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Wirtschaft und Parteien
Zentrale Bereiche in der Wirtschaftpolitik markwirtschaftlich orientierter Staaten sind die Geld- und Währungspolitik, Budgetpolitik, Industrie- und Umweltpolitik, Lohnpolitik, Arbeitsmarktpolitik und Sozialpolitik. Wie der reale wirtschaftspolitische Kurs eines Staates aussieht, hängt dabei von verschiedenen konkreten Faktoren und grundsätzlichen wirtschaftstheoretischen Modellen ab.

Während das neoliberale Modell davon ausgeht, dass sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage am Markt von selbst einstellt und sich der Staat als ökonomischer Akteur in den Hintergrund stellen soll – seine Aufgabe ist es lediglich, möglichst gute Investitionsbedingungen für die UnternehmerInnen zu gewährleisten und den freien Wettbewerb zu sichern –, geht der Keynesianismus davon aus, dass eine Selbstregulation des Marktgleichgewichtes nicht von alleine zustande kommt. Der Staat soll deshalb eine stärker gestaltende Rolle einnehmen, Konjunkturschwankungen ausgleichen und v.a. eine Sicherung der Arbeitsplätze garantieren.

Ihrer Entstehungsgeschichte und somit auch ihrer traditionellen WählerInnenschicht entsprechend – die SPÖ als klassische "ArbeiterInnenpartei" und die ÖVP als Vertreterin der Unternehmer – verfolgenden "linke Parteien" (wie etwa die SPÖ) tendenziell eher einen wirtschaftpolitischen Kurs, der eine stärkere Rolle des Staates vorsieht als "konservativ-bürgerliche" oder liberale Parteien (wie die ÖVP) die traditionell stärker für einen geringeren Einfluss des Staates auf die Wirtschaft eintreten. Neue Parteien wie die Grünen haben dem gegenüber neue Konzepte und Fragestellungen wie ökologische Gesichtspunkte in der Wirtschaftspolitik in den Diskurs eingebracht.

Wirtschaftspolitische Entwicklung seit 1945
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und in der Phase des Wiederaufbaus (mit Unterstützung durch die amerikanische Wirtschaftshilfe "European Recovery Program", dem so genannten Marshall-Plan) wurde die österreichische Nachkriegswirtschaft durch starke staatliche Eingriffe in die Wirtschaft geprägt: Um zu verhindern, dass das ehemalige "Deutsche Eigentum" von den vier Besatzungsmächten beschlagnahmt wird, wurde in einem Konsens aller Parteien ein staatswirtschaftlicher Sektor aufgebaut: Diese Verstaatlichung wurde bis 1955 nur in den Besatzungszonen der Franzosen, Briten und US-Amerikaner umgesetzt: In der sowjetischen Besatzungszone verhinderte die Sowjetunion durch die Errichtung von USI(W)A- Betriebe (Administration des sowjetischen Eigentums im östlichen Österreich), die rund zehn Prozent der gesamtösterreichischen Industrieproduktion ausmachten und die der allgemeinen Steuerleistung entzogen waren, die Durchführung des Verstaatlichungsgesetzes. Mit Abschluss des Staatsvertrags gingen diese Betriebe in Staatseigentum über.

Ziel der Wirtschaftspolitik war neben dem Wiederaufbau und der Erreichung von Vollbeschäftigung (= Arbeitslosenquote unter 3%) eine Stabilisierung der Währung: Um die Nachkriegsinflation zu stoppen, kürzte die ÖVP-SPÖ-Regierung Anfang der 1950-er Jahre die Staatsausgaben und erhöhte die Steuerquote, wodurch jedoch die Wirtschaftsentwicklung stagnierte. Durch den so genannten Raab-Kamitz-Kurs, eine Sanierung des damals defizitären Staatshaushaltes durch Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen und Maßnahmen zur Investitionsanregung der UnternehmerInnen, und angesichts der guten internationalen Wirtschaftslage gab es bereits ab 1952  wirtschaftliches Wachstum.

Österreich verfolgte das Konzept einer sozialen Marktwirtschaft, das einerseits eine Marktkonkurrenz aber auch einen sozialen Ausgleich durch den Ausbau des Sozialstaats vorsah. Wesentlicher Bestandteil hiervon ist auch der Interessensausgleich in Form der Sozialpartnerschaft, die einen Interessensausgleich zwischen ArbeitgeberInnen- und ArbeitnehmerInnenorganisationen in einer konsensualen Lohn-Preis-Politik vorsah und somit wesentlich zum inneren Frieden beitrug.

Ab 1964 geriet der Wirtschaftsaufschwung ins Stocken, 1967 trat eine spürbare Rezession ein. Die ÖVP-Alleinregierung unter Bundeskanzler Klaus erließ ein Paket von Steuermaßnahmen zur Budgetkonsolidierung mit dem so genannten Koren-Plan, ein Maßnahmen-Paket zur Förderung des Kapitalmarktes und der Unternehmensfinanzierung. Auf der Basis dieser Konsolidierung und einer internationalen Hochkonjunktur setzte ab 1969 eine Phase der Hochkonjunktur der österreichischen Wirtschaft ein, die bis Mitte der 1970-er Jahre andauern sollte. In den folgenden Jahren konnte sich Österreich dem internationalen Konjunktureinbruch relativ lange widersetzen: Der wirtschaftspolitische Kurs der SPÖ-Alleinregierung unter Bruno Kreisky (oft als Austrokeynesianismus bezeichnet) sah eine starke Investitionstätigkeit des Staates zu Lasten der Staatsverschuldung (deficit spending) sowie eine Hartwährungspolitik und eine sozialpartnerschaftliche Lohn- und Preispolitik vor. Hierdurch konnte bei einem gleichzeitigen Ausbau des Wohlfahrtsstaats Vollbeschäftigung, Wirtschaftswachstum und Preisstabilität bis Anfang der 1980-er Jahre erhalten werden.

Angesichts einer zunehmenden Staatsverschuldung (und auch einer immer offensichtlicher werdenden Strukturkrise in der österreichischen Wirtschaft, die durch die Politik des deficit spending überdeckt worden war) war die Politik des Austrokeynesianismus Anfang der 1980-er Jahre jedoch nicht mehr fortsetzbar. Die österreichische Wirtschaftspolitik wurde ab 1986 von einem Rückgang des staatlichen Einflusses hin zu Privatisierungen, Deregulierung und Einsparungen zur Sanierung des Budgetdefizits bestimmt: Die Große Koalition erließ Mitte der 1990-er Jahre Strukturanpassungs- und Stabilitätsprogramme, die so genannten Sparpakete, die auch zum Erreichen der Maastricht-Kriterien vor der Einführung des Euros beitragen sollten. Mit der ÖVP-FPÖ-Koalition hielt im Jahre 2000 das Ziel der Nullneuverschuldung ("Nulldefizit"), das durch Privatisierungen, Ausgabenkürzungen und Steuer- und Abgabenerhöhungen erreicht werden sollte, in die Budgetpolitik Einzug.

Zur visuellen Darstellung der Wirtschaftspolitik in der Plakatkommunikation

Für das Thema Wirtschaft gilt ein ähnlicher Schwierigkeitsgrad der visuellen Darstellung wie für die Thematik Arbeit: Komplexe Sachprobleme sollen per Plakat auf visuell einfach verständliche Weise im Sinne der jeweiligen Partei den potentiellen WählerInnen näher gebracht werden. Im Großen und Ganzen versuchen die Parteien mittels drei Arten der Bildsprache ihre Wirtschaftspositionen an die Frau und an den Mann zu bringen.

Erstens mit einer expressiven Bildsprache und Symbolik: Hier steht der Schilling (bis vor Einführung des Euro im Jahre 2002) – sei es als Bild, sei es als Sprachsymbol – als Zeichen für die Währungs- und Finanzpolitik einer Partei: Je nach Kontext musste sein Zustand vor anderen Wirtschaftskursen geschützt werden oder befand sich aufgrund des Wirtschaftskurses der Wahl werbenden Partei in gutem Zustand. Die Schillingmünze wird also quasi sinnbildlich für die Effekte der Währungspolitik verwendet. Gleichzeitig war diese frühere Währung eine Art Nationalsymbol für Österreich: Wenn eine Partei also den Schilling schützen wollte, setzte sie sich gleichzeitig für die Belange Österreichs ein. Oder aber finstere Gestalten – jeweils dem politischen Gegner per Farbe und Symbolik zuzuordnen – bedrohten das Eigentum Österreichs wie anno 1956 die "Klau-Figuren" von SPÖ und ÖVP in den Zeiten, als der Staat noch ein Eigentümer staatlicher Betriebe war.

Zweitens wurde ab Beginn der 1970-er Jahre versucht, steigende Kaufkraft und die florierende Wirtschaftslage anhand von Bildern zufriedener Menschen darzustellen. Diese Menschen wurden quasi als Zeugen der erfolgreichen Wirtschaftpolitik der jeweiligen Partei dargestellt, wie es bei den Plakaten von SPÖ und ÖVP gut ersichtlich wird. Diese Art der optimistisch-positiven Plakatwerbung wurde allerdings nur solange praktiziert, wie sich die ökonomische Lage in gutem Zustand befand.

Drittens wird – vor allem seit der 1990-er Jahre – die schwächelnde Konjunkturlage mit der Personalisierung in Einklang gebracht: Wirtschaftspolitiker und -experten der jeweiligen Partei werden als RetterInnen aus der wirtschaftlichen Krise idealisiert: So stoppte bereits 1953 der damalige Finanzminister Reinhard Kamitz den "Inflationsball" ("Unser Kamitz, der hält der hält", ÖVP 1953), während Josef Riegler mit seinem Konzept der ökosozialen Marktwirtschaft 1990 "den Aufschwung" propagiert oder sich Wolfgang Schüssel 1999 per Unterschrift für den Einsatz zur Unterstützung von Unternehmen verbürgt hat ("Wer mehr Arbeitsplätze will, braucht gute Unternehmer.") – der wirtschaftspolitische Kurs der Parteien erhielt ein Gesicht.

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