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Kreisky muß Kanzler bleiben
Kreisky muß Kanzler bleiben
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 24. April 1983
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Während die SPÖ 1975 "Kreisky - wer sonst" und 1979 "Kreisky - Österreich braucht ihn" plakatierte, affichierte sie 1983 "Kreisky muss Kanzler bleiben". Im Gegensatz zu den vorhergehenden Wahlen wurde die Aufforderung, Kreisky zu wählen, somit nochmals intensiviert. Gleichzeitig wurde der Einsatz der Rot-Weiß-Rot-Symbolik auf den Wahlplakaten der SPÖ verstärkt und zum Teil - wie auf dem oben abgebildeten Plakat - doppelt inszeniert: einmal als Plakat füllendes "Hintergrundmotiv" für die zentrale Forderung der SPÖ "Kreisky muss Kanzler bleiben" und ein zweites mal in Form des SPÖ-Logos, das seit 1979 aus einer geschwungenen rot-weiß-roten Fahne bestand.

Stärker als ihre Mitbewerber und auch stärker als jemals zuvor setzte die SPÖ im Wahlgang 1983 somit auf symbolischer Ebene durch den massiven Einsatz der Farben Rot-Weiß-Rot auf eine Identifikation mit Österreich, während sie auf der Textebene für einen Machterhalt eintrat. Zusammenfassend visualisiert das abgebildete Plakat somit die staatstragende Funktion, die die SPÖ seit 1970 eingenommen und 1983 auch beibehalten wollte; es signalisiert aber auch die `Vereinnahmung´ Österreichs durch die Partei wie dies Josef Seiter bereits im Zusammenhang mit dem neuen Parteilogo 1979 festgestellt hat (vgl. hierzu den Wahlgang 1979 und das Wahlplakat "Kreisky - Österreich braucht ihn".

Zur Nationalratswahl vom 24. April 1983:

Bei der Nationalratswahl vom 24. April 1983 kandidierten folgende Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ, Vereinte Grüne Österreichs - Liste Tollmann, Alternative Liste Österreich, Österreich-Partei und Ausländer-Halt-Bewegung. Den Einzug in den Nationalrat schafften SPÖ, ÖVP und FPÖ. Die SPÖ erreichte 2,312.529 bzw. 47,6% der abgegebenen Stimmen (90 Mandate), die ÖVP erreichte 2,097.808 bzw. 43,2% der abgegebenen Stimmen (81 Mandate), die FPÖ 241.789 bzw. 5% der abgegebenen Stimmen (12 Mandate).

Mit diesem Ergebnis verlor die SPÖ ihre absolute Mehrheit an Stimmen und Mandaten. Bundeskanzler Kreisky zog sich aus der Politik zurück und machte Fred Sinowatz zu seinem Nachfolger, der eine "kleine" Koalition mit der FPÖ bildete. Später folgte Sinowatz Kreisky auch an die Spitze der Partei nach.

Maßgeblich für das schlechte Abschneiden der SPÖ 1983 waren eine Reihe von Skandalen, die auch in den Medien breit behandelt worden waren (AKH-Skandal, Androsch-Kreisky-Konflikt, Noricum, Lucona etc.) sowie das zunehmend negativer werdende Image der SPÖ - stand die SPÖ Anfang der 1970-er Jahre für Modernität, Veränderung, Dynamik und Schwung, war ihr Image gegen Ende des Jahrzehnts immer stärker von negativen Komponenten wie Privilegienwirtschaft und Korruption (siehe Club 45), Misswirtschaft (siehe Verstaatlichte Industrie), Abgehobenheit (siehe Mallorca-Fraktion) und Verkrustetheit bestimmt.

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