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Ein echter Österreicher
Ein echter Österreicher
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 1. März 1970
Quelle: Wiener Stadt- und Landesbibliothek

Bei den Nationalratswahlen vom 1. März 1970 präsentierte die ÖVP ihren Spitzenkandidaten, Bundeskanzler Josef Klaus, als "echten Österreicher". Indirekt spielte sie damit auf die jüdische Herkunft des SPÖ-Spitzenkandidaten und Exilanten Bruno Kreisky (seit 1967 Vorsitzender der SPÖ) an, die Botschaft des Slogans bezog sich aber auch auf Kreiskys politische Identifikation mit einem Sozialismus internationaler Prägung, der gleichfalls einem (Österreichbezug), wie ihn die ÖVP vertrat, entgegenstand. Interessant ist im Zusammenhang mit der Bezeichnung von Klaus als "echtem Österreicher" aber auch, dass Klaus der einzige Kanzler Österreichs war, der in der Wehrmacht gedient hat.

Die subkutan antisemitische Aussage des Plakats wurde von Christian Ludwig Attersee mittels eines "Gegenplakates" aufgegriffen und ins Lächerliche gezogen: Gezeigt wird hier der "echte Österreicher" Attersee - nackt nur mit Hut, Schuhen und einem Fächer bekleidet - vor den Symbolen des "echten Österreichs", dem Parlament, dem Riesenrad und dem Stephansdom (vgl. hierzu die Wissensstation Heimat).

Neuerlich aufgegriffen wurde der Slogan "Echte Österreicher" von der FPÖ im Nationalratswahlkampf 1999, als sie Jörg Haider und Thomas Prinzhorn als "zwei echte Österreicher" plakatierte (vgl. hierzu den Wahlgang 1999).

Zu Josef Klaus:

Josef Klaus wurde 1910 in Mauthen (Kärnten) geboren. Er studierte Rechtswissenschaft in Wien und war nach seiner Promotion Sekretär von Josef Staud, dem Vorsitzenden der ständestaatlichen Einheitsgewerkschaft, wechselte dann in die ebenfalls gleichgeschaltete Arbeiterkammer. 1939-1945 war Klaus Soldat in der Wehrmacht, allerdings als Akademiker in Kanzleien und nicht als kämpfender Soldat tätig. Erst unmittelbar vor Kriegsende musste Klaus in den Kampf und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg eröffnete Klaus eine Rechtsanwaltskanzlei. 1949 wurde er Salzburger Landeshauptmann (bis 1961). 1961 wurde Klaus Finanzminister und setzte eine harte Sparpolitik bei allen Bundesausgaben um. Nachdem er sich mit seinen finanzpolitischen Vorstellungen nicht durchsetzte konnte, war er nach der Nationalratswahl 1962 nicht mehr bereit, das Finanzministerium weiter zu führen. 1963 wurde er in einer Kampfabstimmung zum ÖVP-Bundesparteiobmann gewählt. 1964 wurde Klaus, der gemeinsam mit Hermann Witthalm den Reformflügel in der Partei repräsentierte und für eine Versachlichung der Politik eintrat (Aktion 20), auch zum Bundeskanzler der Koalitionsregierung. Bei den Nationalratswahlen am 6. März 1966 errang die ÖVP mit Klaus an der Spitze zum zweiten Mal seit 1945 die absolute Mehrheit und bildete die erste Alleinregierung der Zweiten Republik. Als Bundeskanzler forcierte er unter anderem Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen mit der EWG und betrieb eine Entspannungspolitik in der Südtirol-Frage. Bei der Nationalratswahl 1970 unterlag die ÖVP der SPÖ, die sich unter ihrem neuen Vorsitzenden Bruno Kreisky rasch reformiert hatte und nun moderner wirkte. Klaus zog sich in Folge von der Parteispitze und aus der Politik zurück; er starb 2001.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/klaus.htm, 14.7.2006
http://www.aeiou.at,14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006; Herbert Dachs u.a. (Hg.), Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik, Wien 1995.

Zur Nationalratswahl vom 1. März 1970:

Bei der Nationalratswahl vom 1. März 1970 kandidierten sieben Parteien: ÖVP, SPÖ, FPÖ, KPÖ, Demokratische Fortschrittliche Partei (DFP) - Wahlgemeinschaft Franz Olah, Nationaldemokratische Partei, Adolf Glantschnig - Für Menschlichkeit, Recht und Freiheit in Österreich.

Die Mehrheit der Stimmen, nicht jedoch die absolute Mehrheit an Mandaten erreichte die SPÖ. Sie erzielte - unter Berücksichtigung der Wiederholungswahl vom 4. Oktober 1970 ? 2,221.981 bzw. 48,4% der abgegebenen Stimmen und 81 Mandate. Neben der SPÖ schafften ÖVP und FPÖ den Einzug in den Nationalrat. Die ÖVP erreichte 2,051.012 bzw. 44,7% der abgegebenen Stimmen bzw. 78 Mandate, die FPÖ 253.425 bzw. 5,5% der abgegebenen Stimmen bzw. 6 Mandate. Die restlichen kandidierenden Parteien erreichten nicht die für den Einzug in den Nationalrat erforderliche Stimmenanzahl.

Entscheidend für den Wahlerfolg der SPÖ 1970 war der erfolgreiche Reformprozess, den die SPÖ nach der Wahl von Bruno Kreisky zum Parteivorsitzenden 1967 eingeschlagen hatte. Dieser sah die Ausarbeitung von acht "Reformprogrammen für ein modernes Österreich" sowie eine eindeutige Distanzierung vom Kommunismus - umgesetzt in der Eisenstädter Erklärung aus dem Jahr 1969 - vor.

Mitentscheidend war aber auch, dass sich Kreisky im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Josef Klaus (ÖVP) in den Medien entschieden besser positionieren konnte. Dies gilt insbesondere für das Fernsehen, wobei anzumerken ist, dass es sich bei der Wahl 1970 um den ersten TV-Wahlkampf in der Geschichte Österreichs handelte (In den USA hatte dieser bereits zehn Jahre vorher mit der TV-Konfrontation Kennedy-Nixon, stattgefunden). Werbespots im Fernsehen und eine Auseinandersetzung der beiden Spitzenkandidaten, Josef Klaus und Bruno Kreisky, bestimmten nun ebenso den Wahlkampf wie die "herkömmliche" Wahlkampfpropaganda. Karl Pisa, Staatssekretär für Presse und Information und Wahlkampfleiter der ÖVP im Wahlkampf 1970 hatte für die ÖVP folgendes Konzept entwickelt: "Wir haben im Voraus geplant, die Plakate old-fashioned, die Inserate sophisticated und die TV-Spots shocking zu machen" (Hölzl, Propagandaschlachten, 140). Während die Plakate somit von vornherein "traditionell" konzipiert waren, sollte der TV-Wahlwerbung eine große Rolle zukommen - besonders hier missglückte die Wahlwerbung der ÖVP jedoch. So erwiesen sich jene Werbefilme, in denen Kreiskys Schattenkabinett, das er nicht preisgeben wollte, als "Kapuzenmänner" dargestellt wurde, einerseits als Bumerang für die ÖVP, da Kreisky diese Wahlfilme gekonnt für sich nutzen konnte. Andererseits gelang es Kreisky ebenfalls, sich als lockeren Gesprächspartner im TV zu präsentieren, während Klaus angespannt, nervös und dozierend wirkte.

Nach der Wahl bildete die SPÖ unter Bundeskanzler Kreisky eine Minderheitsregierung. Die für die Verabschiedung eines Budgets im Parlament notwendige Stimmenmehrheit erreichte die SPÖ durch die Unterstützung der FPÖ, der im Gegenzug eine Wahlrechtsreform in Aussicht gestellt wurde, die den Proportionalitätseffekt und somit kleinere Parteien stärkte. Nach der Verabschiedung eines neuen Wahlrechts, das auch der SPÖ Vorteile brachte und von ihr daher in den letzten Jahren ebenso gefordert worden war, wie von Seiten der FPÖ, und der Einleitung ihres "Reformprogramms für ein modernes Österreich", fanden im Oktober 1971 neuerlich Nationalratswahlen statt. Diese brachten der SPÖ die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit.

(Literatur: Hölzl, Norbert, Propagandaschlachten, Wien 1974)

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