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Echte Freunde halten ihr Versprechen
Echte Freunde halten ihr Versprechen
Wahlplakat der FPÖ für die Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Dominierende Themen im Nationalratswahlkampf der FPÖ 1999 waren die Einführung des Kinderschecks (Schlagwort/Themen Kinder, Kinderbeihilfe), Menschlichkeit und Zusammenhalt, Ehrlichkeit und Ethik, wobei die Partei insbesondere in punkto Ehrlichkeit an die beiden vorhergegangenen Wahlgänge erinnerte. Im Gegensatz zu 1994 und 1995 steigerte die FPÖ das "Einfach Ehrlich. Einfach Jörg" jedoch noch zum "Einfach menschlich". Angesprochen wurden aber auch die Feinbilder Drogen und Ausländer sowie das Thema Heimat.

Präsentiert hat sich die FPÖ im Wahlkampf 1999 mit einem neuen Logo, das aus einer Art blauen Linse bestand, mit der wohl der Blick aufs Wesentliche gelenkt werden sollte bzw. mit der fokussiert werden soll, was wirklich wichtig ist. In ihr hieß es in der es entweder "Jetzt erst recht/FPÖ", "Gerade jetzt/FPÖ" oder - und das dann, wenn Jörg Haider plakatiert wurde - "Einfach menschlich/FPÖ".

Zu finden ist der im Symbol der Linse eingebaute Slogan "Jetzt erst recht/FPÖ" etwa auf jenem Plakat der FPÖ, das Herbert Scheibner, Susanne Riess-Passer, Jörg Haider und Peter Westenthaler in einer blauen Ellipse vor gelbem Hintergrund mit dem Text "Echte Freunde halten ihr Versprechen" abbildete, wobei dieser Slogan in zweifacher Hinsicht "historische" Bezüge aufweist. Einerseits stellt der Slogan eine Weiterentwicklung des "Er hat Euch nicht belogen" aus dem Wahlkampf 1995 dar, andererseits erinnert das "Jetzt erst recht" an den Bundespräsidentschaftswahlkampf 1986, in dem mit dieser Parole für die Wahl Waldheims geworben war, nachdem seine Kriegsvergangenheit bekannt geworden war. Hinsichtlich der Abbildung der vier PolitikerInnen in einer sie umschließenden Linse, fällt hingegen auf, dass sie dicht aneinander gedrängt sind, wodurch Zusammenhalt ausgedrückt werden sollte, der im weitesten Sinn nicht nur innerhalb des Akteurteams, sondern auch für die WählerInnen - auch sie sind "echte Freunde" - gelten sollte.

Zur Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999:

Bei der Nationalratswahl vom 3. Oktober 1999 kandidierten insgesamt neun Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, LIF, Die Grünen, KPÖ, DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner), NEIN (Nein zu NATO und EU Neutrales Österreich Bürgerinitiative) und CWG (Christliche Wählergemeinschaft).

Hiervon schafften folgende Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ: 33,2% (1,532.448) der abgegebenen Stimmen oder 65 Mandate, ÖVP: 26,9% (1,243.672) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, FPÖ: 26,9% (1,244.087) der abgegebenen Stimmen oder 52 Mandate, Die Grünen: 7,4% (342.260) der abgegebenen Stimmen oder 14 Mandate. Das LIF schaffte 1999 mit 3,65% (168.612) der abgegebenen Stimmen den Einzug in den Nationalrat nicht mehr, ebenso gelang es der erstmals kandidierenden DU (Die Unabhängigen - Liste Lugner) nicht, ins österreichische Parlament einzuziehen.

Den Wahlen folgte die Bildung einer ÖVP-FPÖ-Koalitionsregierung unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der noch im Wahlkampf angekündigt hatte, bei einem Abrutschen auf den dritten Platz in Opposition zu gehen. Nach den Wahlen wurde zunächst Viktor Klima als Vorsitzender der stimmenstärksten Partei, der SPÖ, beauftragt, Sondierungs- bzw. Koalitionsgespräche zu führen. Die Gespräche zwischen SPÖ und ÖVP scheiterten jedoch aus verschiedenen Gründen (Gerüchte über Parallel-Verhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ, Widerstände der SP-Gewerkschaften, die Forderung der ÖVP nach Übernahme des Finanzressorts, wogegen sich die SPÖ wehrte, etc.), worauf FPÖ und ÖVP beschlossen - ohne Auftrag des Bundespräsidenten - Verhandlungen über eine Regierungsbildung aufzunehmen, die zu einem positiven Ergebnis führten. Innerhalb der Europäischen Union wurde dies deutlich kritisch rezipiert und führte zu den so genannten "Sanktionen" der EU-14. Nicht zuletzt deswegen, da Klima inzwischen ein zweites Mal mit der Bildung einer Regierung gescheitert war, gelobte Bundespräsident Klestil am 4. Februar 2000 die erste ÖVP-FPÖ-Regierung an.

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