zur normalen Ansicht

Bildstrategien > Personen 

 

Pittermann für jedermann - Jedermann für Pittermann
Pittermann für jedermann - Jedermann für Pittermann
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 10. Mai 1959
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Nachdem der Personalisierung im Wahlkampf der ÖVP bereits 1956 mit der Plakatierung des Portraits von Bundeskanzler Julius Raab eine größere Bedeutung zugekommen war, setzte die SPÖ nun auch im Wahlkampf 1959 auf eine gezielte Bewerbung ihres Spitzenkandidaten Bruno Pittermann.

Das abgebildete Plakat zeigt ein - in den 1950-er Jahren häufig vorkommendes - fotoretuschiertes, d.h. idealisiertes Portrait Pittermanns. Pittermanns warmer Blick ist nach links gerichtet, der Slogan "Pittermann für jedermann, jedermann für Pittermann", der auch auf den Textplakaten Verwendung fand, soll die "universelle" Kompetenz des Spitzenkandidaten suggerieren. Pittermanns Qualitäten sind - so die Botschaft - eben so vielfältig, dass er die Erwartungen aller WählerInnen abzudecken vermag. Diese werden daher aufgefordert, die "Liste 2" zu wählen, der Name SPÖ oder ein Parteilogo fehlen auf dem Plakat.

Zu Bruno Pittermann:

Bruno Pittermann wurde 1905 in Wien in eine sozialdemokratische Familie geboren. Er absolvierte erst ein Philosophiestudium (Lehramt Geschichte und Geographie, Promotion 1928) und dann ein Jus-Studium an der Universität Wien. Er war als Lehrer, Bibliothekar und Angestellter in der Arbeiterkammer in Klagenfurt tätig. Im Februar 1934 wurde er verhaftet und aus dem Dienst entlassen. Infolge schließt sich Pittermann den Revolutionären Sozialisten an und wird 1938 verhaftet, später ist er in einer Rechtsanwaltskanzlei tätig. 1945-1971 ist Pittermann Abgeordneter zum Nationalrat. 1950-1957 stellvertretender SPÖ-Landesparteiobmann (Wien), 1957-1967 Bundesparteivorsitzender der SPÖ, 1956-1970 SPÖ-Klubobmann und von 1964-1976 Präsident der Sozialistischen Internationale. In der Zeit der Großen Koalition ist er von 1957-1966 Vizekanzler. Pittermann war ein brillianter Redner im Parlament und lieferte sich als Klubobmann hitzige und pointenreiche Rededuelle mit seinem Pendant bei der ÖVP, Withalm.

Quelle: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/pittermann.htm, 14.7.2006, http://www.aeiou.at,14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006; Herbert Dachs u.a. (Hg.), Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik, Wien 1995.

Zur Nationalratswahl vom 10. Mai 1959:

Bei der Nationalratswahl vom 10. Mai 1959 kandidierten insgesamt fünf Parteien: ÖVP, SPÖ, FPÖ, Kommunisten und Linkssozialisten, Bund demokratischer Sozialisten. Die ÖVP erreichte 1,928.043 bzw. 44,2% der abgegebenen Stimmen, die SPÖ 1,953.935 bzw. 44,8% der abgegebenen Stimmen, die FPÖ 336.110 bzw. 7,7% der abgegebenen Stimmen, die Kommunisten und Linkssozialisten 142.578 bzw. 3,3% der abgegebenen Stimmen, der Bund demokratischer Sozialisten 2.190 bzw. 0,1% der abgegebenen Stimmen. Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP, SPÖ und FPÖ, wobei die SPÖ trotz Stimmenmehrheit aufgrund des bestehenden Wahlrechts ein Mandat weniger als die ÖVP erhielt. Die Mandate verteilten sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien: ÖVP 79 Mandate, SPÖ 78 Mandate, FPÖ 8 Mandate.

© Demokratiezentrum Wien

Demokratiezentrum Wien
Hegelgasse 6 / 5, A - 1010 Wien
Tel.: +43 / 1 / 512 37 37, Fax.: +43 / 1 / 512 37 37-20
office@demokratiezentrum.org