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Wer die Pensionen bewahren will, muß das System verändern
Wer die Pensionen bewahren will, muß das System verändern
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 17. Dezember 1995.
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Zentrale Themen im Plakatwahlkampf der ÖVP 1995 waren die Themen Erneuerung, Zukunft und Reform. Die ÖVP versuchte sich als Partei zu positionieren, die sinnvolle Reformen zum Wohle des Landes anstrebt, gleichzeitig aber nicht alles ändern will. Diese Botschaft - Bewahren und Verändern - kommunizierte die ÖVP auch in einer eigenen Plakatserie. Im Hinblick auf das Pensionssystem hieß es etwa: "Wer die Pensionen bewahren will, muß das System verändern. Weniger Frühpensionisten. Aber: Kein Eingriff in bestehende Pensionen".

Dem Slogan wird der Schriftzug und die Unterschrift des ÖVP-Spitzenkandidaten und damaligen Vizekanzlers, Wolfgang Schüssel, zur Seite gestellt. Schüssel wird damit quasi als Urheber der Plakataussage präsentiert; gleichzeitig garantiert er mit seiner Unterschrift persönlich für die Einhaltung der Wahlkampfbotschaft. Schüssel, damals noch mit seinem "Markenzeichen", dem Mascherl abgebildet, wird v.a aufgrund seines Lächelns als "Winner" inszeniert.

Aber auch die Formulierung "Die neue ÖVP" soll Erfolg und Dynamik suggerieren, wobei das neue Parteilogo der ÖVP ebenfalls die Kernaussage der ÖVP 1995 kommuniziert: Bewahren und Verändern. Während der statische Schriftzug "DIE NEUE ÖVP" für das bewahrende Element steht, symbolisiert das Icon der wehenden rot-weiß-roten Fahne Veränderung. Gleichzeitig kommuniziert aber auch die Eigenbezeichnung "DIE NEUE ÖVP" die Verbindung von Bewahren und Verändern - steht der statische Schriftzug doch für Bewahren, während die Charakterisierung "DIE NEUE ÖVP" Veränderung suggeriert. Der Österreichbezug drückt sich hingegen im Symbol der kleinen wehenden rot-weiß-roten Fahne aus, wobei hier die Vermutung nahe liegt, dass durch die wehende Fahne kein althergebrachtes, sondern ein mit der Zeit gehendes Österreichbewusstsein ausgedrückt werden sollte.

Auffallend ist zudem, dass die ÖVP unter Wolfgang Schüssel Mitte der 1990-er Jahre zu ihrer alten "Parteifarbe" Schwarz zurückkehrt, nachdem ab Anfang der 1960-er Jahre die Farbe Grün im Selbstbild der Partei bis in die 1980-er Jahre hinein eine wichtige Rolle spielte und der Wahlkampf der Partei 1994 von der Farbe Rot dominiert war.

Zur Nationalratswahl vom 17. Dezember 1995:

Die nach der Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994 gebildete große Koalition hatte keinen langen Bestand. Nachdem Wolfgang Schüssel am 22. April 1995 Erhard Busek nach einem innerparteilichen Machtkampf als ÖVP-Obmann ablöste und am 4. Mai 1995 auch seine Nachfolge als Vizekanzler (sowie als Nachfolger von Alois Mock auch als Außenminister) angetreten hatte, initiierte Schüssel angesichts massiver Budgetprobleme vorzeitige Neuwahlen, die am 17. Dezember durchgeführt wurden. Die Hoffnung, die ÖVP zur stimmenstärksten Partei zu machen, ging jedoch nicht in Erfüllung - im Gegenteil die ÖVP verlor sogar ein Mandat, während die SPÖ sechs Mandate dazugewinnen konnte. Bundeskanzler Vranitzky brachte diese Wahl, die neuerlich zur Bildung einer großen Koalition führte, das beste Ergebnis seiner Kanzlerschaft ein.

Von den insgesamt 13 Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, Die Grünen - Die Grüne Alternative, Liberales Forum - Heide Schmidt, Vereinte Grüne Österreichs - Liste Adi Pinter, KPÖ, Bürgerliche Grüne Österreichs, Freie Demokraten - Die Liberalen, Verband der Sozialversicherten Bürgerlisten und Unabhängige, Nein - Bürgerinitiative gegen den Verkauf Österreichs, Christliche - Wähler - Gemeinschaft, Österreichische Naturgesetz-Partei, Fritz Georg, Die Beste Partei) schafften fünf Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ 38,1% (1,843.679) der abgegebenen Stimmen bzw. 71 Mandate, ÖVP 28,3% (1,370.497) der abgegebenen Stimmen und 53 Mandate, FPÖ 21,9% (1,060.175) der abgegebenen Stimmen und 40 Mandate, Die Grünen 4,8% (233.232) der abgegebenen Stimme und 9 Mandate, LIF 5,5% (267.078) der abgegebenen Stimmen und 10 Mandate.

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