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Wer EU-kritisch wählt, wählt blau
Wer EU-kritisch wählt, wählt blau
Wahlplakat der FPÖ für die Nationalratswahl vom 24. November 2002
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Im Wahlkampf 2002 setzte die FPÖ auf ein bewährtes Thema, die Kritik an der Europäischen Union, wobei sie auf ihren Wahlplakaten das scheinbare Gegensatzpaar Österreich versus EU aufbaute, forderte sie doch die WählerInnen auf, "Für Österreich - Ohne Wenn und Aber" und somit EU-kritisch zu wählen.

Anzumerken ist dabei, dass die FPÖ in den letzten Jahren öfters in ihrer öffentlichen Rhetorik versuchte, mit einer Kritik an der Europäischen Union ("Brüsseler Diktat, Österreich als Nettozahler, der zu wenig von der EU zurückbekommt etc.) Stimmen für sich zu gewinnen.

Die FPÖ hatte ursprünglich bis 1992 eine zustimmende Haltung zum EG-Beitritt Österreichs eingenommen, 1989 stimmte sie für das Beitrittsgesuch, 1991/1992 schwenkte sie aber auf eine ablehnende Haltung um und sprach sich bei der EU-Volksabstimmung 1994 gegen den Beitritt Österreichs aus. Im Vorfeld der Beteiligung Österreichs an der Währungsunion mit 1.1.1999 startete die FPÖ das "Schilling-Volksbegehren".

Als Logo verwendete die FPÖ 2002 den rot-blauen Schriftzug FPÖ, der 1999 in selber Typographie, allerdings in den Farben Weiß und Rot, in eine blau Linse montiert war.

Zur Nationalratwswahl vom 24. November 2002:

Bei den vorzeitigen Nationalratswahlen vom 24. November 2002 kandidierten insgesamt neun Parteien: SPÖ, FPÖ, ÖVP, Die Grünen, KPÖ, LIF, Die Demokraten, Christliche Wählergemeinschaft (CWG) und Sozialistische Linkspartei (SLP). Den Einzug in den Nationalrat schafften vier Parteien.

Die SPÖ erreichte 36,51% (1.792.499) der abgegebenen Stimmen und 69 Mandate, die ÖVP 42,30% (2.076.833) der abgegebenen Stimmen und 79 Mandate, die FPÖ 10,01% (491.328) der abgegebenen Stimmen und 18 Mandate und die Grünen 9,47% (464.980) der abgegebenen Stimmen und 17 Mandate.

Maßgeblich für die Abhaltung verfrühter Nationalratswahlen im Spätherbst 2002 waren v. a. innerparteiliche Konflikte in der FPÖ, die Bundeskanzler Schüssel dazu bewogen, am 9. September 2002 Neuwahlen für Ende des Jahres anzukündigen. Nachdem die FPÖ bereits während der gesamten Regierungszeit der schwarz-blauen Koalition mit der Umstellung von einer Oppositions- zu einer Regierungspolitik zu kämpfen hatte (hohe Fluktuation unter ihren MinisterInnen, unterschiedliche Positionen hinsichtlich einer "gemäßigten" Regierungspolitik und dem damit verbundenen Abgehen von einer aggressiven Oppositionspolitik), war die Situation auf dem Sonderparteitag in Knittelfeld am 8. September 2002 eskaliert. Hier kam es zu einer "Abrechnung" mit der Regierungspolitik und einem innerparteilichen "Putsch" gegen die "gemäßigten", "Konsens orientierten" FPÖ-Regierungsmitglieder, Vizekanzlerin Riess-Passer, Finanzminister Grasser, Klubobmann Westenthaler und Infrastrukturminister Mathias Reichhold, worauf Riess-Passer, Grasser und Westenthaler sowie später auch Reichhold ihren Rücktritt erklären und Bundeskanzler Schüssel am 9. September 2002 Neuwahlen für Ende November 2002 ankündigte.

Nach den Wahlen, bei denen die ÖVP v. a. auch deswegen als Siegerin hervorging, weil sie unmittelbar vor dem Wahlgang den in der Öffentlichkeit beliebten Finanzminister Grasser als ihren Kandidaten vorstellen konnte, führte die ÖVP zwar mit allen Parteien (SPÖ, Grüne, FPÖ) Sondierungsgespräche, bildete schlussendlich aber neuerlich eine Koalition mit der FPÖ. Die Machtverhältnisse in der neuen schwarz-blauen Regierung hatten sich jedoch entschieden verändert - einerseits dadurch, dass die FPÖ massiv an Stimmen verloren hatte, andererseits dadurch, dass die FPÖ durch die jüngsten Vorfälle auch in personeller Hinsicht geschwächt war (noch während des Wahlkampfes wechselte die Parteispitze mehrfach: auf Riess-Passer folgte kurzfristig Mathias Reichhold sowie dann Herbert Haupt) - weshalb die Vermutung nahe liegt, dass ÖVP-Obmann Schüssel die Schwächesituation der FPÖ ausnützten wollte, um das innerkoalitionäre Kräfteverhältnis neu zu bestimmen.

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