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Das Fundament für den Aufbau
Das Fundament für den Aufbau
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 25. November 1945
Quelle: Wiener Stadt- und Landesbibliothek

1945 knüpfte die SPÖ ganz bewusst bei ihrer historischen Rolle im Kampf gegen den Faschismus an und inszenierte auch das bereits in der Ersten Republik verwendete Symbol der Drei Pfeile weiter. Entstanden sind die sozialistischen Drei Pfeile als Gegensymbol zum nationalsozialistischen Hakenkreuz ursprünglich in Deutschland, wo sie für die Eiserne Front (ein Bündnis aus SPD, sozialdemokratischen Gewerkschaften und dem Reichsbanner, der Wehrorganisation der SPD) vom russischen Emigranten Sergej Tschakotin entworfen worden waren. Sie sollten dazu dienen, die an die Wände geschmierten Hakenkreuze zu überpinseln und damit "aufzuspalten". Von der österreichischen Sozialdemokratie wurden sie Anfang der 1930-er Jahre als "Parteilogo" verwendet; 1933 wurde ihr öffentlicher Gebrauch - ebenso wie rote Fahne, Sowjetstern und Hakenkreuz - vom "Ständestaat" verboten.

Entstehungsgeschichtlich stammen die sozialistischen Drei Pfeile somit aus dem Symbolkampf der Ersten Republik. 1945 wurde das alte Parteilogo der Drei Pfeile von der SPÖ übernommen, während es in Deutschland nicht mehr verwendet wurde. Verändert wurde das Logo in Österreich insofern, als die Drei Pfeile nun (als Zeichen der Verbindung von Sozialdemokratie und Revolutionären Sozialisten) in einen (roten) Ring gesetzt wurden und ihnen eine neue Bedeutung gegeben wurde. So sollten sie nun nicht mehr die Vernichtung des Kapitalismus, des Faschismus und der Reaktion sondern die politische Einheit der Arbeiterschaft (des Industriearbeiters, des Landarbeiters und des geistigen Arbeiters) symbolisieren. Gleichzeitig sind Versuche nachweisbar, das Parteilogo in einen positiven, konstruktiven Kontext zu setzen, wenngleich diese Versuche quantitativ von geringer Bedeutung sind. Ein Beispiel, das die neue positive Besetzung des Parteilogos dokumentiert, ist ein Bildplakat, bei dem das Parteilogo der Drei Pfeile im roten Kreis zum Fundament für den Aufbau und für ein neues Österreich wird.

Literatur: Helene Maimann, Die ersten 100 Jahre. Österreichische Sozialdemokratie 1888-1988, Wien 1988.

Zur Nationalratswahl vom 25. November 1945:

Bei den ersten freien Nationalratswahlen nach dem Ende des austrofaschistischen und nationalsozialistischen Regimes kandidierten mit Zustimmung der Alliierten vier Parteien: ÖVP, SPÖ, KPÖ und die Demokratische Partei Österreichs. Durchgeführt wurden die Wahlen vom 25. November 1945 aufgrund eines eigenen Wahlgesetzes, das ehemalige NationalsozialistInnen oder Mitglieder der NS-Wehrverbände - insgesamt rund 500.000 Personen - vom Wahlrecht ausschloss. Das Wahlergebnis, das vorwiegend von den Frauen bestimmt war - sie stellten mit rund 63% die Mehrheit der WählerInnen - machte die ÖVP zur stimmenstärksten Partei; die KPÖ schnitt deutlich schlechter ab, als sie es erwartet bzw. Teile der österreichischen Bevölkerung und der westlichen Alliierten befürchtet hatten.

Konkret verteilten sich die abgegebenen Stimmen folgendermaßen auf die kandidierenden Parteien: die ÖVP erreichte 1,602.227 oder 49,8% der abgegebenen Stimmen, die SPÖ erreichte 1,434.898 oder 44,6% der abgegebenen Stimmen, die KPÖ 174.257 oder 5,4% der abgegebenen Stimmen, die Demokratische Partei Österreichs 5.972 oder 0,2% der abgegebenen Stimmen.

Den Einzug in den Nationalrat schafften ÖVP (85 Mandate), SPÖ (76 Mandate) und KPÖ (4 Mandate), die eine Konzentrationsregierung bildeten, um die drängenden Probleme - Wiederaufbau von Wirtschaft, Demokratie, Verwaltung - zu lösen. Gleichzeitig bildeten die alliierte Besatzung und das Streben um eine staatliche Souveränität ein starkes Motiv für die Zusammenarbeit. Politisch entscheidend war aber auch eine prinzipielle Konsensbereitschaft der Parteieliten, die auf die Entwicklung der Ersten Republik zurückzuführen war. "Nie wieder Bürgerkrieg" war eine Lektion, die von allen gelernt worden war. Ihr Ende fand die Konzentrationsregierung mit dem Ausscheiden des kommunistischen Ministers Karl Altmann im November 1947, worauf SPÖ und ÖVP eine große Koalition bildeten.

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