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Er denkt an alle - alle vertrauen ihm
Er denkt an alle - alle vertrauen ihm
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 13. Mai 1956
Quelle: Wiener Stadt- und Landesbibliothek

Eine gewisse - auch quantitative - Bedeutung im Rahmen von Nationalratswahlen kam der Personalisierung erstmals im Wahlkampf 1956 mit der Inszenierung des "Staatsvertragskanzlers" Julius Raab durch die ÖVP zu. In der Wahlwerbung der Parteien tauchen nun Politikerportraits, oft vor einem abstrakten oder weißen Hintergrund auf, wobei für eine Zunahme der Personalisierung ab den 1950-er Jahren wohl auch von Bedeutung ist, dass 1951 zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs eine Direktwahl des Bundespräsidenten im Rahmen eines Personenwahlkampfs durchgeführt wurde.

Bundeskanzler Raab wurde von der ÖVP im Wahlkampf 1956 im Sinne einer positiven Imagewerbung inszeniert. Plakatiert wurde das Portrait von Raab, das ikonenhaft, auf jede Räumlichkeit verzichtend, abgebildet wurde. Nicht selten ist hierbei eine Überhöhung von Raab feststellbar, wie etwa auf dem Wahlplakat, auf dem es heißt, dass "er" an alle denkt.

Zu Julius Raab:

Julius Raab wurde 1891 in St. Pölten (Niederösterreich) geboren. Als gelernter Bauingenieur war er von 1927-34 Abgeordneter zum Nationalrat (Christlichsoziale Partei) und niederösterreichischer Heimwehrführer, 1938 Handels- und Verkehrsminister. Die Kriegsjahre verbrachte Raab als Bauleiter in einer Wiener Baufirma. 1945 war er Mitbegründer und Präsident der Bundeswirtschaftskammer und des Österreichischen Wirtschaftsbundes sowie der Österreichischen Volkspartei, deren Parteiobmann er von 1952-1960 war. Von 1945-1964 war Raab Abgeordneter zum Nationalrat, 1953-1961 Bundeskanzler und 1963 (erfolglos) ÖVP-Kandidat für die Bundespräsidentenwahl. Als Präsident der Bundeswirtschaftskammer (1946-1953 und 1961-1964) gehörte Raab gemeinsam mit Johann Böhm zu den Begründern der Sozialpartnerschaft. Seine Kanzlerschaft war durch eine Zeit enger Zusammenarbeit zwischen ÖVP und SPÖ geprägt; gemeinsam mit Wirtschaftsminister Kamitz war Raab, der die europäische Integrationspolitik förderte (EFTA-Beitritt), für ein Wirtschaftskonzept ("Raab-Kamitz-Kurs") verantwortlich, das unter anderem zur Stabilisierung der österreichischen Währung, zur Vollbeschäftigung und zur Entwicklung des Wohlfahrtsstaats beitrug. Das Ansehen Raabs, oft als Virigina rauchender "Baumeister der Zweiten Republik" dargestellt, erreichte mit dem Abschluss des Staatsvertrags 1955 seinen Höhepunkt.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/raab.htm, 14.7.2006
http://www.aeiou.at,14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006; Herbert Dachs u.a. (Hg.), Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik, Wien 1995.

Zur Nationalratswahl vom 13. Mai 1956:

Bei der Nationalratswahl vom 13. Mai 1956 kandidierten insgesamt zehn Parteien: Ergokratische Partei, Freie Arbeiterpartei Österreichs, Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Kommunisten und Linkssozialisten, Österreichische Mittelstandspartei, Österreichische Patriotische Union, Österreichische Volkspartei (ÖVP), Parlamentarische Vertretung der Wahlverhinderten, Partei der Vernunft, Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ).

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (1,999.986 oder 46% der abgegebenen Stimmen bzw. 82 Mandate), SPÖ (1,873.295 oder 43% der abgegebenen Stimmen bzw. 74 Mandate), FPÖ, die aus dem Verband der Unabhängigen (VdU/WdU) hervorgegangen war (283.749 oder 6,5% der abgegebenen Stimmen bzw. 6 Mandate), KuL (192.438 oder 4,4% der abgegebenen Stimmen bzw. 6 Mandate).

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