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Lasst Kreisky und sein Team arbeiten!
Lasst Kreisky und sein Team arbeiten!
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 10. Oktober 1971
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Bruno Kreiskv wurde im März 1967 – v.a. auch aufgrund der Unterstützung aus den Ländern – zum neuen Parteivorsitzenden der SPÖ gewählt. Nach seiner Kür zum Parteiobmann gab Kreisky den Startschuss zu einer inhaltlichen Reformdebatte in der SPÖ, die in den acht "Reformprogrammen für ein modernes Österreich", ausgearbeitet von den legendären 1400 Experten der SPÖ, mündeten. Gleichzeitig machte sich Kreisky an eine Verbesserung des seit Mitte der 1960-er Jahre schwer angeschlagenen Verhältnisses der SPÖ zu den Medien (Grund hierfür waren Beschlagnahmungen der Kronen-Zeitung im Zusammenhang mit den innerparteilichen Auseinandersetzungen um den früheren Innenminister Franz Olah, der die Kronen-Zeitung (auch aufgrund seiner Rolle bei der Wiederbegründung der Zeitung nach 1945) im Kampf gegen seine innerparteilichen Widersacher auf seiner Seite hatte). Wesentlich ist hierbei, dass Kreisky v.a. mit dem neuen Medium Fernsehen entscheiden besser umgehen konnte als sein Kontrahent von der ÖVP, Josef Klaus. 1970 – zehn Jahre nach dem ersten TV-Wahlkampf in der Mediengeschichte zwischen Kennedy und Nixon in den USA – hatte das Fernsehen auch in Österreich eine entscheidende Bedeutung erlangt. Kreisky, dominierte diesen eindeutig und trug somit entscheidend zum Wahlerfolg der Partei mit. Auf den Plakaten, die die Partei 1970 affichierte, trat Kreisky im Gegensatz zum Fernsehen jedoch nicht in Erscheinung, der Slogan des "modernen Österreich" bestimmte den Wahlkampf. 1971 hat sich dies gewandelt, der Name Kreisky taucht nun zumindest in Textform auf und wird zum Bestandteil des zentralen Wahlslogans "Lasst Kreisky und sein Team" arbeiten, womit nicht nur Bundeskanzler Kreisky, sondern auch sein Regierungsteam im den Mittelpunkt gerückt wird.

Zu Bruno Kreisky:

Bruno Kreisky wurde 1911 in eine großbürgerliche jüdische Wiener Familie geboren. Er schloss sich erst dem Verband der Sozialistischen Mittelschüler, dann der Arbeiterjugend an und begann 1930 ein Jusstudium, das er – nach einem politisch bedingten Ausschluss – 1938, wenige Tage nach dem „Anschluss“, noch abschließen konnte. 1933 wurde er zum ersten Mal aufgrund seiner politischen Tätigkeit verhaftet, 1934 gründete er zusammen mit Roman Felleis die illegale Revolutionäre Sozialistische Jugend. Nach der Teilnahme an der ersten Reichskonferenz der Revolutionären Sozialisten in Brünn wurde er im Jänner 1935 verhaftet und im großen Sozialistenprozess im Jänner 1936 wegen Hochverrat zu einem Jahr Kerker verurteilt. Im März 1938 wurde er in "Schutzhaft" genommen, im September konnte er nach Schweden emigrieren, wo er als Sekretär in der Stockholmer Konsumgenossenschaft und als Korrespondent verschiedener Zeitungen arbeitete. Nach Kriegsende stellte er Verbindungen zwischen dem schwedischen Hilfswerk und Österreich her, 1946 kehrte er erstmals und 1951 endgültig nach Österreich zurück. Kreisky war Kabinettsvizedirektor bei Bundespräsident Theodor Körner und ab 1953 Staatssekretär im Außenamt. In dieser Funktion nahm er auch an den Staatsvertragsverhandlungen teil. 1956 zog Kreisky in den Nationalrat ein, 1959 wurde er Außenminister und 1967 Parteivorsitzender der SPÖ, die er in ihrer Oppositionszeit (1966-1970) einem Reformprozess unterzog. Von 1970 bis 1983 war Kreisky Bundesskanzler einer SPÖ-Alleinregierung (dabei von 1970-1971 Kanzler einer Minderheitsregierung durch die Unterstützung des Budgetvorschlages durch die FPÖ). Seine Kanzlerschaft war geprägt durch eine Modernisierung Österreichs (Ausbau des Sozialstaats, Rechtsreformen, Demokratisierung der Universitäten) und eine aktive Außenpolitik (v.a. Nahost-Politik), an der Kreisky wesentlichen Anteil hatte. 1983 zog sich der schwer kranke Kreisky nach dem Verlust der absoluten Mehrheit – hervorgerufen durch wirtschaftliche Probleme, Skandale (AKH) und persönliche Rivalitäten (Fall Androsch") – von der Parteispitze und aus der Politik zurück. Bruno Kreisky starb 1991.

Quellen:http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/kreisky.htm, 14.7.2006, http://www.aeiou.at,14.7.2006, Herbert Dachs u.a. (Hg.), Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik, Wien 1995.

Zur Nationalratswahl vom 10. Oktober 1971:

Bei der Nationalratswahl vom 10. Oktober 1971 kandidierten insgesamt fünf Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ und die Offensive Links. Von diesen Parteien schafften bis auf die KPÖ und die Offensive Links alle Parteien den Einzug in den Nationalrat. Zur stimmenstärksten Partei wurde die SPÖ mit 2,280.168 bzw. 50% der abgegebenen Stimmen, während die ÖVP 1,964.713 bzw. 43,1% der abgegebenen Stimmen und die FPÖ 248.473 bzw. 5,5% der abgegebenen Stimmen erreichte. Der SPÖ gelang es somit erstmals die absolute Mandatsmehrheit zu erreichen. Sie erzielte 93 Mandate, die ÖVP 80 Mandate und die FPÖ 10 Mandate.

Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass die Nationalratswahl 1971 auf Basis des 1970 geänderten Wahlrechts durchgeführt wurde. Dieses verstärkte die Proportionalität von Stimmen und Mandaten und entsprach damit einer langjährigen Forderung von SPÖ und FPÖ, die aufgrund der Zusicherung der Wahlrechtsreform auch die Minderheitsregierung Kreisky – hinsichtlich der Verabschiedung ihres Budgets – unterstützt hatte. Neuerungen der Wahlrechtsreform 1970 waren: Die Erhöhung der Abgeordneten von 165 auf 183; die Einführung eines Vorzugstimmenwahlrechts, im ersten Ermittlungsverfahren werden die Stimmen in neun und nicht mehr 25 Wahlkreisen (System Hare), im zweiten Ermittlungsverfahren in zwei anstatt vier Wahlkreisverbänden (Methode d`Hondt) vergeben, Bedingung für die Teilnahme am zweiten Wahlverfahren ist die Erlangung eines Grundmandats, die Einführung eines Vorzugstimmenwahlrechts.

Maßgeblich für den Wahlerfolg der SPÖ mit Kreisky war ihr modernes Erscheinungsbild, an dem sie kontinuierlich seit ihrer Wahlniederlage 1966 gearbeitet hatte und die im Wahlkampf 1970 in der Verwendung eines neuen SPÖ-Logos mündete, ihre Öffnung zur Catch-all-Party (das gilt bereits für 1970), die Reformleistungen der Minderheitsregierung Kreisky (kleine Strafrechtsreform, "sechs Monate sind genug" etc.), diverse "Wahlzuckerl" (wie etwa 15.000 Schilling Heiratsgeld) sowie die Führungskrise der ÖVP, die durch den Rücktritt von Josef Klaus nach der Nationalratswahl 1970 ausgelöst worden war.

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