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Der Aufschwung muss allen Österreichern zugute kommen
Der Aufschwung muss allen Österreichern zugute kommen
Wahlplakat der SPÖ für die Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994
Quelle: VGA/Sammlung Kunisch

Die SPÖ bestritt ihren Wahlkampf 1995 insbesondere mit sozialen Themen, wobei die drei Bereiche Pensionen/Renten, Frauenrechte und Gesundheitssystem im Vordergrund standen und Vranitzky, der den Plakatwahlkampf der Partei eindeutig bestimmte, den WählerInnen einerseits versicherte, dass er "für alle Österreicher" da ist bzw. dass "der Aufschwung allen Österreichern zugute kommen muss". Auch mit diesen beiden Slogans versuchte die SPÖ somit einen breiten WählerInnenkreis anzusprechen bzw. sich als sozial orientierte Partei zu präsentieren.

In visueller Hinsicht fällt das Logo der Partei auf, das diese bei den Nationalratswahlen 1994 und 1995 in unveränderter Form verwendete. Wie bereits 1990, als erstmals das Europa-Zitat auf den Wahlplakaten der Partei auftauchte, war es auch 1994 und 1995 auf den Wahlplakaten der Partei präsent. Die SPÖ war damit die einzige Partei, die bei den Nationalratswahlen von 1945 bis 2002 jemals einen Europa-Bezug in ihrem Logo aufwies. Auffallend ist hierbei, dass die SPÖ das Europa-Zitat bei den Wahlkämpfen rund die Abgabe des Beitrittsgesuchs (1989), die Volksabstimmung über den EU-Beitritt (1994) und den Beitritt selbst (1995) verwendete und diesen später wieder auf den Wahlplakaten ausklammerte. Zurückführbar ist die Verwendung des "EU-Logos" vermutlich darauf, dass sich die ÖVP in der Öffentlichkeit besser als Europa-Befürworterin positionieren konnte und die SPÖ somit gezwungen war, in diesem Bereich ein gewisses "Manko" zu kompensieren.

In thematischer Hinsicht spielte die EU weder bei der SPÖ noch bei anderen Partei auf den Wahlplakaten 1990, 1994 und 1995 (zumindest was das umfangreiche Untersuchungssample betrifft, das der vorliegenden Analyse zugrunde liegt) keine Rolle.

Zur Nationalratswahl vom 17. Dezember 1995:

Die nach der Nationalratswahl vom 9. Oktober 1994 gebildete große Koalition hatte keinen langen Bestand. Nachdem Wolfgang Schüssel am 22. April 1995 Erhard Busek nach einem innerparteilichen Machtkampf als ÖVP-Obmann ablöste und am 4. Mai 1995 auch seine Nachfolge als Vizekanzler (sowie als Nachfolger von Alois Mock auch als Außenminister) angetreten hatte, initiierte Schüssel angesichts massiver Budgetprobleme vorzeitige Neuwahlen, die am 17. Dezember durchgeführt wurden. Die Hoffnung, die ÖVP zur stimmenstärksten Partei zu machen, ging jedoch nicht in Erfüllung - im Gegenteil die ÖVP verlor sogar ein Mandat, während die SPÖ sechs Mandate dazugewinnen konnte. Bundeskanzler Vranitzky brachte diese Wahl, die neuerlich zur Bildung einer großen Koalition führte, das beste Ergebnis seiner Kanzlerschaft ein

Von den insgesamt 13 Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ, Die Grünen - Die Grüne Alternative, Liberales Forum - Heide Schmidt, Vereinte Grüne Österreichs - Liste Adi Pinter, KPÖ, Bürgerliche Grüne Österreichs, Freie Demokraten - Die Liberalen, Verband der Sozialversicherten Bürgerlisten und Unabhängige, Nein - Bürgerinitiative gegen den Verkauf Österreichs, Christliche - Wähler - Gemeinschaft, Österreichische Naturgesetz-Partei, Fritz Georg, Die Beste Partei) schafften fünf Parteien den Einzug in den Nationalrat: SPÖ 38,1% (1,843.679) der abgegebenen Stimmen bzw. 71 Mandate, ÖVP 28,3% (1,370.497) der abgegebenen Stimmen und 53 Mandate, FPÖ 21,9% (1,060.175) der abgegebenen Stimmen und 40 Mandate, Die Grünen 4,8% (233.232) der abgegebenen Stimme und 9 Mandate, LIF 5,5% (267.078) der abgegebenen Stimmen und 10 Mandate.

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