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Es geht um Österreich!
Es geht um Österreich!
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 6. M?rz 1966.
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Dominierendes Thema im ÖVP-Wahlkampf 1966 war - wie bereits in den Jahren zuvor - der Antikommunismus und die Warnung vor der "roten Volksfront", wobei die ÖVP mit dem Feindbild des Kommunismus nicht nur die KPÖ, sondern v.a. auch die SPÖ bezeichnete, die sie als "Steigbügelhalterin des Kommunismus in Österreich" sah. Die Wahl wurde somit zur entscheidenden Existenzfrage für Österreich hochstilisiert. Plakatiert wurden u.a. die Slogans "Die rote Volksfront droht", "Österreich darf nicht rot werden" oder "Es geht um Österreich". In gestalterischer Hinsicht fallt eine starke Instrumentalisierung der Farben Rot und Grün auf, wobei die Farbe Rot SPÖ und KPÖ repräsentierte und die ÖVP für die Selbstdarstellung die Farbe Grün verwendete. Diese prägte seit 1962 die Corporate Identity der Partei, während es dem Hauptkontrahenten der ÖVP, der SPÖ, erst ab 1970 gelang, auf ihren Wahlplakaten ein einheitliches Erscheinungsbild zu entwickeln. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Farbe Grün bereits in der Symbolpolitik der Heimwehr in der Zwischenkriegszeit eine zentrale Rolle spielte, während mit dem (einköpfigen) Bundesadler als zentralem Handlungsträger eindeutig ein republikanisches Symbol (im Gegensatz zu doppelköpfigen Bundesadler der Habsburger-Monarchie und des "Ständestaates") gewählt wurde. Hierdurch aber auch durch die rot-weiß-rote Fahne, die schräg über das Plakat verläuft, gab sich die ÖVP das Bild einer staatstragenden Partei, die Autorität suggerieren will.

Zur Nationalratswahl vom 6. März 1966:

Bei den Nationalratswahlen vom 6. März 1966 kandidierten insgesamt sieben Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KLS, DFP-Liste Franz Olah, Liberale Partei Österreichs, Marxisten-Leninisten Österreichs. Entscheiden konnte die Wahl die ÖVP für sich, die 2,191.109 bzw. 48,35 der abgegebenen Stimmen erreichte (85 Mandate), während die SPÖ 1,928.985 bzw. 42,56 der abgegebenen Stimmen (74 Mandate) erzielte. Die FPÖ erreichte 242.570 bzw. 5,35% der abgegebenen Stimmen (6 Mandate); den anderen kandidierenden Parteien gelang der Einzug in den Nationalrat nicht.

Entscheidend für das Wahlergebnis waren das moderne, Reform orientierte Erscheinen der ÖVP, die mit ihrer "Aktion 20" für eine Versachlichung der Politik eingetreten war und somit frischen Wind in die Politik brachte sowie die schwere Krise der SPÖ, die sich vor allem um die Person von Franz Olah drehte.

Zurückzuführen ist diese auf das eigenmächtige Handeln des Gewerkschaftspräsidenten und Innenministers Franz Olah, der - ohne die Partei zu informieren - zum Ausbau seiner eigenen Machtposition Gewerkschaftsgelder zur Unterstützung der FPÖ und für die Wiederbegründung der Kronen-Zeitung verwendet hatte. Nach dem Bekanntwerden von Olahs Finanztransaktionen wurde dieser, der im innerparteilichen Machtkampf die Kronen-Zeitung auch gezielt gegen seine Gegner Pittermann, Broda und Benya einsetzte, 1964 aus der SPÖ ausgeschlossen, worauf er eine eigene Partei, die Demokratische Fortschrittliche Partei gründete, die bei den Wahlen 1966 vor allem der SPÖ Stimmen kostete.

Die Krise der SPÖ rund um Franz Olah, der 1969 auch gerichtlich verurteilt wurde, hatte das Ansehen der Partei in der Öffentlichkeit schwer geschädigt, aber auch eine Reihe von politischen Fehlern, wie eine ablehnende Haltung gegen das Rundfunksvolksbegehren 1964, die so genannte Fußach-Affäre, bei der der sozialistische Verkehrsminister Probst ein Bodenseeschiff gegen den heftigen Protest der Vorarlberger Bevölkerung auf den Namen Karl Renner taufen wollte und damit nicht nur Vorarlberg gegen den Wiener Zentralismus aufbrachte, sowie personelle und organisatorische Schwachpunkte, die u. a. dazu führten, dass das Wahlprogramm der SPÖ für die Nationalratswahl 1966, das "Programm für Österreich" nicht rechtzeitig fertig wurde, führten zur Wahlniederlage der SPÖ.

Nicht unwesentlich für die Wahlniederlage der SPÖ 1966 war aber auch die Wahlempfehlung der KPÖ, von der sich die Partei nicht entschieden genug distanzierte - lediglich Kreisky tat dies - was die ÖVP geschickt in ihrem Wahlkampf instrumentalisieren konnte.

Der Nationalratswahl vom 6. März 1966 folgten zwar Koalitionsgespräche zwischen ÖVP und SPÖ, zur Bildung einer neuerlichen Großen Koalition kam es jedoch nicht. Erstmal in der Zweiten Republik bildete die ÖVP unter Bundeskanzler Josef Klaus eine Alleinregierung, die bei manchen - so auch bei Bruno Kreisky - Ängste vor einem neuerlichen Aufbrechen alter Gegensätze, resultierend aus den Bürgerkriegserfahrungen 1934 wach werden ließen.

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