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Kreisky - Österreich braucht ihn
Kreisky - Österreich braucht ihn
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 6. Mai 1979
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Wie bereits bei der Nationalratswahl 1975 stellte die SPÖ auch 1979 die Themen Zukunft und Sicherheit im Sinne einer sozialen Sicherheit in den Mittelpunkt ihres Plakatwahlkampfes, sprach diese Themen im Vergleich zur vorangegangenen Wahl jedoch noch stärker an. Das bewahrende Element in der SPÖ-Wahlwerbung zeigte sich 1979 auch daran, dass die SPÖ wiederum Kreisky zum hauptsächlichen Handlungsträger ihrer Wahlplakate machte. Mit ihrem Wahlslogan "Kreisky - Österreich braucht ihn" - portraitierte sie ihn als erfahrenen Staatsmann und verstärkte im Vergleich zu 1975 ("Kreisky - wer sonst") den Appell, Kreisky zu wählen.

Erklärbar ist dies vor allem durch die jüngsten Ereignisse rund um das Atomkraftwerk Zwentendorf. Während Kreisky für eine Inbetriebnahme des Kraftwerks war und hierfür auch sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale warf, hatte eine Volksabstimmung 1978 ergeben, dass es nicht zur Inbetriebnahme des AKW kommen sollte. Kreisky musste damit seine schwerste politische Niederlage hinnehmen, für viele unerwartet wurde die Wahl 1979 aber zur erfolgreichsten Wahl für die SPÖ in der Ära Kreisky.

Eine Analyse der sozialen AkteurInnen auf den SPÖ-Wahlplakaten mit dem Slogan "Kreisky - Österreich braucht ihn", zeigt, dass scheinbar alle - die Jungen, die Alten, die Familien und die Paare, die Kinder und Erwachsenen - Kreisky brauchten. Kreisky wurde damit primär zum Akteur im Sinne von Österreich, sein politisches Engagement zum Garanten für die von der SPÖ-Regierung ermöglichte positive Zukunft Österreichs. Dieser explizite Österreichbezug, der bis dato in der Kommunikationspolitik der SPÖ ein Manko gegenüber der ÖVP darstellte, gab der Partei eine neue Identität, die nicht nur auf Textebene nachweisbar ist, sondern mit dem neu konzipierten Parteilogo sozusagen institutionalisiert wurde.

Mit der Entwicklung des neuen Logos war bereits Anfang der 1970-er Jahre begonnen worden. Bereits Ende 1972 entschied sich das Zentralsekretariat in der ersten Annäherung für ein hochgezogenes weißes "S" vor einem beinahe quadratischen Hintergrund. Dieses frühere "S" war ursprünglich für ein Treffen der Sozialistischen Internationale entwickelt worden. Vor dem Wahlkampf 1979, im Herbst 1978, wurde das hochgestellte "S" dann zu einem lang gestreckten "S", das untrennbar mit dem Motto "Der österreichische Weg" verbunden wurde. Wie Josef Seiter ausführt, war "nach dem Willen der `Erfinder´ damit ein Kampagnenzeichen entwickelt worden, das vielleicht dem Logo eines Konzerns näher stand als dem Emblem einer Partei, aber vielfältige Assoziationen mit der Organisation, für die es stand, erlaubte: das etwas verfremdete rotweißrote "S" für SPÖ und sozialistisch, für die wehende österreichische Fahne - für einen neuen sozialistischen "österreichischen Weg", der besonders von der Person des Bundeskanzlers geprägt war. Das Logo war - wenn man so will - einerseits quasi als "Gütesiegel" für die Regierung Kreisky entwickelt worden, es visualisierte aber auch die staatstragende Funktion, die die SPÖ inzwischen eingenommen hatte bzw. eine `Vereinnahmung´ Österreichs durch die Partei sowie eine starke Identifikation mit dem Land. Andererseits war die `Wiederbenützung der rotweißroten Farben´ aber auch ein visueller Schritt der Abkehr vom Internationalismus, ein Symbol für den nationalen Erfolg einer Partei, aber auch das Eingeständnis des Verlustes der Utopie". (Seiter, Vom Arbeiterwappen zur Sternenkrone Europas, 141ff; Seiter, Visuelle Symbole und Embleme der österreichischen Sozialdemokratie, 7)

Zur Nationalratswahl vom 6. Mai 1979:

Bei der Nationalratswahl vom 6. Mai 1979 kandidierten insgesamt fünf Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KPÖ und die Christlich-Soziale-Arbeitsgemeinschaft.

Den Einzug in den Nationalrat schafften SPÖ, ÖVP und FPÖ, wobei die SPÖ ihre absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit erfolgreich verteidigen bzw. diese sogar noch ausbauen konnte. Kreisky konnte bei der Nationalratswahl 1979 das beste Wahlergebnis seiner 13-jährigen Amtszeit als österreichischer Bundeskanzler erzielen.

Die einzelnen Parteien erreichten folgendes Ergebnis: SPÖ: 2,413.226 bzw. 51% der abgegebenen Stimmen (95 Mandate), ÖVP: 1,981.739 bzw. 41,9% der abgegebenen Stimmen (77 Mandate), FPÖ: 286.743 bzw. 6,1% der abgegebenen Stimmen (11 Mandate).

Literatur: Seiter, Josef, Vom Arbeiterwappen zur Sternenkrone Europas. Visuelle Symbolik und Emblematik der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, in: Leser, Norbert / Wagner, Manfred (Hg.), Österreichs politische Symbole. Historisch. Ästhetische und ideologiekritisch beleuchtet, Wien/Köln/Weimar 1994, 127-146; Seiter, Josef, Visuelle Symbole und Embleme der österreichischen Sozialdemokratie (Dokumentation 2/1991 des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung), Wien 1991.

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