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Einer, dessen Handschlag zählt
Einer, dessen Handschlag zählt
Wahlplakat der FPÖ für die Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Nachdem die FPÖ bei den Nationalratswahlen 1994 und 1995 mit "Einfach Ehrlich. Einfach Jörg" geworben hatte, steigerte sie dies 1999 zu "Einfach menschlich". Im Mittelpunkt der Wahlwerbung stand wie in den Jahren zuvor wiederum Jörg Haider, obwohl der offizielle Spitzenkandidat der Partei bei den Wahlen 1999 Thomas Prinzhorn war.

Jörg Haider wurde - wie auf dem abgebildeten Plakat sichtbar wird - vorwiegend in Kombination mit dem Slogan "Einfach menschlich/FPÖ" plakatiert, ein anderer Slogan, der 1999 auch in Verwendung war, war "Jetzt erst recht". Er erinnert an den Bundespräsidentschaftswahlkampf 1986, in dem mit dieser Parole für die Wahl Kurt Waldheims geworben wurde, nachdem seine Involvierung in den Nationalsozialismus bekannt geworden ist.

Haider war auf den Plakaten wie bereits in den Jahren zuvor als "Common man", d.h. als ein Mann des Volkes, auch als "Held" inszeniert. Abgebildet wurde er mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen, wodurch deutlich wird, dass die FPÖ mit Haider sämtliche Bevölkerungsgruppen ansprechen wollte, hier aber verschiedene "Kompetenzen" der FPÖ, bzw. insbesondere Haiders kommuniziert werden sollten.

Auf dem abgebildeten Plakat wurde Haider mit einem Feuerwehrmann, dessen Hand er drückt, und dem Text "Einer, dessen Handschlag zählt. Einfach menschlich. FPÖ" abgebildet. Auf einem anderen Plakat ist Haider mit einer jungen Frau und deren Tochter zu sehen, wobei es auf dem Plakat "Einer, der unsere Kinder schützt" sowie "Einfach menschlich/FPÖ" heißt. Auf einem dritten Plakat wurde er mit einer sorgenvoll blickenden alten Frau und dem Text "Einer, der zuhören kann" abgebildet, ein weiteres Plakat zeigt ihn schließlich mit Jugendlichen und dem Text "Einer, der unsere Sprache spricht".

Mit der Abbildung eines Feuerwehrmannes, der traditionell mit diesem Wert assoziiert wird, wurde somit das Thema Handschlag-Qualität/Verlässlichkeit visualisiert, mit der Abbildung der alten Frau sollte gezeigt werden, dass Haider empathisch ist, mit den Menschen mitfühlen kann und ein offnes Ohr für die Probleme der Menschen hat, während die Abbildung mit den Jugendlichen zeigt, dass Haider als "Politiker der neuen Art" (vergleiche Wahlgang 1986) auch diese verstehen könne.

Mit dem Plakat, "Einer der unsere Kinder schützt", wurde hingegen - wenn auch nicht explizit - an weitere Themen der FPÖ 1999 angeknüpft: an die Themen Kinder und Familie (vgl. hierzu die Bedeutung des "Kinderschecks" im Wahlgang 1999) und die Feindbilder Drogen und Ausländer, gegen die die FPÖ im Wahlkampf 1999 auftrat.

Zu Jörg Haider:

Jörg Haider wurde 1950 in Bad Goisern geboren. Der gelernte Jurist war von 1970-1974 Bundesobmann des Rings Freiheitlicher Jugend, von 1976-1983 FPÖ-Landesparteisekretär in Kärnten, seit 1983 Landesparteiobmann, 1983-1986 Landesrat in Kärnten und von 1989-1991 (Abwahl aufgrund seiner Äußerung über die "ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich") und wiederum seit 1999 Landeshauptmann von Kärnten. 1979-1983, 1986-1989 und 1992-1999 war Haider Abgeordneter zum Nationalrat, 1986-1989 und 1992-1999 auch Klubobmann der FPÖ. 1986-2000 war er Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs. Unter der Leitung Jörg Haiders verzeichnete die FPÖ bis zum Regierungseintritt 2000 einen kontinuierlichen starken Stimmenzuwachs. Die Bildung der ÖVP-FPÖ-Koalition 2000 führte aufgrund des Rechtspopulismus der FPÖ sowohl im Inland als auch im Ausland zu Protesten (Maßnahmen der EU-14). Haider trat, um die Koalition nicht zu gefährden, als Parteivorsitzender zurück. Im April 2005 gründet er zusammen mit anderen FPÖ-Mitgliedern das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), worauf er aus der FPÖ ausgeschlossen wurde. Zuletzt ist Haider durch seine Weigerung, eine Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes umzusetzen, wonach mehr zweisprachige Ortstafeln in Kärnten aufgestellt werden müssen, international aufgefallen.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/haider.htm, 14.7.2006, http://www.aeiou.at, 14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006.

Zur Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999:

Bei der Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999 kandidierten insgesamt neun Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, LIF, Die Grünen, KPÖ, DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner), NEIN (Nein zu NATO und EU Neutrales Österreich Bürgerinitiative) und CWG (Christliche Wählergemeinschaft).

Hiervon schafften folgende Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ: 33,2% (1,532.448) der abgegebenen Stimmen oder 65 Mandate, ÖVP: 26,9% (1,243.672) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, FPÖ: 26,9% (1,244.087) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, Die Grünen: 7,4% (342.260) der abgegebenen Stimmen oder 14 Mandate. Das LIF schaffte 1999 mit 3,65% (168.612) der abgegebenen Stimmen den Einzug in den Nationalrat nicht mehr, ebenso gelang es der erstmals kandidierenden DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner) nicht, ins österreichische Parlament einzuziehen.

Den Wahlen folgte die Bildung einer ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der noch im Wahlkampf angekündigt hatte, bei einem Abrutschen auf den dritten Platz in Opposition zu gehen. Nach den Wahlen wurde zunächst Viktor Klima als Vorsitzender der stimmenstärksten Partei, der SPÖ, beauftragt, Sondierungs- bzw. Koalitionsgespräche zu führen. Die Gespräche zwischen SPÖ und ÖVP scheiterten jedoch aus verschiedenen Gründen (Gerüchte über Parallel-Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ, Widerstände der SP-Gewerkschaften, die Forderung der ÖVP nach Übernahme des Finanzressorts, wogegen sich die SPÖ wehrte, etc.), worauf FPÖ und ÖVP beschlossen - ohne Auftrag des Bundespräsidenten - Verhandlungen über eine Regierungsbildung aufzunehmen, die zu einem positiven Ergebnis führten. Innerhalb der Europäischen Union wurde dies deutlich kritisch rezipiert und führte zu den so genannten "Sanktionen" der EU-14. Nicht zuletzt deswegen, da Klima inzwischen ein zweites Mal mit der Bildung einer Regierung gescheitert war, gelobte Bundespräsident Klestil am 4. Februar 2000 die erste ÖVP-FPÖ-Regierung an.

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