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Im Interesse des arbeitenden Volkes
Im Interesse des arbeitenden Volkes
Wahlplakat der KPÖ für die Nationalratswahl vom 6. Mai 1979.
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Ein beliebtes Motiv in der Plakatgestaltung der siebziger Jahre weist dieses Beispiel der KPÖ von 1979 auf, nämlich die fotorealistische Darstellung von Menschen.

Es zeigt den damaligen KPÖ-Spitzenkandidaten, Franz Muhri, im Gespräch mit um ihn versammelten ArbeiterInnen, die die traditionelle Hauptzielgruppe der KPÖ darstellen. Die Bildsprache symbolisiert, dass Muhri bürgernah auf die ÖsterreicherInnen zugeht, ihnen zuhört und ihre Sorgen ernst nimmt. Er wird damit als "Mann des Volkes", als "einer von uns", als "common man" dargestellt (in späteren Wahlkämpfen haben v.a. die FPÖ und Jörg Haider in den 1990er Jahren diese Strategie angewendet).

Gleichzeitig kommt die Personalisierung zum Tragen: "Franz Muhri ins Parlament" wird gefordert. Die Fokussierung auf den Spitzenkandidaten wird ab 1970 in der Plakatkommunikation stärker, da die technischen Mittel von Fotographie, vor allem aber das Fernsehen als Informationsquelle im Wahlkampf eine immer bedeutendere Rolle spielen.

Der Slogan "Im Interesse des arbeitenden Volkes" soll die Bildaussage unterstreichen. Allerdings ist dieser Schriftzug ungünstig auf dem Plakat positioniert, da er über den Köpfen der Menschengruppe zentriert ist. Blickfang des Plakates sind der etwas rechts der Mitte stehende Franz Muhri und das - im Verhältnis zu den anderen Slogans - überdimensioniert große KPÖ-Logo. Slogan und Logo sind in einem dunklen rot, der traditionellen Parteifarbe der KPÖ, gehalten.

Programmatisch kommuniziert die KPÖ, dass sie in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik für soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Arbeit für alle und die Aufteilung der Profite eintritt. Die Themen Arbeit, Privilegienabbau, Gewinn/Profit und Interessensvertretung dominieren daher die KPÖ-Wahlkampfkommunikation.

Zur Nationalratswahl vom 6. Mai 1979:

Bei der Nationalratswahl vom 6. Mai 1979 kandidierten insgesamt fünf Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ und die Christlich-Soziale-Arbeitsgemeinschaft.

Den Einzug in den Nationalrat schafften SPÖ, ÖVP und FPÖ, wobei die SPÖ ihre absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit erfolgreich verteidigen bzw. diese sogar noch ausbauen konnte. Kreisky konnte bei der Nationalratswahl 1979 das beste Wahlergebnis seiner 13-jährigen Amtszeit als österreichischer Bundeskanzler erzielen.

Die einzelnen Parteien erreichten folgendes Ergebnis: SPÖ: 2,413.226 bzw. 51% der abgegebenen Stimmen (95 Mandate), ÖVP: 1,981.739 bzw. 41,9% der abgegebenen Stimmen (77 Mandate), FPÖ: 286.743 bzw. 6,1% der abgegebenen Stimmen (11 Mandate).

Literatur: Seiter, Josef, Vom Arbeiterwappen zur Sternenkrone Europas. Visuelle Symbolik und Emblematik der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, in: Leser, Norbert / Wagner, Manfred (Hg.), Österreichs politische Symbole. Historisch. Ästhetische und ideologiekritisch beleuchtet, Wien/Köln/Weimar 1994, 127-146; Seiter, Josef, Visuelle Symbole und Embleme der österreichischen Sozialdemokratie (Dokumentation 2/1991 des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung), Wien 1991.

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