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Setzen wir ein Zeichen!
Setzen wir ein Zeichen!
Wahlplakat des LIF für die Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Der zentrale Wahlslogan des Liberalen Forums 1994 war "Setzen wir ein Zeichen!". Ein Zeichen setzen wollte das Liberale Forum im Wahlkampf 1994 in erster Linie für mehr Liberalität. Worum es der Partei im Detail ging, erläuterte eine eigene Plakatserie, die sich gegen Intoleranz, Demagogie oder Bevormundung wandte.

Auffallend bei den Plakaten des LIF 1994 ist die neue, moderne Ästhetik, die das LIF in den Plakatwahlkampf einbrachte und bereits ein Jahr nach seiner Gründung - etwa im Gegenzug zu den Grünen, die mehrere Jahre zur Etablierung eines Parteilogos brauchten - ein fertiges Parteilogo vorweisen konnte. Dieses knüpft mit seinem hellen Blau-Ton einerseits an die Tradition der europäischen liberalen Parteien an, die traditionell die Farbe Blau als Parteifarbe verwendeten, andererseits distanziert es sie sich mit dem hellen Farbton aber auch von FPÖ, die die Farbe Blau bereits im Selbstbild verwendete.

Während das Parteilogo selbst sehr schlicht in Form eines gerasterten L gehalten ist, setzen die Plakate stark auf die Wirkung von Symbolen. Das Plakat "gegen Bevormundung" zeigte etwa einen zugepflasterten Mund, jenes "gegen Demagogie" einen offenen, schreienden Mund vor einem Mikrophon, das "gegen Intoleranz" einen Mund hinter Stacheldraht. Besonders aufgrund der Darstellungsform der Gesichter - es wird jeweils nur ein Ausschnitt gezeigt, wodurch die abgebildete Person anonym bleibt ? wurde deutlich, dass hier prinzipielle Forderungen des LIF affichiert wurden. Die sozialen AkteurInnen auf diesen Plakaten - es herrscht Geschlechterparität, vertreten sind sowohl Männer als auch Frauen - bleiben somit unbekannt, ihre Person tut nichts zur Sache.

Anders verhält es sich hingegen bei der LIF-Spitzenkandidatin Heide Schmidt. Sie hat nicht nur bei der unmittelbar vorhergehenden Gründung der Partei eine zentrale Rolle eingenommen - bekanntlich ist das LIF Anfang 1993 in Reaktion auf das "Ausländer raus"-Volksbegehren durch die Abspaltung von Heide Schmidt und vier weiteren FunktionärInnen von der FPÖ entstanden -, sondern prägte auch maßgeblich das Programm der Partei. Dass sich die Partei über sie definierte, wird auch in der Parteibezeichnung - es heißt "Liberales Forum - Heide Schmidt" - deutlich. Gleichzeitig verfolgte die starke Propagierung von Schmidt aber auch pragmatische Ziele, da Schmidt als einzige der neuen Partei über eine größere Bekanntschaft und - bedingt durch die Entstehungsgeschichte - auch über ein positives Image verfügte.

Zu Heide Schmidt:

Heide Schmidt wurde 1948 in Kempten im Allgäu geboren. Sie studierte unter anderem Rechtswissenschaft in Wien und war von 1972 bis 1977 im Bundesministerium für Unterricht und Kunst (Legistik) beschäftigt. Von 1977 bis 1988 war sie die persönliche Assistentin und Leiterin des Geschäftsbereiches von Volksanwalt Zeillinger bzw. Dipl.-Vw. Josseck. 1987 bis 1990 war sie Abgeordnete zum Bundesrat, 1988 bis 1990 Generalsekretärin der FPÖ. 1990 bis 1993 war sie Bundesparteiobmann-Stellvertreterin und Nationalratsabgeordnete der FPÖ, 1992 Bundespräsidentschaftskandidatin, von 1990 bis 1994 Dritte Präsidentin des Nationalrats. Anfang 1993 trat sie in Reaktion auf das "Ausländer raus"-Volksbegehren der FPÖ aus dieser aus und gründete mit vier weiteren ehemaligen FunktionärInnen der FPÖ das Liberale Forum, dessen Bundessprecherin sie bis 2000 war (LIF-Nationalratsabgeordnete von 1993 bis 1999).

Quelle: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/schmidt.htm, 14.7.2006, http://www.aeiou.at, 14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006

Zur Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994:

Ber der Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, Die Grüne Alternative, LIF, KPÖ, VGÖ/Vereinte Grüne Österreichs, BGÖ/Bürgerliche Grüne Österreichs - Freie Demokraten und ÖNP - Österreichische Naturgesetz-Partei), Nein - Bürgerinitiative gegen den Verkauf Österreichs, Christliche - Wähler - Gemeinschaft, Fritz Georg, Die Beste Partei.

Den Einzug in den Nationalrat schafften folgende Parteien: SPÖ 34,9% (1,617.804) der abgegebenen Stimmen und 65 Mandate, ÖVP 27,7% (1,281.846) der abgegebenen Stimmen und 52 Mandate, FPÖ 22,5% (1,042.332) der abgegebenen Stimmen und 42 Mandate, Die Grünen ? Die Grüne Alternative 7,3% (338.538) und 13 Mandate, Liberales Forum Heide Schmidt ? 6% (276.580) der abgegebenen Stimmen und 11 Mandate.

Die nach den Wahlen durchgeführten Regierungsverhandlungen führten neuerlich zur Bildung einer Großen Koalition aus SPÖ und ÖVP. Sie dauerte jedoch nur ein Jahr, weshalb 1995 erneut Nationalratswahlen durchgeführt wurden.

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