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Zu neuer sozialer Qualität
Zu neuer sozialer Qualität
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 7. Oktober 1990.
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Der Plakatwahlkampf der SPÖ 1990 wurde vom zentralen Thema "Qualität" geprägt, wobei es sich hierbei um verschiedene Qualitäten handeln konnte - "neue politische Qualität", "neue Wirtschaftsqualität" oder auch "neue soziale Qualität".

Beim Plakat "Zu neuer sozialer Qualität" sieht man ein junges Pärchen, das verheißungsvoll in die Zukunft (Blickrichtung nach rechts, rechts positionierte Objekte am Plakat weisen auf zukünftige Ereignisse hin) blickt. Die Naturidylle im Hintergrund unterstreicht den Anspruch auf eine "neue soziale Qualität", die eine bessere Lebensqualität inkludiert.

Der anschließende Text zählt punkthaft auf, was für die SPÖ Bestandteil dieser "neuen sozialen Qualität" sein soll: Das SPÖ-Familienpaket, mehr billige Wohnungen für junge Leute, 10.000 Schilling Mindestlohn, dadurch 7.500 Schilling Mindestpension, einheitliches Pensionssystem?. Die Vereinheitlichung des Pensionssystems war 1990 ein Thema, das von allen Parteien diskutiert wurde, das auf dem Plakat angeführte "SPÖ-Familienpaket" schlug unter anderem eine zusätzliche Altersstaffelung bei der Familienbeihilfe vor.

In symbolischer Hinsicht fällt auf, dass die SPÖ 1990 - und das gilt für alle Plakate - folgende Symbolkombination verwendete: die rot-weiß-rote Fahne, den weißen Schriftzug "SPÖ" und die blaue EU-Fahne mit goldenen Sternen. Im Gegensatz zur "Europa-Partei" ÖVP, die die EU-Fahne nie in ihr Parteilogo inkludierte, scheint bei der SPÖ somit bereits 1990, d.h. ein Jahr nach der Abgabe des Beitrittsgesuchs, die heutige EU-Fahne - sie war ursprünglich die Fahne des Europarates und wurde 1983 durch das Europäische Parlament übernommen - auf den Wahlplakaten auf. Zurückführbar ist das vermutlich darauf, dass sich die ÖVP in der Öffentlichkeit besser als Europa-Befürworterin positionieren konnte und die SPÖ somit gezwungen war, in diesem Bereich ein gewisses "Manko" zu kompensieren.

Nachdem der Übergang zum rot-weiß-roten Logo in den 1970-er Jahren in visueller Hinsicht die Abkehr vom Internationalismus bedeutete, stellte sie sich damit wieder in einen größeren, nun europäischen Zusammenhang. Noch steht die SPÖ jedoch - wie am Logo sichtbar wird - zwischen Österreich und Europa. In späteren Logos schafft die SPÖ zwar die Verbindung der (allerdings vertikalen) rot-weiß-roten Fahne mit der Fahne der EU, sich selbst schreibt sie aber in den rot-weiß-roten Bereich ein; Europa fungiert dann gewissermaßen als "Hintergrund".

Zur Nationalratswahl vom 7. Oktober 1990:

Bei der Nationalratswahl vom 7. Oktober 1990 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ, Die Grüne Alternative - Grüne im Parlament, Vereinte Grüne Österreichs/das Umwelt-Bürgerforum, Verband der Sozialversicherten, Christliche Wähler-Gemeinschaft, Christdemokratische Partei, Wahlplattform der Grauen Österreichs, Fritz Georg. Den Einzug in den Nationalrat schafften vier Parteien: die SPÖ mit 42,8% (2,012.787) der abgegebenen Stimmen bzw. 80 Mandaten, die ÖVP mit 32,1% (1,508.600) der abgegebenen Stimmen bzw. 60 Mandaten, die FPÖ mit 16,6% (782.648) der abgegebenen Stimmen bzw. 33 Mandaten, die GAL mit 4,8 % (225.084) der abgegebenen Stimmen bzw. 10 Mandaten. Der Wahl folgte die Bildung einer SPÖ-ÖVP-Koalitionsregierung.

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