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Jetzt geht`s um den Kanzler.
Jetzt geht`s um den Kanzler.
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

In den Mittelpunkt ihrer Plakatwahlwerbung stellte die SPÖ 1994 das Thema Zukunft, was sich auch in dem von ihr am häufigsten verwendeten Slogan "Es geht um viel. Es geht um Österreich", der leicht abgewandelt auch in "Es geht um viel. Es geht um die Zukunft" plakatiert wurde niederschlug. Aber auch Statements wie "Sichern wir den Aufschwung" oder wie "Jetzt geht` s um den Kanzler" sollten deutlich machen, dass es bei der Wahl um die Zukunft gehe.

Besonders mit Slogans wie "Jetzt geht` s um den Kanzler" oder eigenen Stickern, die auf den Wahlplakaten angebracht wurden - beispielsweise mit dem Text "Sichern wir den Aufschwung. Mit Bundeskanzler Vranitzky. SPÖ" - machte die SPÖ die Wahl aber auch zur Kanzlerwahl. Wesentlich ist, dass Vranitzky - das belegen die zumeist recht einfach gestalteten Plakate, auf denen nur Vranitzky, ein Wahlspruch und das Logo der SPÖ abgebildet ist - für alle wesentlichen Themen der SPÖ stand: für die Zukunft, für Aufschwung und für Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt.

Wesentlich dabei ist, dass der souverän und staatsmännisch abgebildete Vranitzky mit dem Slogan "Ich bin auch für die Menschen da, die nicht meiner Meinung sind" als Integrationsfigur betont wurde, hierdurch aber auch neue, der SPÖ und Vranitzky nicht nahe stehende Wählerschichten, insbesondere WechselwählerInnen, erschlossen werden sollten.

Zu Franz Vranitzky:

Franz Vranitzky wurde 1937 in Wien in eine Arbeiterfamilie geboren. Er studierte an der Hochschule für Welthandel und promovierte 1969 zum Doktor der Handelswissenschaften. 1961 war er für die Siemens-Schuckert-Werke tätig, wechselte aber noch im selben Jahr in die Nationalbank. 1970 wurde Vranitzky, seit Studententagen Mitglied der SPÖ, zum wirtschafts- und finanzpolitischen Berater der Regierung Kreisky berufen. 1976-1981 war er stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Creditanstalt-Bankverein AG, 1981-1984 Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Länderbank AG, 1984-1986 Bundesminister für Finanzen, 1986/87, 1990, 1994 und 1996 jeweils für kurze Zeit Abgeordneter zum Nationalrat, 1986-1997 Bundeskanzler. Vranitzky löste 1986 Fred Sinowatz als Bundeskanzler ab und beendete wegen des Rechtsrucks der FPÖ unter ihrem neuen Bundesparteiobmann Jörg Haider die SPÖ-FPÖ-Koalition. Von 1987-1997 stand er einer SPÖ-ÖVP-Koalition als Bundeskanzler vor. 1988-97 war er Bundesparteivorsitzender der SPÖ. In den ersten Jahren seiner Kanzlerschaft nahm er, da Bundespräsident Kurt Waldheim international wegen der Diskussion um seine Kriegsvergangenheit diskreditiert war, stark die außenpolitische Vertretung Österreichs wahr und schaffte eine Normalisierung des Verhältnisses zu Israel und den USA. Unter der Kanzlerschaft Vranitzkys erfolgte der EU-Beitritt Österreichs. Vranitzky war der erste Kanzler, der 1991 im Nationalrat von einer Mitverantwortung der ÖsterreicherInnen an den Verbrechen des Nationalsozialismus sprach; 1993 hielt er anlässlich einer Israel-Reise eine Rede an der Hebräischen Universität Jerusalem und bat erstmals die Opfer der österreichischen Täter im Namen der Republik um Verzeihung. 1997, nach seinem Ausscheiden aus der Politik, war Vranitzky OSZE-Sonderbeauftragter für Albanien, danach Konsulent der Westdeutschen Landesbank.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/vranitzky.htm, 14.7.2006, http://www.aeiou.at, 14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006

Zur Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994:

Ber der Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, Die Grüne Alternative, LIF, KPÖ, VGÖ/Vereinte Grüne Österreichs, BGÖ/Bürgerliche Grüne Österreichs - Freie Demokraten und ÖNP - Österreichische Naturgesetz-Partei), Nein - Bürgerinitiative gegen den Verkauf Österreichs, Christliche - Wähler - Gemeinschaft, Fritz Georg, Die Beste Partei.

Den Einzug in den Nationalrat schafften folgende Parteien: SPÖ 34,9% (1,617.804) der abgegebenen Stimmen und 65 Mandate, ÖVP 27,7% (1,281.846) der abgegebenen Stimmen und 52 Mandate, FPÖ 22,5% (1,042.332) der abgegebenen Stimmen und 42 Mandate, Die Grünen - Die Grüne Alternative 7,3% (338.538) und 13 Mandate, Liberales Forum Heide Schmidt - 6% (276.580) der abgegebenen Stimmen und 11 Mandate.

Die nach den Wahlen durchgeführten Regierungsverhandlungen führten neuerlich zur Bildung einer Großen Koalition aus SPÖ und ÖVP. Sie dauerte jedoch nur ein Jahr, weshalb 1995 erneut Nationalratswahlen durchgeführt wurden.

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