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Der Kater lässt das Mausen nicht - Die ÖVP das Lügen nicht!
Der Kater lässt das Mausen nicht - Die ÖVP das Lügen nicht!
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 9. Oktober 1949
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

ÖVP-Bundeskanzler Leopold Figl wurde im Wahlkampf 1949 nicht nur von der eigenen Partei, sondern auch der auch von der SPÖ plakatiert. Diese bildete den Spitzenkandidaten der Volkspartei in einem von Viktor Slama entworfenen Plakat als schwarzen Kater mit struppigem Fell und roter Nase - als mögliche Anspielung auf Figls Alkoholkonsum - ab und schuf den schwarzen Kater in Reaktion auf die "rote Katze".

Die "rote Katze", die in der antisozialistischen Propaganda schon seit dem Beginn der Arbeiterbewegung als Feindbildsymbol verwendet wurde, spielte in der Wahlwerbung der ÖVP ab 1949 eine große Rolle und wurde zumeist als eine aus einem Sack - auf ihm die Drei Pfeile, Hammer und Sichel und die Aufschrift "Volksdemokratie" - springende Katze dargestellt, die Sozialisten und Kommunisten gleichsetzte und davor warnte, dass beide das Gleiche, nämlich den Kommunismus und die Volksdemokratie, wollen.

Diesem Vorwurf zu begegnen, war Gegenstand des vorliegenden Plakats. Umgesetzt wurde dies einerseits durch den schwarzen Kater sowie die beigefügte Textbotschaft, wonach die ÖVP bereits 1945 vor einer Vereinigung von SPÖ und KPÖ gewarnt habe, die jedoch nicht eingetreten ist und diese Botschaft auch 1949 jeder Grundlage entbehre und daher ein bloße Lüge sei.

Bezug genommen wurde hier im weiteren Sinne auch darauf, dass es im Juni 1947 zu Geheimbesprechungen zwischen dem ÖVP-Bundeskanzler Leopold Figl und dem führenden Kommunisten Ernst Fischer über eine stärkere Beteiligung der Kommunisten an der österreichischen Politik gekommen war. Teile der ÖVP hatten sich hiervon eine großzügigere Unterstützung für Österreichs Wirtschaft und den Abschluss des Staatsvertrages durch die Sowjets erhofft, der Bundesparteivorstand sprach sich aber dagegen aus. Als die Gespräche an die Öffentlichkeit gelangten, erfand die bis dato uninformierte SPÖ hierfür den Namen "Figl-Fischerei". Von der SPÖ wurde sie im Wahlkampf 1949 auch durch das angeführte Plakat propagandistisch geschickt vermarktet.

Zu Leopold Figl:

Leopold Figl wurde 1902 in Rust im Tullnerfeld (Niederösterreich) geboren. Er studierte an der Wiener Universität für Bodenkultur, hatte zentrale Funktionen im (Niederösterreichischen) Bauernbund, der Christlichsozialen Partei sowie dem "Ständestaat" und der ÖVP inne. Figl wurde 1927 Sekretär des Niederösterreichischen Bauernbundes, 1931 dessen Stellvertretender Direktor und 1933 dessen Direktor. Von 1934 bis 1938 war er Mitglied des Bundeswirtschaftsrates, 1937 wurde er Reichbauernführer. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich wurde Figl mit dem ersten "Prominententransport" ins KZ Dachau gebracht und in Folge bis 1943 in mehreren Konzentrationslagern interniert. 1943 wurde er aus der Haft entlassen. Bei der Verhaftungswelle nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 wurde Figl erneut festgenommen und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Der Einmarsch der Roten Armee verhinderte seine Hinrichtung. 1945 war er in den ersten Tagen nach Kriegsende Landeshauptmann von Niederösterreich und gehörte zu den Mitbegründern der ÖVP. Nachdem er schon der Provisorischen Regierung als Staatssekretär angehört hatte, wurde er nach den ersten Nationalratswahlen im November 1945 als Obmann der stärksten Partei Bundeskanzler. Figl war bis 1952 Bundsparteiobmann der ÖVP und bis 1953 Bundeskanzler. In beiden Funktionen wurde er von Julius Raab abgelöst, 1953 wurde er Außenminister in Kabinett Raab und unterzeichnete als solcher am 15. Mai 1955 den Staatsvertrag. Nach seinem Ausscheiden aus dieser Funktion 1959 wurde Figl zum Nationalratspräsidenten gewählt. Von 1962 bis zu seinem Tod 1965 war Figl Landeshauptmann von Niederösterreich. Figl gilt als populärer, volkstümlicher Politiker; er machte sich nach 1945 um die staatliche Einheit, den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die Unabhängigkeit Österreichs verdient und war ein Befürworter der politischen Zusammenarbeit aller Lager.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/figl.htm, 14.7.2006
http://www.aeiou.at,14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006; Herbert Dachs u.a. (Hg.), Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik, Wien 1995.

Zur Nationalratswahl vom 9. Oktober 1949:

Bei der Nationalratswahl vom 9. Oktober 1949, bei der der Großteil der (1945 von der Wahl ausgeschlossenen) ehemaligen NationalsozialistInnen wieder wählen konnte - es handelt sich um rund 500.000 Personen, die aufgrund des Nationalsozialistengesetzes 1947 als "minderbelastet" eingestuft worden waren - kandidierten insgesamt zehn Parteien: ÖVP, SPÖ, Linksblock (Kommunistische Partei Österreichs und Linkssozialisten), WdU (VdU), Demokratische Union, Vierte Partei (Ergokraten), Demokraticna fronta delovnegna ljudstva, Demokratische Partei Österreichs, Wirtschaftspartei der Haus- und Grundbesitzer.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP, SPÖ, KPÖ und der Verband der Unabhängigen (VdU), der bei den Nationalratswahlen als "Wahlpartei der Unabhängigen" (WdU) kandidiert hatte. Entstanden war der VdU als "Sammelbecken der Ehemaligen" (gemeint sind ehemalige NationalsozialistInnen). Erfolgt war seine Etablierung mit maßgeblicher Unterstützung der SPÖ, vor allem von Innenminister Oskar Helmer, die sich durch die Kandidierung des VdU eine Schwächung der ÖVP erhoffte.

Die einzelnen Parteien erreichten folgende Ergebnisse: ÖVP 44% bzw. 1,846.581 Stimmen, SPÖ 38,7% bzw. 1,623.524 Stimmen, Linksblock 5,1% bzw. 213.066 Stimmen, WdU 11,7% bzw. 489.273 Stimmen, Demokratische Union 0,28% bzw. 12.059 Stimmen, Vierte Partei 0,17% bzw. 7.134 Stimmen, Demokraticna fronta delovnegna ljudstva 0,004% bzw. 2.088 Stimmen. Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (77 Mandate), SPÖ (67 Mandate), Linksblock (5 Mandate) und der WdU (16 Mandate).

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