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Damit die Richtung stimmt
Damit die Richtung stimmt
Wahlplakat der FPÖ für die Nationalratswahl vom 1. März 1970
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Auf dem abgebildeten Plakat inszeniert die FPÖ gleich vier FPÖ-Politiker als politisches Team, was in der zeitgenössischen politischen Werbung ein Novum darstellt. Die vier Kandidaten - Politik ist nach wie vor Männersache, es handelt sich um Alexander Götz, Friedrich Peter, Otto Scrinzi und Gustav Zeilinger - versuchen dabei, Zuversicht und Optimismus auszustrahlen. Gemeinsam nehmen sie mit ihren direkt adressierten Blicken die WählerInnen ins Visier. Um ein symmetrisches Gleichgewicht sicherzustellen, haben sie wahlweise ihre linken oder rechten Hände scheinbar triumphierend nach oben gestreckt und geben damit die Richtung - zu Fortschritt und einer besseren Zukunft - an. Auffällig ist bei der Positionierung der Akteure, dass die Teammitglieder überhaupt keine Bezogenheit zueinander zeigen, sondern jeder Politiker den Kontakt für sich zu den BetrachterInnen sucht und dass sich der Spitzenkandidat der Partei, Friedrich Peter, am linken Rand und nicht in der Plakatmitte befindet.

Zu Friedrich Peter:

Friedrich Peter wurde 1921 in Attnang-Puchheim (Oberösterreich) geboren. Er trat der NSDAP und Waffen-SS bei und war im Zweiten Weltkrieg an der West- und Ostfront eingesetzt, zuletzt als Obersturmführer beim 10. Regiment der 1. SS-Infanteriebrigade, die an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt war. Nach Kriegsende wurde Peter in dem von der amerikanischen Militärbehörde im salzburgischen Glasenbach errichteten Inhaftierungslager zehn Monate lang festgehalten. Nach seiner Entlassung legte er die Lehrbefähigungsprüfung für Volks-, Haupt- und Sonderschulen ab und war anschließend Lehrer an verschiedenen Schulen im Bezirk Kirchdorf an der Krems und in Linz. 1955-71 war er FPÖ-Landesparteiobmann von Oberösterreich und von 1958-78 FPÖ-Bundesparteiobmann. 1955-66 Abgeordneter zum oberösterreichischen Landtag, 1966-86 Abgeordneter zum Nationalrat und 1970-86 Klubobmann. Innenpolitisch schwer unter Beschuss gekommen ist Friedrich Peter 1975, als Simon Wiesenthal seine Involvierung in Nationalsozialismus und SS im Wahlkampf thematisierte. Kreisky, der sich im Falle des Verlusts der absoluten Mehrheit, eine kleine Koalition mit der FPÖ hätte vorstellen können, stellte sich in Folge vor Peter und attackierte Wiesenthal auf das Schärfste - eine jahrelange Auseinandersetzung zwischen Kreisky und Wiesenthal, der den Angriff Wiesenthals auf Peter als persönlichen Angriff auf sich wertete und Peter einen Gesinnungswechsel glaubte, folgte. Friedrich Peter zog sich 1986 aus der Politik zurück, 1992 trat er aus Protest gegen den Kurs der Partei unter Jörg Haider, vor allem gegen dessen Anti-Europa-Politik, aus der Partei aus. Friedrich Peter starb 2005.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/peter.htm, 14.7.2006
http://www.aeiou.at,14.7.2006, Herbert Dachs u.a. (Hg.), Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik, Wien 1995.

Zur Nationalratswahl vom 1. März 1970:

Bei der Nationalratswahl vom 1. März 1970 kandidierten sieben Parteien: ÖVP, SPÖ, FPÖ, KPÖ, Demokratische Fortschrittliche Partei (DFP) - Wahlgemeinschaft Franz Olah, Nationaldemokratische Partei, Adolf Glantschnig - Für Menschlichkeit, Recht und Freiheit in Österreich.

Die Mehrheit der Stimmen, nicht jedoch die absolute Mehrheit an Mandaten erreichte die SPÖ. Sie erzielte - unter Berücksichtigung der Wiederholungswahl vom 4. Oktober 1970 - 2,221.981 bzw. 48,4% der abgegebenen Stimmen und 81 Mandate. Neben der SPÖ schafften ÖVP und FPÖ den Einzug in den Nationalrat. Die ÖVP erreichte 2,051.012 bzw. 44,7% der abgegebenen Stimmen bzw. 78 Mandate, die FPÖ 253.425 bzw. 5,5% der abgegebenen Stimmen bzw. 6 Mandate. Die restlichen kandidierenden Parteien erreichten nicht die für den Einzug in den Nationalrat erforderliche Stimmenanzahl.

Entscheidend für den Wahlerfolg der SPÖ 1970 war der erfolgreiche Reformprozess, den die SPÖ nach der Wahl von Bruno Kreisky zum Parteivorsitzenden 1967 eingeschlagen hatte. Dieser sah die Ausarbeitung von acht "Reformprogrammen für ein modernes Österreich" sowie eine eindeutige Distanzierung vom Kommunismus - umgesetzt in der Eisenstädter Erklärung aus dem Jahr 1969 - vor.

Mitentscheidend war aber auch, dass sich Kreisky im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Josef Klaus (ÖVP) in den Medien entschieden besser positionieren konnte. Dies gilt insbesondere für das Fernsehen, wobei anzumerken ist, dass es sich bei der Wahl 1970 um den ersten TV-Wahlkampf in der Geschichte Österreichs handelte (In den USA hatte dieser bereits zehn Jahre vorher mit der TV-Konfrontation Kennedy-Nixon, stattgefunden). Werbespots im Fernsehen und eine Auseinandersetzung der beiden Spitzenkandidaten, Josef Klaus und Bruno Kreisky, bestimmten nun ebenso den Wahlkampf wie die "herkömmliche" Wahlkampfpropaganda. Karl Pisa, Staatssekretär für Presse und Information und Wahlkampfleiter der ÖVP im Wahlkampf 1970 hatte für die ÖVP folgendes Konzept entwickelt: "Wir haben im Voraus geplant, die Plakate old-fashioned, die Inserate sophisticated und die TV-Spots shocking zu machen" (Hölzl, Propagandaschlachten, 140). Während die Plakate somit von vornherein "traditionell" konzipiert waren, sollte der TV-Wahlwerbung eine große Rolle zukommen - besonders hier missglückte die Wahlwerbung der ÖVP jedoch. So erwiesen sich jene Werbefilme, in denen Kreiskys Schattenkabinett, das er nicht preisgeben wollte, als "Kapuzenmänner" dargestellt wurde, einerseits als Bumerang für die ÖVP, da Kreisky diese Wahlfilme gekonnt für sich nutzen konnte. Andererseits gelang es Kreisky ebenfalls, sich als lockeren Gesprächspartner im TV zu präsentieren, während Klaus angespannt, nervös und dozierend wirkte.

Nach der Wahl bildete die SPÖ unter Bundeskanzler Kreisky eine Minderheitsregierung. Die für die Verabschiedung eines Budgets im Parlament notwendige Stimmenmehrheit erreichte die SPÖ durch die Unterstützung der FPÖ, der im Gegenzug eine Wahlrechtsreform in Aussicht gestellt wurde, die den Proportionalitätseffekt und somit kleinere Parteien stärkte. Nach der Verabschiedung eines neuen Wahlrechts, das auch der SPÖ Vorteile brachte und von ihr daher in den letzten Jahren ebenso gefordert worden war, wie von Seiten der FPÖ, und der Einleitung ihres "Reformprogramms für ein modernes Österreich", fanden im Oktober 1971 neuerlich Nationalratswahlen statt. Diese brachten der SPÖ die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit.

(Literatur: Hölzl, Norbert, Propagandaschlachten, Wien 1974)

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