiger Chronist der Geschichte Mauthausens und Wegbereiter des Ausbaus als Gedenkstätte. Wie bei jedem ZeitzeugInnenbericht muss auf die Erzählung aus der Perspektive einer einzelnen Person hingewiesen werden. Gleichzeitig stellt er eine wertvolle Quelle dar: Er öffnet den Blick auf in anderer Weise nicht dokumentierte Ereignisse.

Kapitel aus Hans Maršáleks Buch Mauthausen mahnt!
Herausgegeben vom Mauthausen-Komitee des Bundesverbandes der österreichischen KZler, Häftlinge und politisch Verfolgten, Wien 1950
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In diesem Abschnitt aus Mauthausen mahnt! kommen schreckliche Ereignisse aus dem Lageralltag zur Sprache: Misshandlungen, Morde und Zwangsprostitution im Lager- bordell. Diskutieren Sie über die Bedeutung der Erzählungen von Betroffenen für die Dokumentation und für die Verfolgung der TäterInnen. Diskutieren Sie darüber hinaus über den Umgang der ehemaligen Häftlinge mit psychologischen Folgen der Erfahrungen im KZ, die jahrzehntelang anhalten können.

 

Aufruf des Europäischen Parlaments

Am 15. Juni 1995 rief das Europäische Parlament die Mitgliedsstaaten mit diesem Entschluss auf, nationale Gedenktage in Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust einzurichten. Dabei wurde insbesondere auf den Anstieg von Rassismus, Xenophobie und Antisemitismus Bezug genommen. Die Mitgliedsstaaten der EU sollten „anläßlich dieses Gedenktages Initiativen [...] ergreifen, mit denen an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust erinnert wird und die Gefahren, die sich aus totalitären und rassistischen Ideologien ergeben, vor allem den Jugendlichen verdeutlicht werden“. Dabei ist beachtenswert, welches Gewicht dem Vemittlungsanspruch und dem bildungspolitische Auftrag des zu errichtenden Gedenktags beigemessen wird. Die Erinnerung an die Opfer ist dabei nur der Ausgangspunkt eines weiter reichenden Gedenkimperativs.

Aufruf des Europäischen Parlaments
15. Juni 1995
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Quelle: Europarl (B4-0866, 0883, 0885, 0897, 0900, 0903, 0920, 0927 und 0932/95)

Recherchieren Sie, z.B. bei ODIHR,der ITF oder Wikipedia, an welchen Tagen verschiedene europäische Länder ihre nationalen Holocaust-Gedenk- tage begehen. Reflektieren Sie die verschiedenen Kriegs- und Verfolgungserfahrungen in diesen Ländern und diskutieren Sie, warum es in den verschiedenen Staaten je eigene Gedenktage gibt. Erarbeiten Sie vertiefend, welche inhaltlichen Schwerpunktsetzungen (Rituale, Feiern, Themen, politische Ziele und Lernziele) bei den jeweiligen Gedenktagen angegeben werden.

 

Beratung im Budgetausschuss

Im Budgetausschuss des Parlaments wurde im Jahr 1997 über den einzurichtenden Gedenktag debattiert. Die Entscheidung für den 5. Mai folgte dem Wunsch, die „Intentionen berücksichtigen, die das Europäische Parlament in einer einstimmigen Entschließung vom 18. Juni 1995 zum Ausdruck gebracht hat, aber auch den Besonderheiten der österreichischen Zeitgeschichte Rechnung [zu] tragen.“ - die überragende Bedeutung Mauthausens in der österreichischen Gedenklandschaft.

Ausschnitt aus Protokoll des Budgetausschusses
910 der Beilagen zur XX. Periode, S. 20-22
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Quelle: Parlament

Identifizieren Sie die vielen Themen, die der Budget- ausschuss an diesem Tag besprach und finden Sie im Protokoll die Stelle, die sich mit der Schaffung des Gedenktags befasst. Recherchieren Sie, welche PolitikerInnen (und damit: welche Parteien) in der Erarbeitung des Gedenktags eine Rolle gespielt haben. Diskutieren Sie, warum gerade diese sich dafür einsetzten.

 

Nationalratssitzung mit Beschlussfassung

Der endgültige Beschluss des 5. Mai als Österreichs Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus erfolgte im Nationalrat am 11. November 1997. Das Protokoll der Sitzung offenbart zahlreiche Wortmeldungen zum Gedenktag. Die Abgeordnete Terezija Stoisits (Grüne), die sich maßgeblich für die Einrichtung einese Gedenktags eingesetzt hatte, sprach von einem „Tag wider das Vergessen“ (S. 55) und betonte das in den Jahren zuvor veränderte Geschichtsbewusstsein in Österreich. Dabei spielte sie auch auf Bundeskanzler Vranitzky an, der in einer Rede 1991 klare Worte zur Mitverantwortung von ÖsterreicherInnen gefunden hatte. Der Abgeordnete Walter Posch (SPÖ) betonte, dass das Datum 5. Mai durch die Verbindung mit Mauthausen auch „das richtige Mahnmal“ (S. 59) für den Gedenktag darstellt. Sein Vortrag wurde von anderen Abgeordneten durch Zwischenrufe, vor allem von Abgeordneten der FPÖ, unterbrochen (S. 60ff.) Letztlich wurde die Eintscheidung zur Einrichtung des Gedenktags einstimmig gefällt (S. 104).

Stenographisches Protokoll der 96. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich
XX. Gesetzgebungsperiode
11. November 1997
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Quelle: Parlament

Diese Sitzung hat fast neun Stunden gedauert, die Debatte und der Beschluss zum Gedenktag machten nur einen kleinen Teil davon aus, Finden Sie (z.B. durch Suche nach „Gedenktag“ im Volltext) heraus, welche Abgeordneten (bzw. welche Parteien) sich in der Debatte zum Gedenktag äußerten und diskutieren Sie, warum diese und nicht andere hier ihre Positionen vorbrachten. Gehen Sie Terzija Stoisits Anspielung auf Franz Vranitzky (S. 55f.) nach: Lassen Sie recherchieren, welche Etappen im Abstand weniger Jahre von Waldheim über Vranitzky und den EU-Beitritt zur Einrichtung des Gedenktags beigetragen haben.

 

Zeitungsartikel von Christian Klösch

Der Historiker Christian Klösch diskutierte in seinem Artikel zum damals neuen und erstmals begangenen Gedenktag 1998 einige heute vergessene Aspekte um die Einrichtung des 5. Mai. Er zeigte auf, dass die Initiative aus der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft in Deutschland und Österreich kam, worauf sich Grüne und Liberale in Österreich zunächst auch für den 27. Jänner als Datum einsetzten. Erzbischof Schönborn, Bundeskanzler Vranitzky und Bundespräsident Klestil waren skeptisch bzw. passiv. Ferner wird dargelegt, wie es als Kompromiss zum Datum des 5. Mai kam. Der Artikel macht deutlich, wie die zeitliche Nähe des Aufrufs des Europäischen Parlaments, des Europäischen Jahres gegen Gewalt und Rassismus (1997), des veränderten Geschichtsbewusstseins in Österreich und der Initiative von unten zum Gedenktag beigetragen haben.

Christian Klösch: Der 5. Mai: Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus (NS-Opfer-Gedenktag)
in: GEDENKDIENST 2/98
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Quelle: GEDENKDIENST

Diskutiern Sie über die individuelle und öffentliche Wahrnehmung des Gedenktags: Ist es selbstverständlich, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken? Welche Bedingungen waren nötig, damit Österreich seinen Holocaust-Gedenktag einrichtete? Ist die ca. 15 Jahre alte Debatte um die Ausgestaltung des Gedenktags heute noch aktuell oder ist der Gedenktag 5. Mai in der Mitte der Gesellschaft angekommen?

 

ZeitzeugInnenprojekt des BMI

Das Bundesministerium für Inneres hat als für die Gedenkstätte zuständige Behörde im Jahr 2001 das „Zeitzeugen- und Zeitzeuginnenprojekt Mauthausen“ gestartet, in dem ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen über ihre Erfahrungen in der KZ-Haft befragt wurden. Dieses Dokument ist die offizielle Projektbeschreibung. Sie erklärt, mit welcher Methode vorgegangen wurde: 90% der Häftlinge sprechen im Alltag nicht Deutsch, mit ihnen wurden lebensgeschichtliche Interviews in der Mutter- bzw. Umgangssprache geführt. Die Oral History, mündlich erzählte Geschichte, als Quelle für die Forschung und, in weiterer Folge, Vermittlungsarbeit nutzbar zu machen, war ein Hauptmotiv für das Projekt.

Projektbeschreibung des "Zeitzeugen- und Zeitzeuginnenprojekts Mauthausen"
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Quelle: Mauthausen-Memorial
ausgewählte Interviews, die teilweise auch in der Ausstellung der Gedenkstätte gezeigt werden, können hier abgerufen werden.

Das Projekt wurde im Jahr 2001 gestartet. Brainstormen Sie kurz, welche politischen Rahmen- bedingungen zu dieser Zeit in Österreich herrschten. Diese waren besonders für zeitgeschichtliche und erinnerungskulturelle Unter- nehmen relevant. Überlegen Sie darüber hinaus, in welcher Verfassung die Interviewten zum Zeitpunkt des Gesprächs sind. Diskutieren Sie: Welche Wirkung haben Interviews mit Überlebenden gegenüber anderen historischen Quellen? Welche Aussagen sind nur in diesen Gesprächen möglich? Gibt es Themen, Ereignisse oder Erfahrungen, für deren Erzählung ZeitzeugInnengespräche besonders gut oder besonders schlecht geeignet sind und warum?

 

Gedenkveranstaltungen des Parlaments

Die jährliche Gedenksitzung des Parlaments ist ein öffentliches Ereignis. Neben den Festreden der PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und Ehrengäste (wie ZeitzeugInnen) werden beinahe jährlich Schulklassen eingeladen. Die mediale Berichterstattung ist umfangreich. Jede Gedenkveranstaltung folgt einem thematischen Schwerpunkt, der oft aktuelle zeitgeschichtliche oder politisch-inhaltliche Interessen widerspiegelt, wie der hier angebotenen Beschreibung aller bisherigen Gedenkfeiern entnommen werden kann.

Foto: Gedenkveranstaltung im Parlament
4. Mai 2012
© Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles KG/Mike Ranz
Quelle: Parlament
Klick öffnet Volltext der Übersicht aller jährlichen Gedenksitzungen 1998-2012
Quelle: Parlament

Vollziehen Sie gemeinsam nach, welche inhaltlichen Schwerpunkte die parlamentarischen Sitzungen und damit das staatsoffizielle Gedenken über die Jahre gesetzt haben und versuchen Sie, diese Schwerpunkte mit gesell- schaftlichen, politischen und zeitgeschichtlichen Debatten der jeweiligen Jahre in Verbindung zu bringen. Sammeln Sie in der Gruppe eigene Vorschläge zur inhaltlichen Ausrichtung einer Gedenkveranstaltung unter Beteiligung der SchülerInnen.

 

Kommentar von Gerhard Marschall

In diesem Standard-Kommentar schreibt der Pressesprecher von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) über die Vorfälle bei der Befreiungsfeier in Ebensee 2009. Jugendliche aus dem Ort hatten Überlebende, die an der Feier teilnehmen wollten, mit Softguns beschossen und dabei nationalsozialistische Sprüche von sich gegeben. Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) sprach daraufhin von „gegenseitigen Provokationen“, was für Empörung sorgte. In dem Kommentar wird versucht, die Aussagen der Ministerin mit ihrer ausländerpolitischen Haltung in Verbindung zu setzen.

Foto: Befreiungsfeier in Ebensee
9. Mai 2009
Quelle: Memorial Ebensee
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Gerhard Marschall: Ebensee - mehr als nur eine Provokation
in: Der Standard, 15.5.2009
Quelle: derStandard.at

Die Verknüpfung der historischen Ereignisse in Ebensee, der Zwischenfälle bei der Befreiungsfeier 2009 und nicht verwandter aktueller tages- politischer Themen ist in mehrfacher Hinsicht zu diskutieren: Die jährliche Feier findet zeitnah mit der in Mauthausen, der Gedenksitzung des Parlaments und den allgemeinen Veranstaltungen rund um Befreiung und Kriegsende 1945 statt. Jede Befreiungsfeier versucht auch, durch öffentlichkeitswirksame Appelle Lern- und Denkprozesse anzustoßen. Diskutieren Sie, inwieweit hier politische Debatten zu nicht unmittelbar verwandten Themen zulässig sind, etwa, welche Lehren aus der natinoalsozialistischen Vergangenheit auf die Geschichte der Familie Zogaj angewendet werden können oder sollen.

 

Archäologisches Forschungsprojekt

Die Archäologin Claudia Theune-Vogt hat sich seit 2009 in einem Forschungsprojekt mit archäologischen Ausgrabungen in Mauthausen und seinen Außenlagern befasst. Damit wurde für die historische Forschung neben Dokumenten und Stellungnahmen eine neue Quellenkategorie erschlossen. Dieser Text beschreibt das Potenzial und die Ziele der Methode: exakte Vermessungen und bauarchäologische Untersuchungen helfen HistorikerInnen, den Ort in seinen heute nicht mehr augescheinlichen Formen zu begreifen.

Konzentrationslager Mauthausen: Archäologie und Zeitgeschichte
Claudia Theune-Vogt
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Quelle: Universität Wien

Lesen Sie den Text aufmerksam. Diskutieren Sie über die Notwendigkeit archäologischer Forschung am Ort der früheren Konzentrationslager. Welche Erkenntnisse sind nur durch diese Methode möglich, weil sie nicht in überlieferten Dokumenten oder Berichten von ZeitzeugInnen transportiert werden? Welche Schwierigkeiten ergeben sich für die ArchäologInnen? (z.B. mehrfache Über-/Umformung während der Zeit des Nationalsozialismus und danach, Nachnutzung als Gedenkstätte) Welche Beweiskraft entfalten Relikte im Gegensatz zu historischen Dokumenten?

 

Rahmenkonzept Neugestaltung Gedenkstätte Mauthausen 2009

Mauthausen ist die zentrale KZ-Gedenkstätte in Österreich. Sie wurde in der Vergangenheit bereitsmehrmals gestaltet und umgeformt, seit 2009 wurde ein neues Rahmenkonzept zur ganzheitlichen Neugestaltung umgesetzt. Damit steht Mauthausen in der Tradition vieler Gedenkstätten im deutschsprachigen Raum, die in den letzten 20 Jahren, seit der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende des Ost-West-Konflikts auch im Geiste geänderter geopolitischer Situationen neue Narrative in neuen Formen darstellen. Die hier beschriebene Neugestaltung betrifft nicht nur Ausstellungskonzepte, sondern definiert einen neuen Zugang zum Ort als ganzem.

 

BMUKK-Erlass 2011

Im Jahr 2011, einem Jahr ohne rundem Jahrestag, erließ das BM:UKK eine an alle schulischen Bildungseinrichtungen gehende Bitte hinsichtlich der Beschäftigung mit Gedenktagen im Unterricht. Der Erlass verweist auf die internationale Bedeutung des 27. Jänner, den Anspruch der Prävention zukünftiger Genozide und den österreichischen Gedenktag am 5. Mai. Die Aufforderung, „Gedenk- und Erinnerungsinitiativen umzusetzen“ wird mit den rund um den 5. Mai ausgerichteten Aktionstagen Politische Bildung in Verbindung gebracht, deren inhaltlicher Schwerpunkt die demokratische Gesellschaft, der Rechtsstaat und die Menschenrechte waren.

33.466/1-I/6a/2011
Erlass des BM:UKK vom 26. Jänner 2011
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Quelle: BM:UKK, eduhi.at

Dieser Erlass erging an alle Schulen in Österreich. Diskutieren Sie: wie wird der Kontrast zwischen dem internationalen Holocaust- Gedenktag am 27. Jänner und dem österreichischen Gedenktag am 5. Mai wiedergegeben? Werden sie unterschiedlich bedeutend dargestellt? Der Aufruf wurde kurz vor dem 27. Jänner versandt, bezieht sich aber auf die Aktionstage im April und Mai. Sprechen Sie über die Verknüpfung von erinnerungs- politischer Motivation und aktuelle Themen wie Menschenrechten: Ist diese naheliegend? Sind entsprechende Lehren aus den Ereignissen in Mauthausen zu ziehen? Wird der Appell dem Anspruch des würdigen Andenkens gerecht? Diskutieren Sie: Lädt der Erlass auch ein, den 27. Jänner als Gedenktag zu begehen?

 

5. Mai: Was hat das mit uns zu tun?

Oft wird diskutiert, ob sich junge Generationen mit der Vergangenheit auseinandersetzen sollen. Vor allem die Erinnerung an negative Ereignisse ist mit der Frage „was geht das uns an?“ und ob nicht ein „Schlussstrich“ gezogen werden soll konfrontiert. Im Gegensatz dazu hat sich in den letzten Jahren das Interesse an der konkreten Geschichte der NS-Verbrechen gerade im lokalen Umfeld intensiviert. Dies zeigen auch viele Schulprojekte, die sich mit der Vergangenheit vor Ort beschäftigen. erinnern.at, ein Netzwerk engagierter LeherInnen mit Unterstützung des BM:UKK, hat anlässlich des Gedenktags 2012 diese Broschüre herausgegeben, die Antworten auf die Frage „was hat das mit uns zu tun?“ zur Diskussion stellt. Darin wird die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen nachgezeichnet und auf die Bedeutung des Gedenktags gegen Gewalt und Rassismus hingewiesen. Jugendliche werden zur Partizipation und eigener Initiative angeregt.

Folder „5. Mai - Was hat das mit uns zu tun?“
© erinnern.at
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Quelle: erinnern.at

Viele Anknüpfungspunkte können das Interesse Jugendlicher für die nationalsozialistische Vergangenheit beeinflussen: z.B. Familiengeschichte, Migrations- erfahrung, soziale oder politische Konflike innerhalb der Gruppe. Diskutieren Sie, inwiefern die SchülerInnen sich von offiziellen und öffentlichen Ver- anstaltungen zum Gedenktag angesprochen fühlen und erarbeiten Sie gemeinsam, auf welche geschichtlichen und vergangenheitspolitischen Themen die Gruppe gern schwerpunktmäßig eingehen möchte. Diskutieren Sie darüber hinaus über den Wert gesellschaftlichen Gedenkens an bestimmten Tagen gegenüber der andauernden allgemeinen kritischen Beschäftigung mit der eigenen (gesellschaftlichen) Vergangenheit als wesentlichem Bestandteil der Erinnerungs- kultur.

 

Jahreskalender Befreiungs- und Gedenkfeiern MKÖ

Das Mauthausen Komitee Österreich ist die Nachfolgeorganisation der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen und damit eine zentrale Institution der Erinnerung, Forschung und Vermittlung zu Mauthausen und seinen Nebenlagern in Österreich. Das MKÖ organisiert die jährlichen Befreiungsfeiern. Dieser Jahreskalender für 2013 nennt zahlreiche Befreiungs- und Gedenkfeiern in Österreich, die vom MKÖ oder seinen Untergruppen organisiert werden. Die meisten dieser Veranstaltungen werden in der überregionalen Öffentlichkeit nicht wahrgenommen.

Jahresprogramm Befreiungs- und Gedenkfeiern 2013
Mauthausen Komitee Österreich
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Quelle: Mauthausen Komitee Österreich

Lesen Sie gemeinsam die Liste der Feiern im Jahr 2013. Diskutieren Sie: Werden in Ihrer Region Veranstaltungen ab- gehalten? Zu welchem Thema? Welche Orte (und ihre Geschichte) sind Ihnen geläufig, welche nicht? Lassen Sie Kleingruppen Kurzrecherchen zu den bislang unbekannten Orten durchführen und über die dort vorgefallenen Ereignisse berichten. Versuchen Sie nachzuvollziehen, wie dicht das Netz der Verfolgungs- und Vernichtungsorte in Österreich war.

 

Einladung HOSI

Die HOSI Salzburg lädt zur Teilnahme an der Befreiungsfeier am 12. Mai 2013 in Mauthausen ein. Ein besonderer Programmpunkt dieser Initiative ist die Kranzniederlegung für die homosexuellen Opfer geplant. Als Initiative von und für Homosexuelle vertritt HOSI auch die Interessen einer vom Nationalsozialismus verfolgten Gruppe. Der inhaltliche Aufruf („Warum du mitkommen solltest“) nennt Homosexualität als einen von vielen ideologischen Ausgrenzungsgründen, die in der heutigen Zeit weiterbestehen.

Einladung zur Teilnahme an der Befreiungsfreier 2013
HOSI Salzburg
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Quelle: HOSI Salzburg

Diskutieren Sie über den Motivationstext: Wie wird die Brücke zwischen den historischen Ereignissen und der heutigen Zeit geschlagen? Welche Rolle wird dabei den Überlebenden zuteil? Welche Gründe für die Teilnahme an der Befreiungsfeier betreffen die Vergangenheit, welche die Gegenwart? Welche davon unterliegen Kontinuitäten? Recherchieren Sie über die Geschichte des im Aufruf genantnen Mahnmals: Wann wurde der Gedenkstein errichtet, wo in der Gedenkstätte befindet er sich?

 

Einladung Kulturverein Österreichischer Roma

Der Kulturverein Österreichischer Roma lädt zur Teilnahme an der Befreiungsfeier am 12. Mai 2013 in Mauthausen ein. Ein besonderer Programmpunkt dieser Initiative ist das Gedenken und die Kranzniederlegung vor dem Mahnmal für Roma und Sinti. Der Kulturverein Österreichischer Roma ist auch eine Vertretungsorganisation dieser vom Nationalsozialismus verfolgten Gruppe. Inhaltlich geht der Aufruf auf den besonderen Schwerpunkt der Feier im Jahr 2013, dem Andenken an Retterinnen und Retter, sowie auf den Hintergrund zum Mahnmal und die Ermordung zahlreicher Roma- und Sinti-Frauen ein.

Einladung zur Teilnahme an der Befreiungsfreier 2013
Kulturverein Österreichischer Roma
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Quelle: Kulturverein Österreichischer Roma

Recherchieren Sie die Geschichte des Mahnmals für Roma und Sinti in Mauthausen. Recherchieren Sie darüber hinaus die Geschichte der Roma und Sinti in Österreich. Diskutieren Sie vor diesem Hintergrund auf die Präsenz dieser öster- reichischen Volksgruppe in der Erinnerungs- und Gedenkkultur. Welche Aufmerksamkeit erfahren Initiativen dieser Opfergruppe? Besteht ein Zusammenhang mit der Ausgrenzung von Roma und Sinti in der Gegenwarts- gesellschaft?

 

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