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Renner Straße - Dollfußweg
Renner Straße - Dollfußweg
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 10. Mai 1959
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Auffallend im Wahlkampf der SPÖ 1959 ist, dass in der Wahlwerbung der Partei die Verwendung der "Nationalfarben" Rot-Weiß-Rot erstmals eine gewisse Rolle spielte - eine Tendenz, die sich bei den Nationalratswahlen vom 18. November 1962 fortsetzen sollte. Auf dem dargestellten Plakat zeigt sich die SPÖ in einem eigenwillig modernen "Gewande", indem sie mit der Modernisierung der Landwirtschaft eine traditionell von der ÖVP vereinnahmte Zielgruppe zu gewinnen versucht. Hier zieht der "SPÖ-Traktor" den rot-weiß-roten Anhänger die "Renner-Straße" den Hang hinauf, während die "ÖVP-Kutsche als antimodernes Pendant den "Dollfussweg" hinab fährt. Feststellbar ist somit ein expliziter Österreich-Bezug im Selbstbild. Mit der Bezeichnung "Renner-Straße" und "Dollfussweg" erinnert die SPÖ aber auch an die Geschichte der Ersten und Zweiten Republik und den "Ständestaat", in dem sie dem Sozialdemokraten Karl Renner, dem erster Staatskanzler der Ersten und Zweiten Republik, Engelbert Dollfuß gegenüberstellt, der in den Jahren 1933 und 1934 die Demokratie in Österreich beendet und ein autoritäres Regierungssystem etabliert hat. Anzumerken ist hierbei, dass der Verweis auf die undemokratische Vergangenheit der ÖVP bzw. ihrer Vorgängerin, der Christlich-sozialen Partei, fixer Bestandteil in der Wahlwerbung der SPÖ in den ersten Jahrzehnten der Zweiten Republik war. Endgültig verabschiedet hat sich die SPÖ von diesem Wahlkampfthema erst 1970 mit der Erlangung der absoluten Stimmenmehrheit unter Bruno Kreisky.

Literatur: Dieter Binder: Zur Funktion des Dollfuß-Bildes in der sozialdemokratischen Propaganda, in: Christliche Demokratie 1 (1993) S. 47-57.

Zur Nationalratswahl vom 10. Mai 1959:

Bei der Nationalratswahl vom 10. Mai 1959 kandidierten insgesamt fünf Parteien: ÖVP, SPÖ, FPÖ, Kommunisten und Linkssozialisten, Bund demokratischer Sozialisten.

Die ÖVP erreichte 1,928.043 bzw. 44,2% der abgegebenen Stimmen, die SPÖ 1,953.935 bzw. 44,8% der abgegebenen Stimmen, die FPÖ 336.110 bzw. 7,7% der abgegebenen Stimmen, die Kommunisten und Linkssozialisten 142.578 bzw. 3,3% der abgegebenen Stimmen, der Bund demokratischer Sozialisten 2.190 bzw. 0,1% der abgegebenen Stimmen. Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP, SPÖ und FPÖ, wobei die SPÖ trotz Stimmenmehrheit aufgrund des bestehenden Wahlrechts ein Mandat weniger als die ÖVP erhielt. Die Mandate verteilten sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien: ÖVP 79 Mandate, SPÖ 78 Mandate, FPÖ 8 Mandate.

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