zur normalen Ansicht

Bildstrategien > Wirtschaft 

 

Zu neuer Wirtschaftsqualität
Zu neuer Wirtschaftsqualität
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 7. Oktober 1990.
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Der Plakatwahlkampf der SPÖ 1990 wurde vom zentralen Thema "Qualität" geprägt, wobei es sich hierbei um verschiedene Qualitäten handeln konnte - "neue politische Qualität", "neue soziale Qualität" oder auch "neue Wirtschaftsqualität". In wirtschaftlicher Hinsicht bedeutet das: weniger als 3 % Arbeitslose, Senkung der Mehrwertsteuer, Verstaatliche Industrie auf Erfolgkurs, weiter Qualitatives Wirtschaftswachstum, Annäherung an die heutige EU und umweltfreundliche Technologien. Die SPÖ knüpft somit - wie auch in ihrem neuen Logo - einerseits an den 1989 abgegebenen EWG-Beitrittsantrag an und konotiert ihre Wirtschaftspolitik mit sozialpolitischen Anliegen, in dem sie für eine Vollbeschäftigung (= 3 % Arbeitslose) eintritt.

In symbolischer Hinsicht fällt auf, dass die SPÖ 1990 - und das gilt für alle Plakate - folgende Symbolkombination verwendete: die rot-weiß-rote Fahne, den weißen Schriftzug "?SPÖ" und die blaue EU-Fahne mit goldenen Sternen. Im Gegensatz zur "Europa-Partei" ÖVP, die die EU-Fahne nie in ihr Parteilogo inkludierte, scheint bei der SPÖ somit bereits 1990, d.h. ein Jahr nach der Abgabe des Beitrittsgesuchs, die heutige EU-Fahne - sie war ursprünglich die Fahne des Europarates und wurde 1983 durch das Europäische Parlament übernommen - auf den Wahlplakaten auf. Zurückführbar ist das vermutlich darauf, dass sich die ÖVP in der Öffentlichkeit besser als Europa-Befürworterin positionieren konnte und die SPÖ somit gezwungen war, in diesem Bereich ein gewisses "Manko" zu kompensieren.

Nachdem der Übergang zum rot-weiß-roten Logo in den 1970-er Jahren in visueller Hinsicht die Abkehr vom Internationalismus bedeutete, stellte sie sich damit wieder in einen größeren, nun europäischen Zusammenhang. Noch steht die SPÖ jedoch - wie am Logo sichtbar wird - jedoch zwischen Österreich und Europa. In späteren Logos schafft die SPÖ zwar die Verbindung der (allerdings vertikalen) rot-weiß-roten Fahne mit der Fahne der EU, sich selbst schreibt sie aber in den rot-weiß-roten Bereich ein; Europa fungiert dann gewissermaßen als "Hintergrund".

Zur Nationalratswahl vom 7. Oktober 1990:

Bei der Nationalratswahl vom 7. Oktober 1990 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ, Die Grüne Alternative - Grüne im Parlament, Vereinte Grüne Österreichs/das Umwelt-Bürgerforum, Verband der Sozialversicherten, Christliche Wähler-Gemeinschaft, Christdemokratische Partei, Wahlplattform der Grauen Österreichs, Fritz Georg. Den Einzug in den Nationalrat schafften vier Parteien: die SPÖ mit 42,8% (2,012.787) der abgegebenen Stimmen bzw. 80 Mandaten, die ÖVP mit 32,1% (1,508.600) der abgegebenen Stimmen bzw. 60 Mandaten, die FPÖ mit 16,6% (782.648) der abgegebenen Stimmen bzw. 33 Mandaten, die GAL mit 4,8 % (225.084) der abgegebenen Stimmen bzw. 10 Mandaten. Der Wahl folgte die Bildung einer SPÖ-ÖVP-Koalitionsregierung.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org