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SPÖ schützt den Schilling vor der ÖVP
SPÖ schützt den Schilling vor der ÖVP
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 6. März 1966.
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Kernthemen des SPÖ-Wahlkampfs 1966 waren wie 1962 die Stabilität des Schillings und die der ÖVP zugeschriebene Teuerungspolitik. In diesem Zusammenhang wurden seitens der SPÖ sozialpolitische Themen wie Teuerung und Preiserhöhung bzw. Kaufkraft aufs Plakat gebracht.

Auf diesem Textplakat kommuniziert die SPÖ streng genommen zwei Inhalte: Zum einen rückt der Schilling wieder einmal als Hauptthema auf ein Plakat: Die SPÖ präsentiert sich als die Partei, die den Schilling vor den Plänen der politischen Konkurrenz - explizit vor der ÖVP - schützt. Allerdings kommuniziert die SPÖ keinen Grund, warum sie den Schilling vor der ÖVP schützen soll, sondern stellt nur diesen Slogan aufs Plakat.

Die zweite textuale Botschaft lautet, dass die SPÖ "keine Preislawine", sprich keine zusätzliche Steuerbelastung und Preiserhöhung, forcieren will, was die ÖVP sehr wohl im Sinn hätte, wie es die optische Gestaltung des Plakats suggeriert: Das Wort "ÖVP" und die Auflistung der Dinge, die nicht erhöht werden sollen, sind auf schwarzem Hintergrund geschrieben. Zudem wird die Auflistung in einem schwarzen Rechteck rechtsbündig unter den Schriftzug "ÖVP" platziert. Den RezipientInnen soll somit suggeriert werden, dass die ÖVP eine völlig überhöhte Preis- und Währungspolitik betreibt. Der Wahlappell ist indirekt formuliert ("stärkt die SPÖ") und ruft zu einer Handlung seitens der WählerInnen auf.

Im gestalterischen Gesamteindruck weist das Plakat eine geometrische Exaktheit auf, die der SPÖ zusätzlich das Image von Ordnung, Ruhe und Disziplin verleiht. Einzig der verwischte Hintergrund des Wortes "ÖVP" stört diesen Gesamteindruck und attestiert der ÖVP somit indirekt, diese Ordnung zu stören. Die SPÖ will die BetrachterInnen davon überzeugen, dass ihr Wirtschaftskurs im Gegensatz zur jenem der ÖVP soziale Komponenten nicht vernachlässigen würde.

Die Farbe Rot fungiert auf diesem Plakat als Parteifarbe der SPÖ. Sie wird großflächig auf allen Wahlplakaten verwendet und ist damit ein wichtiger Bestandteil im optisch unverkennbaren Erscheinungsbild (corporate identity). Der Schriftzug SPÖ hebt sich einheitlich in einer etwas größeren Schrifttype vom Fließtext ab: Diese Gestaltungsform stand vermutlich als Vorläufer für ein neues SPÖ-Logo Pate, das sich dann 1970 konkretisierte.

Zur Nationalratswahl vom 6. März 1966:

Bei den Nationalratswahlen vom 6. März 1966 kandidierten insgesamt sieben Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KLS, DFP-Liste Franz Olah, Liberale Partei Österreichs, Marxisten-Leninisten Österreichs. Entscheiden konnte die Wahl die ÖVP für sich, die 2,191.109 bzw. 48,35 der abgegebenen Stimmen erreichte (85 Mandate), während die SPÖ 1,928.985 bzw. 42,56 der abgegebenen Stimmen (74 Mandate) erzielte. Die FPÖ erreichte 242.570 bzw. 5,35% der abgegebenen Stimmen (6 Mandate); den anderen kandidierenden Parteien gelang der Einzug in den Nationalrat nicht.

Entscheidend für das Wahlergebnis waren das moderne, Reform orientierte Erscheinen der ÖVP, die mit ihrer "Aktion 20" für eine Versachlichung der Politik eingetreten war und somit frischen Wind in die Politik brachte sowie die schwere Krise der SPÖ, die sich vor allem um die Person von Franz Olah drehte.

Zurückzuführen ist diese auf das eigenmächtige Handeln des Gewerkschaftspräsidenten und Innenministers Franz Olah, der - ohne die Partei zu informieren - zum Ausbau seiner eigenen Machtposition Gewerkschaftsgelder zur Unterstützung der FPÖ und für die Wiederbegründung der Kronen-Zeitung verwendet hatte. Nach dem Bekanntwerden von Olahs Finanztransaktionen wurde dieser, der im innerparteilichen Machtkampf die Kronen-Zeitung auch gezielt gegen seine Gegner Pittermann, Broda und Benya einsetzte, 1964 aus der SPÖ ausgeschlossen, worauf er eine eigene Partei, die Demokratische Fortschrittliche Partei gründete, die bei den Wahlen 1966 vor allem der SPÖ Stimmen kostete.

Die Krise der SPÖ rund um Franz Olah, der 1969 auch gerichtlich verurteilt wurde, hatte das Ansehen der Partei in der Öffentlichkeit schwer geschädigt, aber auch eine Reihe von politischen Fehlern, wie eine ablehnende Haltung gegen das Rundfunksvolksbegehren 1964, die so genannte Fußach-Affäre, bei der der sozialistische Verkehrsminister Probst ein Bodenseeschiff gegen den heftigen Protest der Vorarlberger Bevölkerung auf den Namen Karl Renner taufen wollte und damit nicht nur Vorarlberg gegen den Wiener Zentralismus aufbrachte, sowie personelle und organisatorische Schwachpunkte, die u. a. dazu führten, dass das Wahlprogramm der SPÖ für die Nationalratswahl 1966, das "Programm für Österreich" nicht rechtzeitig fertig wurde, führten zur Wahlniederlage der SPÖ.

Nicht unwesentlich für die Wahlniederlage der SPÖ 1966 war aber auch die Wahlempfehlung der KPÖ, von der sich die Partei nicht entschieden genug distanzierte - lediglich Kreisky tat dies - was die ÖVP geschickt in ihrem Wahlkampf instrumentalisieren konnte.

Der Nationalratswahl vom 6. März 1966 folgten zwar Koalitionsgespräche zwischen ÖVP und SPÖ, zur Bildung einer neuerlichen Großen Koalition kam es jedoch nicht. Erstmal in der Zweiten Republik bildete die ÖVP unter Bundeskanzler Josef Klaus eine Alleinregierung, die bei manchen - so auch bei Bruno Kreisky - Ängste vor einem neuerlichen Aufbrechen alter Gegensätze, resultierend aus den Bürgerkriegserfahrungen 1934 wach werden ließen.

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