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Sicherheit für alle!
Sicherheit für alle!
Wahlplakat der ÖVP für die Nationalratswahl vom 6. M?rz 1966
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Die ÖVP hatte bereits im Wahlkampf 1962 gleich drei (symbolische) Elemente in ihrer Bildkommunikation zusammengeführt und rund um die Farbe Rot-Weiß-Rot, den Schriftzug ÖVP und die Farbe Grün in Analogie zur modernen Markenartikelwerbung (Markenname + Logo) konsequent eine neue Corporate Identity entwickelt, die sie auch 1966 beibehielt. Im Logo sind nach wie vor die Farben Rot-Weiß-Rot als nationales Symbol von zentraler Bedeutung, wobei diese wie bereits in früheren Jahren - so etwa 1959 - mit dem Buchstaben "V" (für Volk) kombiniert wurden, während das "Ö" und "P" zumeist in Weiß vor grünem Hintergrund, in späteren Jahren aber auch grün auf andersfarbigen Hintergrund, gehalten sind. Als wichtigste Neuerung muss hierbei v.a. die Farbe Grün verstanden werden, die in der Ersten Republik und im "Ständestaat" die Farbe der Heimwehr war und mit der sich die ÖVP nun gegen die im Feinbilddiskurs dominierende Farbe Schwarz wendete. Sie wandte sich somit gezielt dem Aufbau einer positiven Imagewerbung zu, womit sie gegenüber der SPÖ 1962 und 1966 eindeutig einen Kommunikationsvorsprung verbuchen konnte. Besonders mit dem starken Gegensatz Grün-Rot - während alles, was die ÖVP betraf, in einem warmen, positiven Grün gezeichnet wurde, wurde SPÖ und KPÖ mit einem aggressiven, negativen Rot bezeichnet - erinnern die Plakate der ÖVP aber auch an die Plakate aus der Ersten Republik.

Zur Nationalratswahl vom 6. März 1966:

Bei den Nationalratswahlen vom 6. März 1966 kandidierten insgesamt sieben Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, KLS, DFP-Liste Franz Olah, Liberale Partei Österreichs, Marxisten-Leninisten Österreichs. Entscheiden konnte die Wahl die ÖVP für sich, die 2,191.109 bzw. 48,35 der abgegebenen Stimmen erreichte (85 Mandate), während die SPÖ 1,928.985 bzw. 42,56 der abgegebenen Stimmen (74 Mandate) erzielte. Die FPÖ erreichte 242.570 bzw. 5,35% der abgegebenen Stimmen (6 Mandate); den anderen kandidierenden Parteien gelang der Einzug in den Nationalrat nicht.

Entscheidend für das Wahlergebnis waren das moderne, reformorientierte Erscheinen der ÖVP, die mit ihrer "Aktion 20" für eine Versachlichung der Politik eingetreten war und somit frischen Wind in die Politik brachte sowie die schwere Krise der SPÖ, die sich vor allem um die Person von Franz Olah drehte.

Zurückzuführen ist diese auf das eigenmächtige Handeln des Gewerkschaftspräsidenten und Innenministers Franz Olah, der - ohne die Partei zu informieren - zum Ausbau seiner eigenen Machtposition Gewerkschaftsgelder zur Unterstützung der FPÖ und für die Wiedergründung der Kronen-Zeitung verwendet hatte. Nach dem Bekanntwerden von Olahs Finanztransaktionen wurde dieser, der im innerparteilichen Machtkampf die Kronen-Zeitung auch gezielt gegen seine Gegner Pittermann, Broda und Benya einsetzte, 1964 aus der SPÖ ausgeschlossen, worauf er eine eigene Partei, die Demokratische Fortschrittliche Partei gründete, die bei den Wahlen 1966 vor allem die SPÖ Stimmen kostete.

Die Krise der SPÖ rund um Franz Olah, der 1969 auch gerichtlich verurteilt wurde, hatte das Ansehen der Partei in der Öffentlichkeit schwer geschädigt, aber auch eine Reihe von politischen Fehlern, wie eine ablehnende Haltung gegen das Rundfunksvolksbegehren 1964, die so genannte Fußach-Affäre, bei der der sozialistische Verkehrsminister Probst ein Bodenseeschiff gegen den heftigen Protest der Vorarlberger Bevölkerung auf den Namen Karl Renner taufen wollte und damit nicht nur Vorarlberg gegen den Wiener Zentralismus aufbrachte, sowie personelle und organisatorische Schwachpunkte, die u. a. dazu führten, dass das Wahlprogramm der SPÖ für die Nationalratswahl 1966, das "Programm für Österreich" nicht rechtzeitig fertig wurde, führten zur Wahlniederlage der SPÖ.

Nicht unwesentlich für die Wahlniederlage der SPÖ 1966 war aber auch die Wahlempfehlung der KPÖ, von der sich die Partei nicht entschieden genug distanzierte - lediglich Kreisky tat dies - was die ÖVP geschickt in ihrem Wahlkampf instrumentalisieren konnte.

Der Nationalratswahl vom 6. März 1966 folgten zwar Koalitionsgespräche zwischen ÖVP und SPÖ, zur Bildung einer neuerlichen Großen Koalition kam es jedoch nicht. Erstmal in der Zweiten Republik bildete die ÖVP unter Bundeskanzler Josef Klaus eine Alleinregierung, die bei manchen - so auch bei Bruno Kreisky - Ängste vor einem neuerlichen Aufbrechen alter Gegensätze, resultierend aus den Bürgerkriegserfahrungen 1934 wach werden ließen.

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