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Viktor Klima: Der richtige Weg ins  21. Jarhundert.
Viktor Klima: Der richtige Weg ins 21. Jarhundert.
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Der wichtigste Wahlslogan der SPÖ im Nationalratswahlkampf 1999 war "Der richtige Weg für Österreich" bzw. "Der richtige Weg ins 21. Jahrhundert", wobei dieser "richtige Weg" - wie das abgebildet Plakat zeigt - an die Person von Bundeskanzler Viktor Klima geknüpft wurde.

Analog zum bereits genannten Wahlkampfslogan wurde im Zusammenhang mit Viktor Klima auch der Slogan ?Der richtige Kanzler. Der richtige Weg? verwendet. Dass die Wahlen 1999 von Seiten der SPÖ zu Kanzlerwahlen stilisiert wurden, geht auch aus den häufig auf den vermeintlich "zusätzlich" angebrachten Textstickern hervor, die darauf hinweisen, dass es "auf den Bundeskanzler (an) kommt!" bzw. die WählerInnen auffordern, "Klima (zu) wählen!".

Auffallend ist an der Darstellung von Viktor Klima, dass er losgelöst vom Sachthema plakatiert wurde. Inszeniert wurde Klima im Wahlkampf 1999 in einem Flugzeug sitzend abgebildet, wodurch Modernität und Dynamik als Symbol für den "richtigen Weg ins 21. Jahrhundert" ausgedrückt werden sollten, vielmehr aber der Eindruck eines ständig herumreisenden Managers, der Klima vor seinem Eintritt in die Politik bei der OMV auch war, entstand.

Die Plakatierung von Klima im Flugzeug zusammen mit dem Slogan "Verantwortung für Österreich" wurde so leicht unglaubwürdig. Gleichzeitig wurden die im Wahlkampf propagierten sozialen Themen hierdurch in gewissem Sinne entkräftet. Während aus dem massiven Einsatz der Farbe Rot im Jahr 1999 geschlossen werden kann, dass die SPÖ - vor dem Hintergrund einer Reihe von Sparpakten - auf symbolischer Ebene eine Rückkehr zu traditionellen sozialdemokratischen Werten suggerieren wollte, führte sie dies mit der Plakatierung Klimas im Flugzeug ad absurdum.

Zu Viktor Klima:

Viktor Klima wurde 1947 in Wien geboren, absolvierte nebenberuflich ein Studium der Betriebs- und Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität sowie an der Universität Wien (Mag. rer. soc. oec. 1981) und war seit 1969 bei der Österreichischen Mineralölverwaltung AG (OMV) tätig. 1992 bis 1996 war Klima Bundesminister für öffentliche Wirtschaft und Verkehr, 1996 bis 1997 Bundesminister für Finanzen, 1997 bis 2000 Bundeskanzler und Bundesparteivorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Österreichs. 1994, 1996 und 1999-2000 jeweils für kurze Zeit Abgeordneter zum Nationalrat. Seit 2000 ist er Präsident von VW Argentina.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/klima.htm, 14.7.2006, http://www.aeiou.at, 14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006.

Zur Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999:

Bei der Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999 kandidierten insgesamt neun Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, LIF, Die Grünen, KPÖ, DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner), NEIN (Nein zu NATO und EU Neutrales Österreich Bürgerinitiative) und CWG (Christliche Wählergemeinschaft).

Hiervon schafften folgende Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ: 33,2% (1,532.448) der abgegebenen Stimmen oder 65 Mandate, ÖVP: 26,9% (1,243.672) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, FPÖ: 26,9% (1,244.087) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, Die Grünen: 7,4% (342.260) der abgegebenen Stimmen oder 14 Mandate. Das LIF schaffte 1999 mit 3,65% (168.612) der abgegebenen Stimmen den Einzug in den Nationalrat nicht mehr, ebenso gelang es der erstmals kandidierenden DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner) nicht, ins österreichische Parlament einzuziehen.

Den Wahlen folgte die Bildung einer ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der noch im Wahlkampf angekündigt hatte, bei einem Abrutschen auf den dritten Platz in Opposition zu gehen. Nach den Wahlen wurde zunächst Viktor Klima als Vorsitzender der stimmenstärksten Partei, der SPÖ, beauftragt, Sondierungs- bzw. Koalitionsgespräche zu führen. Die Gespräche zwischen SPÖ und ÖVP scheiterten jedoch aus verschiedenen Gründen (Gerüchte über Parallel-Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ, Widerstände der SP-Gewerkschaften, die Forderung der ÖVP nach Übernahme des Finanzressorts, wogegen sich die SPÖ wehrte, etc.), worauf FPÖ und ÖVP beschlossen - ohne Auftrag des Bundespräsidenten - Verhandlungen über eine Regierungsbildung aufzunehmen, die zu einem positiven Ergebnis führten. Innerhalb der Europäischen Union wurde dies deutlich kritisch rezipiert und führte zu den so genannten "Sanktionen" der EU-14. Nicht zuletzt deswegen, da Klima inzwischen ein zweites Mal mit der Bildung einer Regierung gescheitert war, gelobte Bundespräsident Klestil am 4. Februar 2002 die erste ÖVP-FPÖ-Regierung an.

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