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Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt
Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt
Wahlplakat der Grünen Alternativen Liste - Liste Freda Meissner-Blau für die Nationalratswahl vom 23. November 1986
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Im Zusammenhang mit dem Erstarken der Grünbewegung in Österreich in den späten 1970-er Jahren rund um die Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf 1978 und der Besetzung der Hainburger Au 1984 kandidierten bei den Nationalratswahlen 1983 und 1986 erstmals Grünparteien. Den Einzug in den Nationalrat schaffte als erste Partei 1986 die Grüne Alternative - Liste Freda Meissner Blau, die unmittelbar vor der Wahl als Zusammenschluss verschiedener Grün-Gruppierungen für eine vereinte Kandidatur und Zusammenarbeit entstanden war. Seit einer Statutenänderung 1993 lautet der Name der um Freda Meissner-Blau hervorgegangen Partei "Die Grünen - Die Grüne Alternative (Grüne)".

Bei den Nationalratswahlen 1986 standen entsprechend ihrer Entstehungsgeschichte umweltpolitische Themen im Fordergrund des Wahlkampfs. Eines der Wahlplakate, das das Thema Umweltschutz in den Mittelpunkt der Wahlwerbung stellte, wurde als Kinderzeichnung ausgeführt. Es zeigt eine lachende Sonne, blühende Bäume, Blumen und einen fliegenden Vogel, wobei die Sonne als Sinnbild absoluter, kindlicher Harmonie gesehen werden kann. Unter der Kinderzeichnung werden die WählerInnen daran erinnert, dass wir "die Erde von unseren Kindern nur geborgt" haben, womit an das Verantwortungsbewusstsein der WählerInnen appelliert und diese aufgefordert wurden, die Natur und Umwelt für die kommenden Generationen zu schützen.

Farblich sind die Plakate der Partei vielfach von der Farbe Grün dominiert, ein Parteilogo besteht noch nicht ? dieses sollte erst 1994 auf den Plakaten der Partei zu finden sein und steht damit auch für den Entwicklungsprozess der Partei -, die Plakate sind vielmehr mit "Die Grüne Alternative - Liste Meissner-Blau" - gezeichnet, womit auch mit Verweis auf die populäre Kandidatin versucht wurde, WählerInnen zu gewinnen. Die Personalisierung im Wahlkampf ist somit auch im Wahlkampf der Partei deutlich beobachtbar.

Zu Freda Meissner-Blau:

Freda Meissner-Blau wurde 1927 in Dresden geboren. Sie verbrachte die ersten Jahre in Reichenberg (Nordböhmen), dem Heimatort ihrer Mutter. Den "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich erlebte die Familie in Wien, 1939 folgte die Emigration nach England, da sich der Vater journalistisch gegen das NS-Regime betätigt hatte. Dort erfolgte - um einer Sippenhaftung zu entgehen - die Scheidung der Eltern, Freda Meissner-Blau kehrte mit ihrer Mutter nach Reichenberg zurück. Als im Februar 1945 die russischen Truppenverbände näher rückten, entschloss sie sich allein zur Flucht nach Westen. 1947 kehrte sie nach Wien zurück, wo sie Journalistik und Publizistik studierte und nebenher für die amerikanische Besatzungsmacht arbeitet, ging dann aber nach Deutschland und inskribierte in Frankfurt Medizin. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann, den aus weißrussischem Adel stammenden Georges de Pawloff kennen, mit dem sie mehrere Jahre in Afrika (Kongo) und Paris lebte, wo sie bei der UNESCO arbeitete. Nach Wien zurückgekehrt, wurde sie 1962 zur Generalsekretärin des neu gegründeten Instituts für Höhere Studien. Die Studentenrevolte 1968 erlebte sie in Paris. 1970 trennte sie sich von ihrem ersten Mann und heiratete den sozialdemokratischen Journalist Paul Blau (von 1967-70 Chefredakteur der "Arbeiter Zeitung", von 1970-72 Presse- und Kulturattaché in Paris), mit dem sie 1972 nach Wien zurückkehrte, wo sie u.a. Bildungsreferentin der ÖMV war. In den 1970-er und 1980-er Jahren wurde Freda Meissner-Blau zu einer Vorreiterin der Grünbewegung. Sie war aktiv an der Verhinderung der Inbetriebnahme des AKWs Zwentendorf und des Donaukraftwerks Hainburg beteiligt. Im Frühjahr 1986 kandidierte sie als Vertreterin der Grünbewegung für das Amt des Bundespräsidenten, bei den Nationalratswahlen im selben Jahr stand sie an der Spitze der Grünen Alternativen - Liste Freda Meissner-Blau, für die sie auch ins Parlament einzog. 1988 legte sie ihr Mandat zurück, nachdem sich die Fraktion konsolidiert hatte, journalistisch und in zahlreichen Vorträgen blieb sie aber eine aktive Kämpferin für die Umweltpolitik, den Weltfrieden und gegen AusländerInnenfeindlichkeit und Intoleranz. Es ist ihr bleibendes politisches Verdienst, den Einzug der Grünen ins österreichische Parlament herbeigeführt und deren Fortbestand gesichert zu haben.

Quelle: http://www.aeiou.at, http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/fredameissner.htm (8.9.2006)

Zur Nationalratswahl vom 23. November 1986:

Bei den Nationalratswahlen vom 23. November 1986 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ, Die Grüne Alternative - Liste Freda Meissner-Blau, Die Grünalternativen - demokratische Liste, Kärntner Grüne - VGÖ - VÖGA - Unabhängige Gemeinderäte, Aktionsliste "Mir reicht`s!".

Den Einzug in den Nationalrat schafften vier Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ und GAL. Die SPÖ erreichte 2,092.024 bzw. 43,1% der abgegebenen Stimmen (80 Mandate), die ÖVP 2,003.663 bzw. 41,3% der abgegebenen Stimmen (77 Mandate), FPÖ 472.205 bzw. 9,7% der abgegebenen Stimmen (18 Mandate), die GAL 234.028 bzw. 4,8 % der abgegebenen Stimmen (8 Mandate). Die SPÖ verlor somit im Vergleich zur vorhergehenden Nationalratswahl erneut an Stimmen.

Maßgeblich für die Abhaltung der Wahl war die Aufkündigung der Kleinen Koalition durch Bundeskanzler Vranitzky, nachdem Jörg Haider auf dem Innsbrucker Parteitag im September zum neuen FPÖ-Obmann gewählt worden war. Bundeskanzler Fred Sinowatz war bereits im Juni 1986 nach der Wahl von Kurt Waldheim zum Bundespräsidenten zurückgetreten. Die Koalitionsverhandlungen nach der Wahl vom 23. November 1986 führten im Jänner 1987 zur Bildung einer neuerlichen Großen Koalition unter Bundeskanzler Franz Vranitzky und Vizekanzler Alois Mock.

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