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Jörg Haider - Ein Politiker der anderen Art
Jörg Haider - Ein Politiker der anderen Art
Wahlplakat der FPÖ für die Nationalratswahl vom 23. November 1986
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Auf dem Innsbrucker Parteitag der FPÖ im September 1986 löste Jörg Haider Norbert Steger in einer Kampfabstimmung als neuen Parteivorsitzenden ab, worauf Bundeskanzler Vranitzky die Kleine Koalition mit der FPÖ aufkündigte. Im unmittelbar darauf folgenden Wahlkampf wurde Haider als "Politiker der neuen Art" plakatiert.

Auffallend ist, dass er im Gegensatz zu den anderen FPÖ-Politikern anders portraitiert wurde - und zwar jugendlich und leger. Während Holger Bauer oder Norbert Steger "konventionell" in Anzug und Krawatte abgebildet wurden, wird Haider mit hochgestelltem Kragen dargestellt. Seine Zähne sind noch unkorrigiert, wodurch Haider natürlich wirkt, das angeschnittene Portrait - sowohl Kinn als auch Stirn sind abgeschnitten - vermitteln Haider, der den BetrachterInnen als "Common man" entgegentritt, Dynamik und Bewegung.

Zu Jörg Haider:

Jörg Haider wurde 1950 in Bad Goisern geboren. Der gelernte Jurist war von 1970-1974 Bundesobmann des Rings Freiheitlicher Jugend, von 1976-1983 FPÖ-Landesparteisekretär in Kärnten, seit 1983 Landesparteiobmann, 1983-1986 Landesrat in Kärnten und von 1989-1991 (Abwahl aufgrund seiner Äußerung über die "ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich") und wiederum seit 1999 Landeshauptmann von Kärnten. 1979-1983, 1986-1989 und 1992-1999 war Haider Abgeordneter zum Nationalrat, 1986-1989 und 1992-1999 auch Klubobmann der FPÖ. 1986-2000 war er Bundesparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs. Unter der Leitung Jörg Haiders verzeichnete die FPÖ bis zum Regierungseintritt 2000 einen kontinuierlichen starken Stimmenzuwachs. Die Bildung der ÖVP-FPÖ-Koalition 2000 führte aufgrund des Rechtspopulismus der FPÖ sowohl im Inland als auch im Ausland zu Protesten (Maßnahmen der EU-14). Haider trat, um die Koalition nicht zu gefährden, als Parteivorsitzender zurück. Im April 2005 gründet er zusammen mit anderen FPÖ-Mitgliedern das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), worauf er aus der FPÖ ausgeschlossen wurde. Zuletzt ist Haider durch seine Weigerung, eine Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes umzusetzen, wonach mehr zweisprachige Ortstafeln in Kärnten aufgestellt werden müssen, international aufgefallen.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/haider.htm, 14.7.2006, http://www.aeiou.at, 14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006

Zur Nationalratswahl vom 23. November 1986:

Bei den Nationalratswahlen vom 23. November 1986 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ, Die Grüne Alternative - Liste Freda Meissner-Blau, Die Grünalternativen - demokratische Liste, Kärntner Grüne - VGÖ - VÖGA - Unabhängige Gemeinderäte, Aktionsliste "Mir reicht`s!". Den Einzug in den Nationalrat schafften vier Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ und GAL.

Die SPÖ erreichte 2,092.024 bzw. 43,1% der abgegebenen Stimmen (80 Mandate), die ÖVP 2,003.663 bzw. 41,3% der abgegebenen Stimmen (77 Mandate), FPÖ 472.205 bzw. 9,7% der abgegebenen Stimmen (18 Mandate), die GAL 234.028 bzw. 4,8 % der abgegebenen Stimmen (8 Mandate).

Die SPÖ verlor somit im Vergleich zur vorhergehenden Nationalratswahl erneut an Stimmen. Maßgeblich für die Abhaltung der Wahl war die Aufkündigung der Kleinen Koalition durch Bundeskanzler Vranitzky, nachdem Jörg Haider auf dem Innsbrucker Parteitag im September zum neuen FPÖ-Obmann gewählt worden war. Bundeskanzler Fred Sinowatz war bereits im Juni 1986 nach der Wahl von Kurt Waldheim zum Bundespräsidenten zurückgetreten. Die Koalitionsverhandlungen nach der Wahl vom 23. November 1986 führten im Jänner 1987 zur Bildung einer neuerlichen Großen Koalition unter Bundeskanzler Franz Vranitzky und Vizekanzler Alois Mock.

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