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Österreichs Weg empor
Österreichs Weg empor
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 25. November 1945
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Als Staatsgründer des wiedererstehenden Österreich fungierten 1945 die politischen Parteien. ÖVP, SPÖ und KPÖ konstituierten sich in auffallender struktureller und personeller Kontinuität zum "alten Österreich" vor 1933, nachdem die verschiedenen Widerstandsgruppen (mit Ausnahme von Tirol) - auch mit Zustimmung der Alliierten - als politischer Faktor rasch ausgeschlossen worden waren. Im Gegensatz zu SPÖ und KPÖ gab sich die ÖVP, die Österreichische Volkspartei, um nicht an die antidemokratisch-autoritäre Praxis ihrer Vorläuferpartei, der Christlichsozialen Partei, zwischen 1933 und 1938 zu erinnern, jedoch einen neuen Namen. Verbunden war der Aufbau einer neuen "Partei-Identität" in symbolischer Hinsicht mit einer starken Instrumentalisierung der Farben rot-weiss-rot, d.h. der Farben der österreichischen Nationalflagge. Österreichs "Weg nach oben" bzw. in eine gute Zukunft wurde - wie das oben angeführte Plakat zeigt - in der nationalen Identität, d.h. in einem starken Österreich-Bezug gesehen. Dargestellt wird eine sich durch eine Berglandschaft steil nach oben schlängelnde rot-weiß-rot Straße. Die Frage der Österreich-Identität taucht in der Wahlwerbung der ÖVP 1945 somit v.a. als räumliches Narrativ - wie es für traditionalistisch-konservativ-nationale Parteien typisch ist - auf, während für Linksparteien eher ein zeitliches Narrativ - geprägt von Utopie und Vision - Identität stiftend ist. Mit ihrem starken Österreichbezug - v.a. auch durch die dominante Verwendung der Farben rot-weiß-rot unterscheidet sich die Wahlwerbung der ÖVP 1945 deutlich von jener der anderen Parteien; unterschiedlich ist jedoch auch die thematische Gewichtung des Wahlkampfes. Während "Austrofaschismus" und Nationalsozialismus eine zentrale Frage bei SPÖ und KPÖ spielen, kommt diesem Thema auf den Wahlplakaten der ÖVP kaum Bedeutung zu. Wesentliche Themen in ihrem Wahlkampf waren Freiheit und Zukunft aber auch der Antikommunismus bzw. Antisozialismus.

Zur Nationalratswahl vom 25. November 1945:

Bei den ersten freien Nationalratswahlen nach dem Ende des austrofaschistischen und nationalsozialistischen Regimes kandidierten mit Zustimmung der Alliierten vier Parteien: ÖVP, SPÖ, KPÖ und die Demokratische Partei Österreichs. Durchgeführt wurden die Wahlen vom 25. November 1945 aufgrund eines eigenen Wahlgesetzes, das ehemalige NationalsozialistInnen oder Mitglieder der NS-Wehrverbände - insgesamt rund 500.000 Personen - vom Wahlrecht ausschloss. Das Wahlergebnis, das vorwiegend von den Frauen bestimmt war - sie stellten mit rund 63% die Mehrheit der WählerInnen - machte die ÖVP zur stimmenstärksten Partei; die KPÖ schnitt deutlich schlechter ab, als sie es erwartet bzw. Teile der österreichischen Bevölkerung und der westlichen Alliierten befürchtet hatten.

Konkret verteilten sich die abgegebenen Stimmen folgendermaßen auf die kandidierenden Parteien: die ÖVP erreichte 1,602.227 oder 49,8% der abgegebenen Stimmen, die SPÖ erreichte 1,434.898 oder 44,6% der abgegebenen Stimmen, die KPÖ 174.257 oder 5,4% der abgegebenen Stimmen, die Demokratische Partei Österreichs 5.972 oder 0,2% der abgegebenen Stimmen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (85 Mandate), SPÖ (76 Mandate) und KPÖ (4 Mandate), die eine Konzentrationsregierung bildeten, um die drängenden Probleme - Wiederaufbau von Wirtschaft, Demokratie, Verwaltung - zu lösen. Gleichzeitig bildete die alliierte Besatzung und das Streben um eine staatliche Souveränität ein starkes Motiv für die Zusammenarbeit. Politisch entscheidend war aber auch eine prinzipielle Konsensbereitschaft der Parteieliten, die auf die Entwicklung der Ersten Republik zurückzuführen war. "Nie wieder Bürgerkrieg" war eine Lektion, die von allen gelernt worden war. Ihr Ende fand die Konzentrationsregierung mit dem Ausscheiden des kommunistischen Ministers Karl Altmann im November 1947, worauf SPÖ und ÖVP eine große Koalition bildeten.

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