5. Mai

DISKURS in Medien und Öffentlichkeit

Mit dem 5. Mai wurde 1997 ein neuer Gedenktag geschaffen, der auch nach der ersten Begehung 1998 seinen Weg in die gesellschaftliche Gedenk- und Erinnerungspraxis finden musste. Zunächst war sogar umstritten, in welchem Rahmen und wem überhaupt gedacht werden sollte.

Christian Klösch: Der 5. Mai: Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus (NS-Opfer-Gedenktag)
in: GEDENKDIENST 2/98
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Quelle: GEDENKDIENST

Der Historiker Christian Klösch diskutierte in seinem Artikel zum damals neuen und erstmals begangenen Gedenktag 1998 einige heute vergessene Aspekte um die Einrichtung des 5. Mai. Er zeigte auf, dass die Initiative aus der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft in Deutschland und Österreich kam, worauf sich Grüne und Liberale in Österreich zunächst auch für den 27. Jänner als Datum einsetzten. Erzbischof Schönborn, Bundeskanzler Vranitzky und Bundespräsident Klestil waren skeptisch bzw. passiv. Ferner wird dargelegt, wie es als Kompromiss zum Datum des 5. Mai kam. Der Artikel macht deutlich, wie die zeitliche Nähe des Aufrufs des Europäischen Parlaments, des Europäischen Jahres gegen Gewalt und Rassismus (1997), des veränderten Geschichts- bewusstseins in Österreich und der Initiative von unten zum Gedenktag beigetragen haben.

Das offizielle Österreich begeht den Gedenktag am 5. Mai durch eine Gedenksitzung im Parlament, die ggf. um einige wenige Tage verschoben wird, falls der 5. Mai auf ein Wochenende fällt. Der 5. Mai ist kaum ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen.

Foto: Gedenkveranstaltung im Parlament
4. Mai 2012
© Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles KG/Mike Ranz
Quelle: Parlament
Klick öffnet Volltext der Übersicht aller jährlichen Gedenksitzungen 1998-2012
Quelle: Parlament

Die jährliche Gedenksitzung des Parlaments ist ein öffentliches Ereignis. Neben den Festreden der PolitikerInnen, Wissen- schaftlerInnen und Ehrengäste (wie ZeitzeugInnen) werden beinahe jährlich Schulklassen eingeladen. Die mediale Berichterstattung ist umfang- reich. Jede Gedenkveranstaltung folgt einem thematischen Schwerpunkt, der oft aktuelle zeitgeschichtliche oder politisch-inhaltliche Interessen wider- spiegelt, wie der hier angebotenen Beschreibung aller bisherigen Gedenkfeiern ent- nommen werden kann.

Die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen am 5. Mai 1945 wird in der heutigen Gedenkstätte mit einer jährlichen Befreiungsfeier am ersten Sonntag nach dem 5. Mai gewürdigt. An diesen Veranstaltungen nehmen hochrangige PolitikerInnen, Überlebende und deren Angehörige aus vielen Ländern und politische Organisationen teil. In Gusen und Ebensee findet jährlich ungefähr zur selben Zeit die Befreiungsfeier statt. Im Jahr 2009 kam es in Ebensee zu einem Skandal.

Foto: Befreiungsfeier in Ebensee
9. Mai 2009
Quelle: Memorial Ebensee
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Gerhard Marschall: Ebensee - mehr als nur eine Provokation
in: Der Standard, 15.5.2009
Quelle: derStandard.at

In diesem Standard-Kommentar schreibt der Pressesprecher von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) über die Vorfälle bei der Befreiungsfeier in Ebensee 2009. Jugendliche aus dem Ort hatten Überlebende, die an der Feier teilnehmen wollten, mit Softguns beschossen und dabei nationalsozialistische Sprüche von sich gegeben. Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) sprach daraufhin von „gegenseitigen Provokationen“, was für Empörung sorgte. In dem Kommentar wird versucht, die Aussagen der Ministerin mit ihrer ausländerpolitischen Haltung in Verbindung zu setzen.

Konzentrationslager Mauthausen: Archäologie und Zeitgeschichte
Claudia Theune-Vogt
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Quelle: Universität Wien

Die Archäologin Claudia Theune-Vogt hat sich seit 2009 in einem Forschungsprojekt mit archäologischen Ausgrabungen in Mauthausen und seinen Außenlagern befasst. Damit wurde für die historische Forschung neben Dokumenten und Stellungnahmen eine neue Quellenkategorie erschlossen. Dieser Text beschreibt das Potenzial und die Ziele der Methode: exakte Vermessungen und bauarchäologische Unter- suchungen helfen HistorikerInnen, den Ort in seinen heute nicht mehr augescheinlichen Formen zu begreifen.

Mauthausen Memorial neu gestalten
Bundesministerium für Inneres
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Quelle: BM.I

Mauthausen ist die zentrale KZ-Gedenkstätte in Österreich. Sie wurde in der Vergangenheit bereits mehrmals gestaltet und umgeformt, seit 2009 wurde ein neues Rahmenkonzept zur ganzheitlichen Neugestaltung umgesetzt. Damit steht Mauthausen in der Tradition vieler Gedenkstätten im deutsch- sprachigen Raum, die in den letzten 20 Jahren, seit der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende des Ost-West-Konflikts auch im Geiste geänderter geopolitischer Situationen neue Narrative in neuen Formen darstellen. Die hier beschriebene Neugestaltung betrifft nicht nur Ausstellungskonzepte, sondern definiert einen neuen Zugang zum Ort als ganzem.

Folder „5. Mai - Was hat das mit uns zu tun?“
© erinnern.at
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Quelle: erinnern.at

Oft wird diskutiert, ob sich junge Generationen mit der Ver- gangenheit auseinandersetzen sollen. Vor allem die Erinnerung an negative Ereignisse ist mit der Frage „was geht das uns an?“ und ob nicht ein „Schlussstrich“ gezogen werden soll konfrontiert. Im Gegensatz dazu hat sich in den letzten Jahren das Interesse an der konkreten Geschichte der NS-Verbrechen gerade im lokalen Umfeld intensiviert. Dies zeigen auch viele Schulprojekte, die sich mit der Vergangenheit vor Ort beschäftigen. erinnern.at, ein Netzwerk engagierter LeherInnen mit Unterstützung des BM:UKK, hat anlässlich des Gedenktags 2012 diese Broschüre herausgegeben, die Antworten auf die Frage „was hat das mit uns zu tun?“ zur Diskussion stellt. Darin wird die Geschichte des Konzentrations- lagers Mauthausen nach- gezeichnet und auf die Bedeutung des Gedenktags gegen Gewalt und Rassismus hingewiesen. Jugendliche werden zur Partizipation und eigener Initiative angeregt.

Jahresprogramm Befreiungs- und Gedenkfeiern 2013
Mauthausen Komitee Österreich
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Quelle: Mauthausen Komitee Österreich

Das Mauthausen Komitee Österreich ist die Nachfolge- organisation der Öster- reichischen Lagergemeinschaft Mauthausen und damit eine zentrale Institution der Erinnerung, Forschung und Vermittlung zu Mauthausen und seinen Nebenlagern in Österreich. Das MKÖ organisiert die jährlichen Befreiungsfeiern. Dieser Jahreskalender für 2013 nennt zahlreiche Befreiungs- und Gedenkfeiern in Österreich, die vom MKÖ oder seinen Untergruppen organisiert werden. Die meisten dieser Ver- anstaltungen werden in der überregionalen Öffentlichkeit nicht wahrgenommen.

Einladung zur Teilnahme an der Befreiungsfreier 2013
HOSI Salzburg
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Quelle: HOSI Salzburg

Die HOSI Salzburg lädt zur Teilnahme an der Befreiungsfeier am 12. Mai 2013 in Mauthausen ein. Ein besonderer Programm- punkt dieser Initiative ist die Kranzniederlegung für die homosexuellen Opfer geplant. Als Initiative von und für Homosexuelle vertritt HOSI auch die Interessen einer vom Nationalsozialismus verfolgten Gruppe. Der inhaltliche Aufruf („Warum du mitkommen solltest“) nennt Homosexualität als einen von vielen ideologischen Ausgrenzungsgründen, die in der heutigen Zeit weiterbestehen.

Einladung zur Teilnahme an der Befreiungsfreier 2013
Kulturverein Österreichischer Roma
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Quelle: Kulturverein Österreichischer Roma

Der Kulturverein Öster- reichischer Roma lädt zur Teilnahme an der Befreiungsfeier am 12. Mai 2013 in Mauthausen ein. Ein besonderer Programm- punkt dieser Initiative ist das Gedenken und die Kranz- niederlegung vor dem Mahnmal für Roma und Sinti. Der Kulturverein Österreichischer Roma ist auch eine Vertretungs- organisation dieser vom Nationalsozialismus verfolgten Gruppe. Inhaltlich geht der Aufruf auf den besonderen Schwerpunkt der Feier im Jahr 2013, dem Andenken an Retterinnen und Retter, sowie auf den Hintergrund zum Mahnmal und die Ermordung zahlreicher Roma- und Sinti-Frauen ein.

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