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Wählen Sie das moderne Österreich....
Wählen Sie das moderne Österreich....
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 1. März 1970.
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Die Themen Zukunft und Modernisierung standen im Mittelpunkt des Wahlkampfs der SPÖ 1970. In ihrer Oppositionszeit (1966-1970) hatte die SPÖ unter ihrem neuen Vorsitzenden Bruno Kreisky acht "Reformprogramme für ein modernes Österreich" ausgearbeitet, an deren Spitze ein Wirtschaftsprogramm stand, das der SPÖ die oft abgesprochene Wirtschaftskompetenz vermitteln sollte und im Wahlkampf im Zusammenhang mit "sicheren Arbeitsplätzen", "guten Wirtschaftsstrukturen" und einer "stabilen Währung" vermarktet wurde.

Der Aufbruch ins "moderne Österreich" - es geht etwa um eine bessere Bildung und Wirtschaft um Arbeit und den Wohnbau - wurde mit einer eigenen Plakatserie beworben. Eines dieser Plakate zeigt einen zufrieden lächelnden Angestellten vor einer modernen Maschine: Dargestellt wird ein glücklicher Arbeitnehmer in einer modernen, sauberen Arbeitsumgebung, die sozialen Aufstieg verspricht. Der abgebildete Arbeitnehmer ist kein typischer Arbeiter mehr. Dies ist ein Hinweis auf einen Wandel der Arbeitsstrukturen und die Ankündigung moderner, verbesserter Arbeitsbedingungen, aber auch der Versuch der SPÖ - ganz im Sinne der Entwicklung hin zu einer "Catch-all-Party" -, neue WählerInnenschichten ansprechen und diese dazu zu motivieren, zumindest ein "Stück des Weges" mit der SPÖ zu gehen - so der zentrale Wahlkampfslogan 1970, der allerdings nicht auf den Wahlplakaten zu finden ist.

Der zweite zentrale Slogan der Partei, die Aufforderung "Wählen Sie das moderne Österreich" prägt hingegen den Großteil der Plakate für den Wahlkampf 1970: Die freundlichen Plakate mit zufrieden lächelnden Menschen präsentieren die SPÖ als moderne, zukunftsträchtige Partei. Ein eingängiger Slogan, Bilder glücklicher Menschen aller Generationen bestimmen den Wahlkampf der SPÖ 1970, der den Weg in eine bessere Zukunft ebnen soll. Die SPÖ präsentiert sich als Partei, die sich für das Wohl der Menschen einsetzt und die - im Gegensatz zur ÖVP - völlig auf den Feindbilddiskurs früherer Jahre verzichtet.

Bilder von Bruno Kreisky, der den (ersten TV-Wahlkampf in der Geschichte Österreichs) eindeutig bestimmte, fehlen hingegen - und dies nicht zuletzt deshalb, weil Kreisky mögliche Angriffe wegen seiner jüdischen Herkunft befürchtete.

Zur Nationalratswahl vom 1. März 1970:

Bei der Nationalratswahl vom 1. März 1970 kandidierten sieben Parteien: ÖVP, SPÖ, FPÖ, KPÖ, Demokratische Fortschrittliche Partei (DFP) - Wahlgemeinschaft Franz Olah, Nationaldemokratische Partei, Adolf Glantschnig - Für Menschlichkeit, Recht und Freiheit in Österreich.

Die Mehrheit der Stimmen, nicht jedoch die absolute Mehrheit an Mandaten erreichte die SPÖ. Sie erzielte - unter Berücksichtigung der Wiederholungswahl vom 4. Oktober 1970 - 2,221.981 bzw. 48,4% der abgegebenen Stimmen und 81 Mandate. Neben der SPÖ schafften ÖVP und FPÖ den Einzug in den Nationalrat. Die ÖVP erreichte 2,051.012 bzw. 44,7% der abgegebenen Stimmen bzw. 78 Mandate, die FPÖ 253.425 bzw. 5,5% der abgegebenen Stimmen bzw. 6 Mandate. Die restlichen kandidierenden Parteien erreichten nicht die für den Einzug in den Nationalrat erforderliche Stimmenanzahl.

Entscheidend für den Wahlerfolg der SPÖ 1970 war der erfolgreiche Reformprozess, den die SPÖ nach der Wahl von Bruno Kreisky zum Parteivorsitzenden 1967 eingeschlagen hatte. Dieser sah die Ausarbeitung von acht "Reformprogrammen für ein modernes Österreich" sowie eine eindeutige Distanzierung vom Kommunismus - umgesetzt in der Eisenstädter Erklärung aus dem Jahr 1969 - vor.

Mitentscheidend war aber auch, dass sich Kreisky im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Josef Klaus (ÖVP) in den Medien entschieden besser positionieren konnte. Dies gilt insbesondere für das Fernsehen, wobei anzumerken ist, dass es sich bei der Wahl 1970 um den ersten TV-Wahlkampf in der Geschichte Österreichs handelte (In den USA hatte dieser bereits zehn Jahre vorher mit der TV-Konfrontation Kennedy-Nixon, stattgefunden). Werbespots im Fernsehen und eine Auseinandersetzung der beiden Spitzenkandidaten, Josef Klaus und Bruno Kreisky, bestimmten nun ebenso den Wahlkampf wie die "herkömmliche" Wahlkampfpropaganda. Karl Pisa, Staatssekretär für Presse und Information und Wahlkampfleiter der ÖVP im Wahlkampf 1970 hatte für die ÖVP folgendes Konzept entwickelt: "Wir haben im Voraus geplant, die Plakate old-fashioned, die Inserate sophisticated und die TV-Spots shocking zu machen" (Hölzl, Propagandaschlachten, 140). Während die Plakate somit von vornherein "traditionell" konzipiert waren, sollte der TV-Wahlwerbung eine große Rolle zukommen - besonders hier missglückte die Wahlwerbung der ÖVP jedoch. So erwiesen sich jene Werbefilme, in denen Kreiskys Schattenkabinett, das er nicht preisgeben wollte, als "Kapuzenmänner" dargestellt wurde, einerseits als Bumerang für die ÖVP, da Kreisky diese Wahlfilme gekonnt für sich nutzen konnte. Andererseits gelang es Kreisky ebenfalls, sich als lockeren Gesprächspartner im TV zu präsentieren, während Klaus angespannt, nervös und dozierend wirkte.

Nach der Wahl bildete die SPÖ unter Bundeskanzler Kreisky eine Minderheitsregierung. Die für die Verabschiedung eines Budgets im Parlament notwendige Stimmenmehrheit erreichte die SPÖ durch die Unterstützung der FPÖ, der im Gegenzug eine Wahlrechtsreform in Aussicht gestellt wurde, die den Proportionalitätseffekt und somit kleinere Parteien stärkte. Nach der Verabschiedung eines neuen Wahlrechts, das auch der SPÖ Vorteile brachte und von ihr daher in den letzten Jahren ebenso gefordert worden war, wie von Seiten der FPÖ, und der Einleitung ihres "Reformprogramms für ein modernes Österreich", fanden im Oktober 1971 neuerlich Nationalratswahlen statt. Diese brachten der SPÖ die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit.

(Literatur: Hölzl, Norbert, Propagandaschlachten, Wien 1974)

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