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Alles für Österreich!
Alles für Österreich!
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 9. Oktober 1949
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Spitzenkandidat der ÖVP bei den Nationalratswahlen 1949 war Bundeskanzler Leopold Figl. Er wurde auf den Wahlplakaten der Partei als Österreich verbundener, sich ganz in die Dienst des Landes stellender Politiker dargestellt, dessen gesamtes Tun dem Wohl des österreichischen Volkes zukommt. Kommuniziert wurde diese "Hingabe", ja geradezu "Aufopferung" für Österreich einerseits durch die Textbotschaft "Alles für Österreich" bzw. durch die Symbolik des ÖVP-Logos, das mit den Farben Rot-Weiß-Rot einen starken Österreich-Bezug aufweist, ja die ÖVP (Ö) geradezu mit Österreich identifiziert.

Zu Leopold Figl:

Leopold Figl wurde 1902 in Rust im Tullnerfeld (Niederösterreich) geboren. Er studierte an der Wiener Universität für Bodenkultur, hatte zentrale Funktionen im (Niederösterreichischen) Bauernbund, der Christlichsozialen Partei sowie dem "Ständestaat" und der ÖVP inne. Figl wurde 1927 Sekretär des Niederösterreichischen Bauernbundes, 1931 dessen Stellvertretender Direktor und 1933 dessen Direktor. Von 1934 bis 1938 war er Mitglied des Bundeswirtschaftsrates, 1937 wurde er Reichbauernführer. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich wurde Figl mit dem ersten "Prominententransport" ins KZ Dachau gebracht und in Folge bis 1943 in mehreren Konzentrationslagern interniert. 1943 wurde er aus der Haft entlassen. Bei der Verhaftungswelle nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 wurde Figl erneut festgenommen und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Der Einmarsch der Roten Armee verhinderte seine Hinrichtung. 1945 war er in den ersten Tagen nach Kriegsende Landeshauptmann von Niederösterreich und gehörte zu den Mitbegründern der ÖVP. Nachdem er schon der Provisorischen Regierung als Staatssekretär angehört hatte, wurde er nach den ersten Nationalratswahlen im November 1945 als Obmann der stärksten Partei Bundeskanzler. Figl war bis 1952 Bundsparteiobmann der ÖVP und bis 1953 Bundeskanzler. In beiden Funktionen wurde er von Julius Raab abgelöst, 1953 wurde er Außenminister in Kabinett Raab und unterzeichnete als solcher am 15. Mai 1955 den Staatsvertrag. Nach seinem Ausscheiden aus dieser Funktion 1959 wurde Figl zum Nationalratspräsidenten gewählt. Von 1962 bis zu seinem Tod 1965 war Figl Landeshauptmann von Niederösterreich. Figl gilt als populärer, volkstümlicher Politiker; er machte sich nach 1945 um die staatliche Einheit, den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die Unabhängigkeit Österreichs verdient und war ein Befürworter der politischen Zusammenarbeit aller Lager.

Quellen: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/figl.htm, 14.7.2006
http://www.aeiou.at,14.7.2006, http://www.parlinkom.gv.at, 14.7.2006; Herbert Dachs u.a. (Hg.), Die Politiker. Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik, Wien 1995.

Zur Nationalratswahl vom 9. Oktober 1949:

Bei der Nationalratswahl vom 9. Oktober 1949, bei der der Großteil der (1945 von der Wahl ausgeschlossenen) ehemaligen NationalsozialistInnen wieder wählen konnte - es handelt sich um rund 500.000 Personen, die aufgrund des Nationalsozialistengesetzes 1947 als "minderbelastet" eingestuft worden waren - kandidierten insgesamt zehn Parteien: ÖVP, SPÖ, Linksblock (Kommunistische Partei Österreichs und Linkssozialisten), WdU (VdU), Demokratische Union, Vierte Partei (Ergokraten), Demokraticna fronta delovnegna ljudstva, Demokratische Partei Österreichs, Wirtschaftspartei der Haus- und Grundbesitzer.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP, SPÖ, KPÖ und der Verband der Unabhängigen (VdU), der bei den Nationalratswahlen als "Wahlpartei der Unabhängigen" (WdU) kandidiert hatte. Entstanden war der VdU als "Sammelbecken der Ehemaligen" (gemeint sind ehemalige NationalsozialistInnen). Erfolgt war seine Etablierung mit maßgeblicher Unterstützung der SPÖ, vor allem von Innenminister Oskar Helmer, die sich durch die Kandidierung des VdU eine Schwächung der ÖVP erhoffte.

Die einzelnen Parteien erreichten folgende Ergebnisse: ÖVP 44% bzw. 1,846.581 Stimmen, SPÖ 38,7% bzw. 1,623.524 Stimmen, Linksblock 5,1% bzw. 213.066 Stimmen, WdU 11,7% bzw. 489.273 Stimmen, Demokratische Union 0,28% bzw. 12.059 Stimmen, Vierte Partei 0,17% bzw. 7.134 Stimmen, Demokraticna fronta delovnegna ljudstva 0,004% bzw. 2.088 Stimmen. Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (77 Mandate), SPÖ (67 Mandate), Linksblock (5 Mandate) und der WdU (16 Mandate).

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