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Elend und Not regiert - wo die ÖVP diktiert
Elend und Not regiert - wo die ÖVP diktiert
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 22. Februar 1953
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek - Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Harte feindliche Auseinandersetzungen in der politischen Plakatkommunikation waren bis zu Beginn der 1970-er Jahre üblich: Nicht nur die Slogans waren oft von Angstparolen gezeichnet, gleichfalls waren die Bilder und Symbole auf den Plakaten von diffamierenden Anspielungen und Schmähungen der politischen Gegner geprägt.

Tierdarstellungen galten als besonders probates Mittel, um die politische Konkurrenz zu verunglimpfen. Eine zentrale Figur des SPÖ-Wahlkampfes 1953 war neben dem von Viktor Th. Slama entworfenen "Rentenklau" der ebenfalls von Slama geschaffene "Hungerraab". Dieser irrt - in Analogie zu den Wahlgängen der Ersten Republik und anknüpfend an den Namen von ÖVP-Obmann Julius Raab - traurig in einer kalten trostlosen Winterlandschaft herum und trägt in seinem Schnabel eine "Arbeitslosen Meldekarte" mit sich.

Da die Positionen der Koalitionspartner ÖVP und SPÖ in den Budgetverhandlungen unvereinbar gewesen waren, kam es 1953 zu vorgezogenen Neuwahlen. Die ÖVP trat für einen Sparkurs ein, dessen zukünftige Folgen nun im Wahlkampf von der SPÖ als Horrorszenario inszeniert wurden: "Elend und Not regiert - wo die ÖVP diktiert." Angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen im Winter 1952/53 spielt das Bild des "Hungerraaben" mit der Arbeitslosenkarte im Schnabel auf ein weiteres Steigen der Arbeitslosigkeit und eine zunehmende soziale Kälte hin, wie es sie in der Ersten Republik gab, aus der auch das Symbol des schwarzen Raben stammt. Das Schreckensbild einer ÖVP-dominierten Regierung dient aber nicht nur der Abwertung des politischen Gegners im Feindbilddiskurs, vielmehr stellt sich die SPÖ als Antithese zu dieser Entwicklung dar, indem sie sich als Retterin vor einer solchen Zukunft präsentiert - "Wehrt euch! Wählt SPÖ!" -- und sich entsprechend ihrer Tradition für soziale Sicherheit und die Rechte der ArbeitnehmerInnen einsetzt.

Als Logo verwendete die Partei 1953 den roten Schriftzug SPÖ, der Gebrauch des alten Parteilogos der Drei Pfeile auf den Wahlplakaten geht deutlich zurück.

Zur Nationalratswahl vom 22. Februar 1953:

Bei der Nationalratswahl vom 22. Februar 1953 kandidierten elf Parteien: ÖVP, SPÖ, Bund österreichischer Monarchisten, Christlichdemokratische Partei (Krscanska demokratska stranka), Christlichsoziale Partei und Parteifreie Persönlichkeiten, Österreichische National-Republikaner und Parteilose, Österreichische Patriotische Union, Überparteiliche Einigung der Mitte, Wahlgemeinschaft parteiloser Persönlichkeiten, Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition, Wahlpartei der Unabhängigen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (1,781.777 Stimmen oder 41,3% der abgegebenen Stimmen bzw. 74 Mandate), SPÖ (1,818.517 Stimmen oder 42,1% der abgegebenen Stimme bzw. 73 Mandate), die Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition, die Nachfolgerin des Linksblocks bestehend aus KPÖ und Linkssozialisten (228.159 oder 5,3% der abgegebenen Stimmen bzw. 4 Mandate) und die Wahlpartei der Unabhängigen (472.866 Stimmen oder 10,9% der abgegebenen Stimmen bzw. 14 Mandate). Stimmenstärkste Partei wurde die SPÖ, die aufgrund des bestehenden Wahlrechts jedoch ein Mandat weniger als die ÖVP erlangte.

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