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5. Mai

HISTORISCHER BEZUGSPUNKT: Die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen

Das Konzentrationslager Mauthausen war das größte auf dem heutigen Gebiet der Republik Österreich gelegene nationalsozialistische Konzentrationslager. Es wurde unmittelbar nach dem „Anschluss“ im August 1938 in Betrieb genommen. Rund 300 Häftlinge aus dem KZ Dachau wurden für den Aufbau überstellt. Hier wurden politische Gegner, Kriegsgefangene und aus rassistischen bzw. ideologischen Gründen Verfolgte inhaftiert, zur Arbeit gezwungen und umgebracht. Am 5. Mai 1945, einige Tage nach der Unabhängigkeitserklärung Österreichs und kurz vor Kriegsende in Europa, befreite die US-Armee das Konzentrationslager Mauthausen.

Ausschnitt aus Tötungen durch Giftgas im Konzentrationslager Mauthausen Bertrand Perz, Florian Freund
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Quelle: Bertrand Perz, Florian Freund: Tötungen durch Giftgas im Konzentrationslager Mauthausen. In: Günter Morsch, Bertrand Perz (Hrsg.): Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Historische Bedeutung, technische Entwicklung, revisionistische Leugnung. Berlin: Metropol 2011. S. 251-254.

Das Konzentrationslager Mauthausen war ein Ort des nationalsozialistischen Massen- mords. Obwohl es im Gegensatz zu den Vernichtungslagern im Osten Europas nicht zum alleinigen Zweck der Ermordung aller Ankommenden errichtet wurde (z.B. Zwangsarbeit), bestand ab 1941/42 im Konzentrationslager Mauthausen eine Gaskammer. Zuvor waren Morde mit Giftgas im nahe gelegenen Schloss Hartheim durchgeführt wurden. Auch durch den Umbau im Zuge der ersten Nutzung als Gedenkstätte wurde die Gaskammer in Mauthausen von Revisionisten und Holocaustleugnern oft als Attrappe bezeichnet. Die Historiker Bertrand Perz und Florian Freund dokumentierten in ihrem Text zur Tötung durch Giftgas in Mauthausen die Umstände der Errichtung und des Betriebs der Anlage, wobei auch Unterlagen aus einem Prozess nach Kriegsende zitiert werden.

Audioguide KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Kapitel 26
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Audiodatei hier abrufbar
Quelle: mauthausen-memorial.at
Bildquelle: USHMM

Im Kapitel 26 des Audioguides der KZ-Gedenkstätte wird die Befreiung geschildert. Der Text und die Audiodatei werden auch online bereitgestellt. Das Kapitel schildert die Ereignisse um den 5. Mai 1945 aus der Sicht eines Häftlings: Der Bericht des spanischen Überlebenden Mario Constante, in dem auch auf die Szene aus dem nachgestellten Bild eingegangen wird, wird von Informationen zu den Umständen der Befreiung, deren AutorInnenschaft nur in der Textversion kenntlich gemacht wird, gerahmt.

am 6. Mai 1945 Nachgestellte Lagerbefreiung
fotografiert von Cpl Donald R. Ornitz, US Army
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Quelle: USHMM

Dieses Foto wurde am 6. Mai 1945 aufgenommen. Es sollte die Lagerbefreiung zeigen: ein offenes Tor, jubelnde befreite Häftlinge und ein Fahrzeug der US-Armee, darüber ein Banner, das den Befreiern Dank ausspricht. Tatsächlich wurde diese Aufnahme einen Tag nach der Befreiung angefertigt – sie diente in den Jahrzehnten nach 1945 als Ikone für den Moment der Befreiung. In den Tagen davor wurde im Lager noch gemordet, auch in den Tagen danach starben viele Menschen weiterhin an den Folgen der Lagerhaft.

Mauthausen-Schwur
Botschaft der Überlebenden des KZ Mauthausen 16. Mai 1945
Klick öffnet Volltext<br /Quelle: KZ-Verband/VdA Oberösterreich>

Am 16. Mai 1945, knapp zwei  Wochen nach der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen, wurde der Mauthausen-Schwur der ehemaligen Häftlinge verlesen. Er ist als die zentrale Stellungnahme der soeben vom Schicksal der vorgesehenen Vernichtung befreiten, aus Menschen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen zusammengesetzten Häftlings- gesellschaft, das eine Verbindung zwischen dem Andenken der Toten, der Erfahrung der überwundenen Haft und der Verantwortung aller für die Zukunft herstellt, indem an „die ganze Welt“ appelliert wird, „die Welt des freien Menschen“ zu errichten.

Nach der Befreiung übergab das US-Militär das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen an die Rote Armee, da es in der sowjetischen Besatzungszone nördlich der Donau lag. Am 20. Juni 1947 erfolgte die feierliche Übergabe des Lagerareals an die österreichische Bundesregierung. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten wurden die Vermittlung der Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers und die jährlichen Befreiungsfeiern vor allem durch die Organisationen der ehemaligen Häftlinge geprägt.

Projektbeschreibung des "Zeitzeugen- und Zeitzeuginnenprojekts Mauthausen"
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Quelle: Mauthausen-Memorial
ausgewählte Interviews, die teilweise auch in der Ausstellung der Gedenkstätte gezeigt werden, können hier abgerufen werden.

Das Bundesministerium für Inneres hat als für die Gedenkstätte zuständige Behörde im Jahr 2001 das „Zeitzeugen- und Zeitzeuginnen- projekt Mauthausen“ gestartet, in dem ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen über ihre Erfahrungen in der KZ-Haft befragt wurden. Dieses Dokument ist die offizielle Projekt- beschreibung. Sie erklärt, mit welcher Methode vorgegangen wurde: 90% der Häftlinge sprechen im Alltag nicht Deutsch, mit ihnen wurden lebensgeschichtliche Interviews in der Mutter- bzw. Umgangssprache geführt. Die Oral History, mündlich erzählte Geschichte, als Quelle für die Forschung und, in weiterer Folge, Vermittlungsarbeit nutzbar zu machen, war ein Hauptmotiv für das Projekt.

Kapitel aus Hans Maršáleks Buch Mauthausen mahnt!
Herausgegeben vom Mauthausen-Komitee des Bundesverbandes der österreichischen KZler, Häftlinge und politisch Verfolgten, Wien 1950
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Der 2011 verstorbene ehemalige Mauthausen-Häftling Hans Maršálek hat in seinem Buch Mauthausen mahnt! bereits 1950 einen umfangreichen Zeitzeugen- bericht über die Umstände im Konzentrationslager, insbesondere innerhalb der Häftlingsgesellschaft, geschrieben. Er galt als wichtiger Chronist der Geschichte Mauthausens und Wegbereiter des Ausbaus als Gedenkstätte. Wie bei jedem Zeitzeugenbericht muss auf die Erzählung aus der Perspektive einer einzelnen Person hingewiesen werden. Gleichzeitig stellt er eine wertvolle Quelle dar: Er öffnet den Blick auf in anderer Weise nicht dokumentierte Ereignisse.

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