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Politik der Vernunft
Politik der Vernunft
Wahlplakat der FPÖ für die Nationalratswahl vom 10. Oktober 1971
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Ein Plakat der FPÖ aus dem Wahlkampf 1971 zeigt das Portrait von Friedrich Peter vor dem Hintergrund eines TV-Bildschirmes. Peter, der wichtigste Akteur der FPÖ im Plakatwahlkampf 1971, ist hier in Profildarstellung dargeboten und blickt in Richtung Text und Parteilogo, nicht aber in Richtung der BetrachterInnen. Auffallend ist, dass auf der Textebene das Parteilogo ungleich größer gewichtet ist als der Schriftzug Friedrich Peter, wodurch trotz Personalisierung eine Unterordnung der Person unter die Partei zum Ausdruck kommt. Durch den abgebildeten TV-Bildschirm versuchte die FPÖ hingegen Modernität zu suggerien, im Hinblick auf die Textbotschaft wurde das Medium TV aber auch als ?Objektivierungsinstrument? eingesetzt.

Zu Friedrich Peter:

Friedrich Peter wurde 1921 in Attnang-Puchheim (Oberösterreich) geboren. Er trat der NSDAP und Waffen-SS bei und war im Zweiten Weltkrieg an der West- und Ostfront eingesetzt, zuletzt als Obersturmführer beim 10. Regiment der 1. SS-Infanteriebrigade, die an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt war. Nach Kriegsende wurde Peter in dem von der amerikanischen Militärbehörde im salzburgischen Glasenbach errichteten Inhaftierungslager zehn Monate lang festgehalten. Nach seiner Entlassung legte er die Lehrbefähigungsprüfung für Volks-, Haupt- und Sonderschulen ab und war anschließend Lehrer an verschiedenen Schulen im Bezirk Kirchdorf an der Krems und in Linz. 1955-71 war er FPÖ-Landesparteiobmann von Oberösterreich und von 1958-78 FPÖ-Bundesparteiobmann. 1955-66 Abgeordneter zum oberösterreichischen Landtag, 1966-86 Abgeordneter zum Nationalrat und 1970-86 Klubobmann. Innenpolitisch schwer unter Beschuss gekommen ist Friedrich Peter 1975, als Simon Wiesenthal seine Involvierung in Nationalsozialismus und SS im Wahlkampf thematisierte. Kreisky, der sich im Falle des Verlusts der absoluten Mehrheit, eine kleine Koalition mit der FPÖ hätte vorstellen können, stellte sich in Folge vor Peter und attackierte Wiesenthal auf das Schärfste - eine jahrelange Auseinandersetzung zwischen Kreisky und Wiesenthal, der den Angriff Wiesenthals auf Peter als persönlichen Angriff auf sich wertete und Peter einen Gesinnungswechsel glaubte, folgte. Friedrich Peter zog sich 1986 aus der Politik zurück, 1992 trat er aus Protest gegen den Kurs der Partei unter Jörg Haider, vor allem gegen dessen Anti-Europa-Politik, aus der Partei aus. Friedrich Peter starb 2005.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/peter.htm, 14.7.2006, http://www.aeiou.at,14.7.2006

Zur Nationalratswahl vom 10. Oktober 1971:

Bei der Nationalratswahl vom 10. Oktober 1971 kandidierten insgesamt fünf Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ und die Offensive Links. Von diesen Parteien schafften bis auf die KPÖ und die Offensive Links alle Parteien den Einzug in den Nationalrat. Zur stimmenstärksten Partei wurde die SPÖ mit 2,280.168 bzw. 50% der abgegebenen Stimmen, während die ÖVP 1,964.713 bzw. 43,1% der abgegebenen Stimmen und die FPÖ 248.473 bzw. 5,5% der abgegebenen Stimmen erreichte. Der SPÖ gelang es somit erstmals die absolute Mandatsmehrheit zu erreichen. Sie erzielte 93 Mandate, die ÖVP 80 Mandate und die FPÖ 10 Mandate.

Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass die Nationalratswahl 1971 auf Basis des 1970 geänderten Wahlrechts durchgeführt wurde. Dieses verstärkte die Proportionalität von Stimmen und Mandaten und entsprach damit einer langjährigen Forderung von SPÖ und FPÖ, die aufgrund der Zusicherung der Wahlrechtsreform auch die Minderheitsregierung Kreisky - hinsichtlich der Verabschiedung ihres Budgets - unterstützt hatte. Neuerungen der Wahlrechtsreform 1970 waren: Die Erhöhung der Abgeordneten von 165 auf 183; die Einführung eines Vorzugstimmenwahlrechts, im ersten Ermittlungsverfahren werden die Stimmen in neun und nicht mehr 25 Wahlkreisen (System Hare), im zweiten Ermittlungsverfahren in zwei anstatt vier Wahlkreisverbänden (Methode d`Hondt) vergeben, Bedingung für die Teilnahme am zweiten Wahlverfahren ist die Erlangung eines Grundmandats, die Einführung eines Vorzugstimmenwahlrechts.

Maßgeblich für den Wahlerfolg der SPÖ mit Kreisky war ihr modernes Erscheinungsbild, an dem sie kontinuierlich seit ihrer Wahlniederlage 1966 gearbeitet hatte und die im Wahlkampf 1970 in der Verwendung eines neuen SPÖ-Logos mündete, ihre Öffnung zur Catch-all-Party (das gilt bereits für 1970), die Reformleistungen der Minderheitsregierung Kreisky (kleine Strafrechtsreform, "sechs Monate sind genug" etc.), diverse "Wahlzuckerl" (wie etwa 15.000 Schilling Heiratsgeld) sowie die Führungskrise der ÖVP, die durch den Rücktritt von Josef Klaus nach der Nationalratswahl 1970 ausgelöst worden war.

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