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Wähler schätzt Österreichs Reichtum
Wähler schätzt Österreichs Reichtum
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 13. Mai 1956
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek - Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Eines der Hauptthemen des Wahlkampfs 1956 war die Frage der Verstaatlichung der ehemaligen unter sowjetischer Verwaltung stehenden USIA-Betriebe, inklusive der Mineralölindustrie, die nach dem Staatsvertrag und dem Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht an Österreich zurück fielen. Während von Seiten der SPÖ Ambitionen bestanden, die ehemaligen USIA-Betriebe dem unter ihrer Leitung stehenden Ministerium für Verkehr und verstaatlichte Betriebe mit Karl Waldbrunner an der Spitze
einzugliedern, verwehrte sich die ÖVP gegen den weiteren Ausbau des ohnehin bereits mächtigen "Königreichs Waldbrunners" zu einem "Kaiserreich Waldbrunner" und trat im Wahlkampf 1956 für eine teilweise Reprivatisierung der Verstaatlichten Industrie im Wege der "Volksaktie" ein. Nach der Wahl und dem Wahlsieg der ÖVP erfolgte die Zerschlagung des ehemaligen "Mega-Ministeriums" von Waldbrunner. Er stand nun nur mehr einem Ministerium für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft vor. Die aus dem Waldbrunner-Ministerium ausgegliederte Verstaatlichte Industrie (mit Ausnahme der Energiewirtschaft) wurde der neu geschaffenen, proporzmäßig besetzten Österreichischen Industrie- und Bergbauverwaltungs GesmbH (IBV) unterstellt, die jedoch bereits nach den für die SPÖ erfolgreichen Wahlen 1959 wieder aufgelöst wurde (die Verstaatlichte Industrie wurde nun SPÖ-Vizekanzler Pitterman unterstellt). Die ÖMV (heute OMV) zur Verwaltung der staatlichen österreichischen Minaralölwirtschaft wurde im Juli 1956 gegründet.

Wie in der Wahlkampfkommunikation der ÖVP 1956 wurde auch in jener der SPÖ das Erdöl bzw. "Österreichs Reichtum" von der politischen Konkurrenz bedroht: Analog zum "Rentenklau" aus dem Wahlkampf 1953, schultert hier eine optisch ähnlich gestaltete, schwarze Gestalt einen Erdölturm und will sich mit diesem und einem Erdölkanister aus dem Staub machen. Dass es sich beim "Erdölklau" um die ÖVP handelt, wird sowohl aus dessen Gesichtszügen, die aus den Initialen der ÖVP geformt sind, und der Verwendung der schwarzen Farbe sichtbar, diein den 1950er Jahren die Parteifarbe der ÖVP war. Aber auch der Zylinder, der bereits in der Ersten Republik als Feindsymbol für "das Kapital" verwendet wurde, soll eine Verbindung zur ÖVP als der politischen Vertretung der "Besitzenden" herstellen. Die dreifach verwendete Aufforderung "schützt", "sichert" und "wählt" ist hingegen einen Aufforderung an die WählerInnen, ihre Stimme der SPÖ zu geben, die auf Plakat nur durch die Verwendung der Farbe Rot als Schriftfarbe des Plakattextes präsent ist.

Zur Nationalratswahl vom 13. Mai 1956:

Bei der Nationalratswahl vom 13. Mai 1956 kandidierten insgesamt zehn Parteien: Ergokratische Partei, Freie Arbeiterpartei Österreichs, Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Kommunisten und Linkssozialisten, Österreichische Mittelstandspartei, Österreichische Patriotische Union, Österreichische Volkspartei (ÖVP), Parlamentarische Vertretung der Wahlverhinderten, Partei der Vernunft, Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ). Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (1,999.986 oder 46% der abgegebenen Stimmen bzw. 82 Mandate), SPÖ (1,873.295 oder 43% der abgegebenen Stimmen bzw. 74 Mandate), FPÖ, die aus dem Verband der Unabhängigen (VdU/WdU) hervorgegangen war (283.749 oder 6,5% der abgegebenen Stimmen bzw. 6 Mandate), KuL (192.438 oder 4,4% der abgegebenen Stimmen bzw. 6 Mandate).

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